GEISENHEIMER Tropentreff Neues aus der Forschungswelt

Weil die Kaktus-Motte den kalten Winter in Deutschland außerhalb eines Gewächshauses nicht überleben würde, eine unkontrollierte Massenvermehrung des Schädlings also anders als in Mexiko ausgeschlossen ist, sind die Studien über die Anfälligkeit verschiedener Opuntien-Arten gegenüber dem Schädling nach Geisenheim verlegt worden. Professorin Annette Reineker, Leiterin des Fachgebietes Phytomedizin der Forschungsanstalt Geisenheim leitet die Studien. Was sie herausgefunden hat, berichtete sie beim Geisenheimer Tropentreff, der seit 2002 einmal jährlich Arbeiten und Projekte aus den Anbausparten Gartenbau und Weinbau der Tropen und Subtropen präsentiert. Wissenschaftler, Studenten, Berater, Vertreter „fairer“ Handelorganisationen sowie Bürger treffen sich, um Neues aus tropischen und subtropischen Anbaugebieten zu erfahren.

Reineke konnte zeigen, dass einige der 28 untersuchten Kaktus-Arten nur sehr schwach von der Motte besiedelt wurden. Jetzt muss noch geprüft werden, ob die Kaktus-Arten mit den schlechten „Wirtseigenschaften“ in gleichem Maße für die Ernährung von Mensch und Tier geeignet sind wie die besonders stark befallenen, bisher angebauten Arten. Professor Uma Devi von der Andhra University in Indien, derzeit Gastwissenschaftlerin im Fachgebiet Phytomedizin, beschäftigtigte sich mit dem Klimawandel. Auf vertikal installierten, großformatigen Betonplatten werden in Dünnschichtkulturen und unter Ausnutzung von Sonnenenergie bestimmte Mikroalgen vermehrt, die das schädliche Kohlendioxid aus unserer Atmosphäre binden sollen. Die Algen sind gleichzeitig wichtige Nahrungsergänzungsstoffe.

Professor Peter-Jürgen Paschold, ehemaliger Leiter des Geisenheimer Fachgebietes Gemüsebau, berichtete über den Anbau und die Vermarktung von Spargel in Peru, der dort das ganze Jahr über gestochen werden kann.

Dietmar Zinner vom Deutschen Primatenzentrum Göttingen untersucht die Lebensräume, das soziale Verhalten und die Essgewohnheiten von afrikanischen Mantelpavianen. Er stellte dabei fest, dass von den Pavianen auf ihren Schlafbäumen ausgeschiedenen unverdaulichen Samen der Opuntien an den Schlafbäumen so optimale Bedingungen vorfinden, dass sie sich unkontrolliert vermehren.

Ludwig Kiefer vom Deutschen Entwicklungsdienst berichtete über den ökologischen Anbau von Tafeltrauben in Tarija (Bolivien), die sich an mehreren Meter hohen Bäumen emporranken. Die Trauben in luftiger Höhe sind weniger anfällig gegen Schadpilze. Weil diese speziellen Erziehungsform immer mehr zurückgeht, gibt es in Bolivien immer mehr die gleichen Probleme wie hier: Pilzkrankheiten und Schädlinge. Der Ghanaer Bede Godwill von „The Fair Trade Company“ (Gepa) präsentierte Ziele, Aufgaben und Struktur der Gepa. Der Geisenheimer Tropentreff geht traditionell im Garten von Werner Hoffmann weiter und richtig zu Ende ist er erst am nächsten Tage nach einem „fairen Frühstück“.

Wiesbadener Tagblatt, 2.7.2010


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