Foto: RMB/Margielsky

Auszug Wiesbadener Kurier vom 27.7.2010, Bernd Minges

„Geisi“ soll noch in diesem Jahr die ersten Fahrversuche machen. Nicht nur die Rheingauer Winzer, die Steillagen bewirtschaften, sind gespannt. Auch die Kollegen von der Mosel und vom Mittelrhein verfolgen die Arbeit des Fachgebiets Technik an der Forschungsanstalt Geisenheim erwartungsvoll. Professor Hans-Peter Schwarz und sein Team entwickeln eine führerlose Maschine, die sich ohne Seilwinden in den Steilhängen bewegen kann, ferngesteuert vom Winzer, der eine Art Nintendo bedient.

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Angetrieben von zwei 27 und 15 PS starken Aggregaten, soll sich die Arbeitsplattform auf Stachelwalzen in den steilen Hängen in Lorch und Rüdesheim bewegen lassen. Für Pflanzenschutz, Mulchen oder Laubarbeiten wird sie jeweils mit Zusatzgeräten ausgerüstet. „Bis zu 70 Prozent Steigung wollen wir schaffen“, sagt Schwarz.

Das von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung geförderte Projekt ist eine von vielen Initiativen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: Das charakteristische Landschaftsbild an Rhein und Mosel sowie in anderen typischen Steillagenbereichen soll erhalten bleiben. In Lorchhausen und Lorch sind die Auswirkungen des Knochenjobs der Steillagenwinzer seit langem zu sehen. Immer mehr Flächen wurden aufgegeben. Die Winzer scheuen freilich nicht die harte Arbeit, aber sie können dafür nicht den angemessenen Erlös erzielen, weil die meisten Kunden keinen allzu großen Preisunterschied zu den in Flachlagen erzeugten Weinen akzeptieren. „Der Kunde zahlt im Regal dafür keine ein bis zwei Euro mehr pro Flasche“, sagt Andreas Booß, Leiter des Weinbauamts Eltville.

Arbeitskosten entscheidend

Die Arbeitskosten sind der Knackpunkt bei der Bewirtschaftung. Während der Winzer im Steilhang bei reiner Handarbeit weit mehr als 1000 Stunden pro Hektar und Jahr investieren muss, kommt sein Kollege, der auf großen zusammenhängenden Flächen in Rheinhessen die ganze Bandbreite der Mechanisierung einsetzt, sogar schon mit weniger als 200 Stunden aus, so Professor Schwarz. Bei einem Mehraufwand von 8000 Euro Lohnkosten müsse die Flasche Wein einen Euro teurer verkauft werden. „Wenn wir es nicht schaffen, dass der Steillagen-Weinbau kostendeckend arbeitet, kann man nicht erwarten, dass die Kulturlandschaft erhalten bleibt“, warnt der Experte.

„Wir bekommen aber auch gar nicht mehr die Leute, die freiwillig in den Steilhang gehen“, sagt der Wissenschaftler. Dafür sei nicht nur die anstrengende Arbeit, sondern auch das Risiko verantwortlich.

Beim Prototyp, der in Geisenheim entwickelt wird, muss im Gegensatz zu den bisher eingesetzten Mechanisierungssystemen mit Seilzug oder mit Raupen kein Mann mehr auf dem Arbeitsgerät sitzen. „Wenn keiner draufsitzt, kann auch keiner mehr verunglücken“, so Schwarz.

Bei einem anderen Projekt, an dem die Geisenheimer beteiligt sind, ist noch ein Fahrer erforderlich. Der zusammen mit dem Dienstleistungszentrum für den Ländlichen Raum Mosel und dem Julius-Kühn-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen sowie der Firma Durmatec entwickelte Steillagen-Vollernter soll die mühsame Handlese ersetzen und auf Flächen bis zu 60 Prozent Hangneigung Trauben ernten können. Das Gerät mit einem hydraulischen Antrieb an vier Rädern läuft an zwei Seilwinden. Aufgabe des Geisenheimer Fachgebiets ist es, die Maschine auch für den Pflanzenschutz nutzbar zu machen.“

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