P7220010Dpa/Frankfurter Rundschau, 27.7.2009 Geisenheim/Neustadt

„Streit um den neuen Weinbau-Studiengang Geisenheim/Neustadt.

Zumindest auf politischer Ebene schienen sich die Wogen geglättet zu haben – auf Hochschul-Ebene geht der Streit um den neuen Weinbau-Studiengang „Weinbau und Oenologie“ in Rheinland-Pfalz weiter. Der Geisenheimer Dekan der Fachhochschule Wiesbaden, Otmar Löhnertz, hält das Angebot auf der anderen Seite des Rheins für nicht nachvollziehbar, wie er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte – gerade in Zeiten knapper Kassen.

Was stört Sie an dem Angebot in Rheinland-Pfalz?

Löhnertz: „Es gibt eine Klientel in Deutschland, die eine Hochschulausbildung in Weinbau braucht. Da geht es um etwa hundert Menschen jährlich, was wir seit Jahrzehnten abdecken. Wenn Rheinland- Pfalz jetzt meint, es müsste etwas Eigenes machen oder sich profilieren, dann ist das erst mal das gute Recht des Bundeslandes, gar keine Frage.“

Aber?

Löhnertz: „Was uns aber wirklich stört, ist, dass man in Rheinland- Pfalz ständig von einer einzigartigen Verbindung von Lehre und Praxis spricht und so tut, als ob das was Neues wäre. Man impliziert ja damit, dass die Leute bislang nicht so ausgebildet wurden. Das ist einfach falsch, schlichtweg falsch. Und das ist gegenüber den vielen Abgängern in den letzten Jahren nicht fair. Praxisinhalte im Studium, das machen wir in Geisenheim seit langem. Man sollte in Rheinland- Pfalz nicht so tun, als ob das was ganz, ganz Neues wäre.“

Wo sehen Sie noch Probleme?

Löhnertz: „Man muss sich in der kleinen Branche Weinbau überlegen, ob man nicht gemeinsam etwas macht. Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, warum man in Bingen – einen Steinwurf von uns entfernt – eine Professur für Weinbau einrichtet. Wir bieten ja zum Beispiel für Bingen auch den Gartenbaubereich an. So stelle ich mir Zusammenarbeit vor und nicht, dass man parallel etwas aufbaut, das macht wenig Sinn.“

Hätte man sich also das rheinland-pfälzische Angebot sparen können?

Löhnertz: „Aus meiner Sicht kann man sich das voll und ganz sparen. Weil wir uns jetzt gegenseitig die Studenten abwerben. Es wird ja nicht mehr Studenten geben. Es gibt zwar mehr Menschen von außerhalb, die in den Weinbau gehen, aber trotzdem ist dieser Bereich doch sehr begrenzt. So attraktiv ist der Weinbau, wenn man dort später arbeitet, auch nicht. Gucken Sie sich doch nur die Gehälter an.“

Sehen Sie trotz all der Differenzen eine Basis für Kooperationen?

Löhnertz: „Wir werden natürlich miteinander kooperieren. Wir sind ja nicht weltfremd. Mein Angebot war ja die ganze Zeit, dass man etwas gemeinsam macht. Da wollte niemand mit mir reden. Man kann es nicht so darstellen, als ob wir kein Interesse an Kooperation hätten. Es soll nicht so rüberkommen, dass wir mosern, weil wir beleidigt sind. Das ist absoluter Käse.“ (dpa)

www.campus-geisenheim.de“

aus:  http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/?em_cnt=1853760&em_loc=1234


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