p1020817Der Redakteur Bernd Minges, Wiesbadener Kurier, führte ein Gespräch mit dem neuen Direktor.

Kompletter Artikel: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/rheingau/geisenheim/6669745.htm

„Hans Reiner Schultz ist Nachfolger von Klaus Schaller als Direktor der Forschungsanstalt Geisenheim. Auf den 50-Jährigen warten viele “Baustellen“. Die Zukunft der wissenschaftlichen Einrichtung mit rund 320 Beschäftigten beurteilt er positiv.

Sein Vorgänger Professor Klaus Schaller hat gerade erst das 19 Millionen teure Zentrallabor eingeweiht, das als eines der modernsten Laboratorien in der Wein- und Gartenbau-Forschung gilt. Das heißt aber nicht, dass der neue Direktor, Professor Hans Reiner Schultz, keine Baupläne mehr auf den Tisch bekäme. Seine Kollegen nennen ihn jetzt schon “Bob, den Baumeister“. Denn dank 6,2 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket geht es gleich weiter: Als nächstes sollen die denkmalgeschützten Gebäude der Phytomedizin und Mikrobiologie grundlegend saniert werden. Damit nicht genug: Das alte Institutsgebäude, das direkt ans Zentrallabor angrenzt, soll abgerissen und neu aufgebaut werden. Schon jetzt fehlen wieder Büroflächen.

Campus-Planung

Geisenheim hofft auf weitere 27 Millionen Euro aus dem Hochschul-Investitionsprogramm Heureka. Das Geld könnte für die Umsetzung des Campus-Plans genutzt werden, der gegenwärtig für die grundlegende räumliche Neuordnung von FAG und Fachhochschule erarbeitet wird. Südlich der Bahnlinie soll künftig nur noch die Villa Monrepos als Wissenschafts- und Lehrstandort erhalten bleiben. Die Gebäude der Bodenkunde und Weinanalytik an der Rüdesheimer Straße könnten nach der Sanierung als Gästehäuser für ausländische Wissenschaftler genutzt werden.

Geplant sind zudem ein neues Getränke- und Sensorikzentrum, das direkt am Zentrallabor angebaut werden könnte. Handlungsbedarf besteht bei den hohen Energiekosten von rund einer Million Euro jährlich.

Starker Verbund

Dass Detlev Reymann als ehemaliger Geisenheimer jetzt Präsident der Fachhochschule (FH) und Otmar Löhnertz als FH-Dekan in Geisenheim Ansprechpartner ist, die beide den FAG-FH-Verbund aus dem Effeff kennen, erleichtert Schultz den Start. Er ist in diesen Wochen dabei, sich aus seinem früheren Fachgebiet Weinbau “auszuklinken“. Dabei könne er auf ein gutes Team vertrauen. Die Fachgebietsleitung wird kommissarisch Manfred Stoll übernehmen.

Neben den Investitionen des Landes Hessen, die zeigen, dass der Standort aufgewertet werden soll, kommt es für Schultz darauf an, den Wissenschaftsbetrieb “zukunftssicher“ zu machen und Geisenheim weiter international zu positionieren. Seine internationale Erfahrung war bei der Stellenbesetzung ein Auswahlkriterium. Der 50-Jährige hält es für außerordentlich wichtig, dass sich Geisenheim als Knotenpunkt in einem internationalen Forschungsnetzwerk für Sonderkulturen ­ Wein-, Obst- und Gemüsebau ­ behauptet und einbindet. Er sieht es als vorrangige Aufgabe, dieses Netz mitzuknüpfen. An Forschungsprojekten über die Ländergrenzen hinweg führe längst kein Weg mehr vorbei.

Als Beispiel nennt Schultz die Untersuchung, wie Pflanzen auf die zunehmende CO2-Belastung reagieren. “Das kann ein Land allein nicht stemmen.³ Oder das Vordringen neuer Pflanzenkrankheiten und Schädlinge. Beim Klimawandel seien zuverlässige Modelle erarbeitet werden, aber die beziehen sich alle auf eine Höhe von zwei Metern über dem Boden, sagt Schultz. Für den Agrarbereich komme es aber auf die Temperatur direkt über dem Boden an.

Schultz optimistisch

Die Forschungsanstalt hat intern längst damit begonnen, über Fachgebiete hinweg zusammenzuarbeiten. Zum Beispiel bei Fragen wie: Was sind wertvolle Inhaltsstoffe von Pflanzen? Wie kann man den Wasserstress und -verbrauch angesichts zunehmender Trockenphasen steuern?
Ganz entscheidend für den weiteren Wissenschaftsbetrieb wird es sein, ob im Landeshaushalt die zehn gewünschten “Post doc-Stellen“ für bereits promovierte Wissenschaftler, die befristet an bestimmten Projekten arbeiten, genehmigt werden.

Trotz der vielen Baustellen, blickt Schultz optimistisch in die Zukunft. Zum einen sei bei den Beschäftigten großes Potenzial abrufbar, zum andern sei Geisenheim ein “Kleinod“, das aufgrund der kurzen Wege und des Verbunds mit der FH sehr leistungsfähig sei. Wichtig sei es, dass die Leistungen auch nach außen dringen. Dafür sei ein Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit für den gesamten Campus erforderlich.“


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