globalWiesbadener Kurier vom 05.08.2009 von Bernd Minges

„Eigentlich könnte die Außenstelle des Deutschen Wetterdienstes voller Stolz ihren 125. Geburtstag feiern. Denn sie ist einzigartig in Deutschland und zeichnet seit 1884 ununterbrochen Wetterdaten auf. Eine derart umfangreiche Datenbasis gibt es in keiner anderen deutschen Weinbauregion. Doch die Freude ist bei den elf Mitarbeitern trotz des Jubiläums getrübt: Nach 2012 will der Wetterdienst die agrarmeteorologische Beratung, die Geisenheim für vier Bundesländer leistet, in Offenbach ansiedeln.

Insbesondere für den Rheingauer Weinbau wäre das ein großer Verlust, sagen Experten. Denn gerade in Zeiten des Klimawandels sei ein enger Austausch mit der Forschungsanstalt besonders wichtig. „Dann brechen uns zentrale Teile für unsere Arbeit weg“, hat deren Direktor, Hans Reiner Schultz, beklagt.

In Geisenheim besteht freilich Hoffnung, dass die Verbindung nicht ganz gekappt wird. Es gebe Gespräche mit Landwirtschafts- und Wissenschaftsministerium, sagt Ulrich Otte, Leiter der Abteilung Agrarmeteorologie in Offenbach. Er spricht von einem „Knowhow-Transfer“ im Weinbaubereich. Dies setze aber voraus, dass die Forschungsanstalt personelle Ressourcen schaffe.

Verbindungen zur Forschungsanstalt haben von Anfang an bestanden, berichtet die Leiterin Cornelia Perseke-Ockelmann. Die Messstation war am 30. Juni 1884 von Gustav Hellmann, dem späteren Direktor des Königlich Preußischen Meteorologischen Instituts in Berlin, eingerichtet worden und bis 1935 in die Lehranstalt für Obst und Weinbau integriert. Das bevorzugte Klima des Rheingaus sollte systematisch beobachtet werden. Besondere Aufmerksamkeit galt stets den witterungsbedingten Risiken für den Weinbau.

Heute ist die Erfassung der Wetterdaten automatisiert. Seit 1992 betreibt die Außenstelle ein Funkmessnetz von Wicker bis Lorch. Dessen Daten sind Grundlagen für das Wetterfax für den Weinbau, das in Kooperation mit Weinbauamt Eltville, Forschungsanstalt und Weinbauverband erarbeitet wird und den Winzern wertvolle Tipps gibt.“

Ein klares Bekenntnis zur Bedeutung des Wetterdienstes für die Forschung und Lehre in Geisenheim!


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