Archiv Wiesbadener Kurier / Foto: Margielsky

Ein Beitrag von Bernd Minges im Wiesbadener Kurier, 14.1.2010

Der Öko-Weinbau ist langsam auf dem Vormarsch. Professor Randolf Kauer von der Forschungsanstalt Geisenheim sprach bei der Winterfachtagung des Rheingauer Weinbauverbands von einem „erheblichen Zuwachs“, der in Rheinland-Pfalz am schnellsten voranschreite. Freilich sind es deutschlandweit gerade erst 4,5 Prozent der Rebflächen, die nach der EU-Bioverordnung bewirtschaftet werden. Im Rheingau sind es mittlerweile 83 Hektar oder 2,3 Prozent. Ob die „Zukunftsorientierung“ des Weinbaus aber allein im ökologischen Anbau zu sehen ist, darüber gibt es bei den Praktikern kontroverse Diskussionen, wie die von Professor Hans Schultz moderierte Veranstaltung im Bürgerhaus Kiedrich zeigte. Die Zeit der Grabenkämpfe sei aber vorbei, sagte Kauer.

Der Hallgartener Winzer Josef Kreis ist dem Modell des konventionellen, „kontrolliert umweltschonenden Anbaus“ verpflichtet und fühlt sich damit nicht in einer Verteidigungshaltung. Der Kunde erwarte vom Winzer ohnehin, dass im Weinberg umweltschonend gearbeitet werde. Er wies auf Kooperationsverträge mit Rheingauer Wasserwerken zur Reduzierung von Nitrat- und Pflanzenschutzmittelbelastung hin, auf zurückhaltende Düngung und Bodenbegrünung.

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Es seien gerade die Premium-Betriebe in Deutschland, die auf Öko umstellen und sich dabei auch noch an der Bio-Dynamik orientieren. Bei dieser Wirtschaftsweise werden unter anderem Feldspritzpräparate wie Hornkiesel und Hornmist sowie Schachtelhalmpräparate eingesetzt, zudem spielen Mondstellung und Planetenimpulse eine Rolle. Dieses System wird im Oestricher Weingut Peter Jakob Kühn praktiziert. „Wir sind sehr, sehr glücklich mit dem, was wir heute machen“, erklärte Sandra Kühn.

Im Öko-Weinbau sind Herbizide verboten und hohe Ertragsziele nicht möglich. Kritiker werfen den Öko-Winzern immer wieder den Kupfereinsatz zum Pflanzenschutz vor. Diese Boden belastende Anwendung komme im konventionellen System nicht vor, so Fox. Allerdings haben sich die deutschen Bio-Verbände auf eine Höchstmenge von drei Kilogramm pro Hektar und Jahr verpflichtet. EU-weit sind noch sechs Kilogramm erlaubt.

Im Einzelhandel lassen sich mit Bio-Weinen nicht unbedingt höhere Preise erzielen, sagte Kauer, als Direktvermarkter hätten die Weingüter bessere Möglichkeiten. Fox meinte, dass konventionelle Bewirtschafter kostengünstiger und damit in einem Markt mit einem Überangebot konkurrenzfähiger seien. Gerade diese Perspektive sei aber auf Dauer nicht zukunftsorientiert, weder für die Umwelt noch für die Verbraucher, sagen Kritiker des traditionellen Weinbaus.

Quelle: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/rheingau/kiedrich/8215820.htm


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