Exkursion an die Mosel

Exkursion an die Mosel

 

Heute habe ich einen informativen Bericht von 2001 über das Weinbaustudium in Geisenheim bei Jobber (www.jobber.de) gefunden. Hier ein Auszug:
Auf dem Campus der Fachhochschule Wiesbaden (Anmerkung von mir: und Forschungsanstalt Geisenheim) gärt in Dutzenden Glasballons gärt Most. Doch wenn der Inhalt zu Wein geworden ist, wird ihn niemand trinken. Dafür erforschen die Studenten des Fachbereichs Weinbau und Getränketechnik in der Geisenheimer Fachhochschule seine chemische Zusammensetzung, und lernen viel über die Seele des Weins.Inmitten von Weinbergen am Südhang des Taunus, im hessischen Geisenheim liegt der Campus. Traubenlesen, Weinbau- und Kellertechniken, Rebenzüchtung und Weinchemie: Ein umfangreiches Paket aus Theorie und Praxis müssen die Studierenden schultern, um nach acht Semestern Studium das im deutschsprachigen Raum einzige FH- Diplom zum Weinbau-Ingenieur zu bekommen. Egal ob sie das Familienweingut übernehmen, in Verbänden oder in der Wirtschaft arbeiten wollen, die Studenten müssen mal im Weinberg oder im Labor Schädlinge aufspüren, mal pauken sie in den Hörsälen Mathe, Biologie oder Wirtschaft.

Önologie, die Wissenschaft vom Wein, wird immer beliebter. 135 Studenten haben sich im diesjährigen Wintersemester in Geisenheim eingeschrieben. Im Vergleich zu den Erstsemesterzahlen von vor vier Jahren ist das ein Zuwachs um 50 Prozent. «Gegen die steigende Konkurrenz aus dem Ausland haben die Winzer in Deutschland die beste Chance, wenn sie immer auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand sind», begründet der Dekan des Fachbereiches, Otmar Löhnertz, den regen Zulauf. Langsam wird es voll auf dem Campus, der erst vor drei Jahren neue Hörsäle, eine Mensa und eine große Bibliothek bekommen hat. «Aber bis jetzt konnten wir noch jeden Studenten gut versorgen», sagt Karl Bayer, der 18 Jahre lang Dekan des Fachbereichs war und das Amt in diesem Sommer abgegeben hat.

An der Weinbau-Hochschule greifen Forschung und Lehre eng ineinander. Die an die FH gekoppelte Forschungsanstalt, die bereits im Jahr 1872 als königlich preußische Lehranstalt gegründet wurde, forscht regelmäßig im Auftrag des Bundesministeriums für Verbraucherschutz. Beispielsweise untersuchen die Wein- Wissenschaftler, ob es in Deutschland erlaubt sein sollte, den Most zur Steigerung der Qualität zu konzentrieren.

«Das sind ganz aktuelle weinbaupolitische Fragen», sagt Bayer, «davon profitieren die Studierenden erheblich». Das bestätigt auch der Deutsche Weinbauverband in Bonn. «Gerade heute, wo der internationale Wettbewerb in der Weinwelt schärfer wird, ist es wichtig, dass die jungen Ingenieure auch wissenschaftliches Know-how mitbringen», sagt Verbandsreferent Klaus Rückrich.

Im Fach Sensorik begeben sich die angehenden Wein-Experten auf die Suche nach der Harmonie zwischen Augenschein, Geruch und Geschmack: Schmeckt der Wein so, wie er riecht? Wie kann ich einen bestimmten Geschmack im Gedächtnis behalten? Und wie in Worte fassen? Thymian, Geranie, Vanille? «Das ist kein Zauber, sondern eine Trainingsfrage», sagt Alison Crary, die aus Kalifornien zum Studium nach Hessen kam. Dabei ist das Training nicht mit einer feucht-fröhlichen Weinprobe zu verwechseln. «Zwei Stunden lang 50 Weine zu testen, erfordert eine ungemeine Konzentration. Da wir gespuckt und nicht geschluckt», betont Crary.

Damit die Studenten den Weinbau von der Pike auf kennen lernen, ist eine Lehre oder zumindest ein sechsmonatiges Praktikum, beispielsweise bei einem Winzer, Pflicht. Die meisten Studenten kommen ohnehin aus einer Winzerfamilie, fast die Hälfte von ihnen aus Rheinland-Pfalz. So war bei Silke Hüther, 22, als Tochter eines Südpfälzer Winzers die Leidenschaft für den Wein mit in die Wiege gelegt. Mit 18 war sie Weinkönigin, heute studiert sie in Geisenheim im 3. Semester.

Genau wie Winzertochter Elske Schönhals, 23, aus Rheinhessen bringt sie in den Semesterferien das Neueste aus der Weinbau- Forschung mit nach Hause. «Wenn wir kommen, schlagen unsere Eltern schon die Hände über dem Kopf zusammen», schmunzelt Schönhals. Denn der Geisenheimer Lehrmeinung eile zwar weltweit ein erstklassiger Ruf voraus. «Doch meine Familie muss abwägen, was wir zu Hause umsetzen können. Die Finanzen spielen auch eine Rolle.»“

Quelle: 2001 Deutsche Presse Agentur (dpa)


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