Foto: Stötzer

Ein schöner Beitrag von Thorsten Stötzer über die Preisverleihung im Wiesbadener Kurier vom 12.6.2010

http://www.wiesbadener-kurier.de/region/rheingau/geisenheim/9011188.htm

Zwischen PET und Bentonit

„Zuhause in Schweppenhausen wird Frank Seckler nicht so schnell PET-Flaschen einsetzen. Im Familien-Weinbaubetrieb mit acht Hektar Rebfläche (Anbaugebiet Nahe) ist noch Glas gefragt statt der leichten und unzerbrechlichen Alternativen. Dennoch hat sich der 27-Jährige in der Hochschule Rhein-Main in Geisenheim mit dem Thema befasst und nun sogar einen Preis der Gerd-Erbslöh-Stiftung gewonnen.

Seine Diplom-Arbeit im Fach Weinbau und Oenologie bildete die Basis für seinen Erfolg. Lob gab es bei der Verleihung, natürlich im Gerd-Erbslöh-Hörsaal, von prominenter Seite. Die Arbeit könne zur „Pflichtlektüre für Brancheninsider“ werden, meinte Federico Castellucci, Generaldirektor der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV), der 43 Länder angehören.

Nicht weniger Anerkennung ernteten die beiden anderen Preisträger Manuella Webber Witt und Jochen Vestner. „Vielseitigkeit und Intensität“ der Forschungen hob Gerd Erbslöh hervor, der Stifter der Auszeichnungen. Der 82 Jahre alte Unternehmer wertete die prämierten Beiträge als „konsequente Reihe“ zur Frage „Wie bringt man fehlerfreien Wein auf Flaschen und wie verschließt man ihn?“.

Preisträgerin aus Brasilien

Über Manuella Webber Witts Master-Arbeit zum allergischen Potenzial von Weinschönungsmitteln freute sich Erbslöh besonders: Sie hatte sich auch mit Bentonit befasst und das war einst das erste Produkt der Firma, das nicht aus dem Bergbau stammte. Die 23 Jahre alte Preisträgerin kommt aus dem Bundesstaat Paraná im Süden Brasiliens und strebt derzeit in Geisenheim die Promotion in der Kellerwirtschaft an. Zuvor hat Webber Witt einen europäischen Master-Studiengang mit Stationen in Montpellier und Madrid absolviert.

Den dritten Gewinner hat es ebenfalls in die Welt hinaus getrieben – sogar so weit, dass er bei der Verleihungsfeier nicht anwesend sein konnte. Der 25-jährige Getränketechnologe Jochen Vestner aus Bad Kreuznach hat einen Master-Studiengang im südafrikanischen Stellenbosch belegt. In seiner Diplom-Arbeit hat er ein Verfahren geschildert, mit dem sich Trichloranisol schneller messen lässt. Der Stoff werde oft als „klassischer Korkton“ bezeichnet und verursache „dumpf-muffige Fehltöne“, erläuterte die Professorin Doris Rauhut. Ihre Kollegen Monika Christmann und Rainer Jung würdigten wiederum die vorgelegten Studien Webber Witts und Secklers.

Ehe Gastredner Castellucci in deutscher und englischer Sprache Strukturen und Aufgaben der OIV vorstellte, ging er auf die wissenschaftlichen Standards in Geisenheim ein. Die Qualität eines Weines rühre nicht nur von historischem Wissen und Klima her, sondern auch von der Forschung. Er dankte Gerd Erbslöh, dass er sich mit seiner Stiftung in einer Zeit engagiere, da Budgetkürzungen wie „Steine im Weg“ wirkten.“


Keine Kommentare möglich.