Der_Oenologe_6_09_Seite_1 Mein Editorial in der Zeitschrift „Der Oenologe“ Ausgabe Juni 2009 habe ich in meiner Funktion als Vizepräsident des Bundes Deutscher Oenologen und als Präsident der VEG-Geisenheim Alumni Association geschrieben.

 

Gesellschaftliche, berufliche und private Beziehungen müssen sich seit jeher der menschlichen Eigenart  stellen, nämlich, dass Neues zunächst mit Neugier und Interesse, Gewohntes jedoch eher mit Gelassenheit und Desinteresse wahrgenommen und behandelt  wird. 

Die Auswirkung dieser Tatsache ist sehr vielschichtig. Zerstört diese in privaten Beziehungen schnell ein wertvolles Vertrauensverhältnis, ist sie hingegen in der Berufswelt in der Form eines Job-Wechsels – zur beruflichen Weiterentwicklung und Karriereförderung –  gewünscht.  In einer Gesellschaft ist die Wechselwirkung zwischen Neuem und Altem ein natürlicher Prozess, dessen Ergebnis die Ausbildung einer Tradition ist.

 

Als neu gewählter Präsident der VEG – Geisenheim Alumni Asscociation habe auch ich den Reiz einer neuer Aufgabe aufgegriffen. Dabei wird mein Anspruch sein,  einem traditionellen Verband eine moderne Ausrichtung zu geben.

 

Die Vereinigung verfolgt seit 1894 lt. Satzung das Ziel, „Forschung, Wissenschaft und Lehre an der Hochschule und an den Einrichtungen der Forschungsanstalt Geisenheim, bzw. deren Vorgängereinrichtungen und eventuellen Nachfolgeeinrichtungen in Geisenheim, sowie den Kontakt und Erfahrungsaustausch zwischen den Absolventen, den Professoren, Mitarbeitern und Studenten, zu fördern.“

 

Wir stehen als VEG mit mehr als  2000 „Geisenheimern“ seit über hundert Jahren mit Leidenschaft für dieses Ziel ein.

 

Die positive Entwicklung am Campus Geisenheim, der, ähnlich wie Silicon Valley für die IT-Branche, derzeit im Bereich der Sonder- und Intensivkultur Wein- und Gartenbau ein weltweit bekannter Ort für hervorragende Wissenschaft, Lehre und Praxis ist, geht weiter. Ein neues, junges Leitungsteam ist angetreten, um auf solider Wissensbasis und zukunftsgewandten Bauinvestitionen in Millionenhöhe neue Zeichen zu setzen.  Mit dem neuen Präsidenten der Fachhochschule Wiesbaden (ab 1.9.2009 Hochschule RheinMain), Prof. Detlev Reymann, der selbst viele Jahre in Geisenheim Gartenbau-Ökonomie gelehrt hat, dem neuen Direktor der Forschungsanstalt Geisenheim, Prof. Dr. Hans Reiner Schultz und dem Dekan des Fachbereich Geisenheim, Prof.  Dr. Otmar Löhnertz, verfügt Geisenheim über exzellente und innovative Führungskräfte mit weitreichenden Ideen.

 

Neuen Bildungsabschlüssen, wie beispielsweise dem „Bachelor“, begegnen wir als Geisenheimer Alumni offen, wenngleich nicht unkritisch, hat uns doch der „Diplom-Ingenieur“  lange Jahre ausgezeichnet. Mit dem neuen Abschluss besteht heute zwangsläufig  die Möglichkeit, schnell neue Studiengänge zu konzipieren, deren mittelfristige Einflüsse auf unseren Bildungs- und Berufsstand aber längst noch nicht abzusehen sind. Hier sind wir als „Geisenheimer“ gefordert mit großer Aufmerksamkeit die Entwicklungen zu verfolgen und notfalls beherzt einzugreifen.

 

Als Präsident der VEG freut es mich natürlich, dass wir aktive Mitglieder in verantwortungsvollen Positionen in Wirtschaft, Verwaltung und Bildung haben, die alle deren umfangreiches Wissen in Geisenheim erworben haben und es nun an neuer Stelle umsetzen werden. Eine Besinnung zur eigenen Alma Mater in Geisenheim wird dabei immer wieder neue Energien freisetzen.

 

Neues zu entwickeln ist wichtig – dabei sollte man Herkunft und Traditionen weder vergessen noch unterschätzen. Nehmen wir uns die Freiheit für Offenheit und eine kreative Wahrnehmung.


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