Beitrag aus dem „Wiesbadener Kurier“, 9.9.2010

„Erst lastet Hitze von alttestamentarischem Ausmaß über der Landschaft, dann fallen enorme Mengen Regen in kurzer Zeit: Solche „ständigen brutalen Wechsel“ setzen auch Pflanzen zu. Otmar Löhnertz widmete daher bei der Betriebsleitertagung auf dem Campus Geisenheim dem Thema „Umweltstress und Weinqualität“ einen Vortrag. Die Experten gehen davon aus, dass der Klimawandel vermehrt zu Wetterextremen führt.

Die Auswirkungen reichten bis über die Gärung hinaus, erklärte Löhnertz. „Stress führt zur Abnahme der Fruchtigkeit bei Riesling“, legte er dar, wobei die Faktoren nicht genau abzugrenzen seien und oft kombiniert aufträten. So sei für Sonnenbrand-Effekte bei Trauben wohl eher der Temperatur-Einfluss und nicht die Sonneneinstrahlung verantwortlich. Stickstoff- und Wassermangel bereiteten außerdem Stress.

Der Professor schilderte, dass die Folgen bei Weißwein und Rotwein unterschiedlich seien. Die Abkürzung UTA für „Untypischer Alterungston“ tauchte mehrfach im Referat auf. Vorzeitige Alterung, vor allem bei weißen Sorten, sei ein anderes Phänomen. Es gelte, die Stressfaktoren auszugleichen, sagte Löhnertz. Er beklagte, dass die dafür nötige Bodenbearbeitung aber in Betrieben oft einen niedrigen Stellenwert einnehme.

Die Betriebsleitertagung besaß diesmal keinen speziellen Schwerpunkt. Vielmehr wolle man die eigene Vielfalt zeigen, erläuterte Hans Reiner Schultz, der Direktor der Forschungsanstalt. Im Hintergrund der Konzeptänderung stehe die „politisch-finanzielle Lage“, denn die sei für die Geisenheimer „nicht ganz so einfach wegen der Kündigung des Staatsvertrags durch Rheinland-Pfalz“.

Schultz betonte, dass die Institutionen sich vor Ort ergänzten. Es gebe „keine Zwei-Klassen-Forschung“. So bot die von Monika Christmann geleitete Tagung einen sehr breiten Einblick in den Stand der Wissenschaft. Auf 20 Minuten komprimierte Vorträge ermöglichten es, Informationen zu Weinbau und Kellerwirtschaft aus recht unterschiedlichen Sparten aufnehmen zu können.

Moderne Strategien der Bewässerung stellten Bernd Gruber und Robert Lux vor. In einem Verbundprojekt, an dem auch das Anbaugebiet Franken beteiligt ist, untersuchen sie Wasserversorgung und -bedarf im Rüdesheimer Berg. Ziel sei es, in einen „moderaten Stressbereich“ zu gelangen, erläuterte Gruber, denn bei zu viel Wasser setzten die Reben überflüssige Triebe an.

Präzision ist also notwendig. Daher setzen die Wissenschaftler auf Satellitenfotos, um eine fundierte Einteilung in Klassen einzelner Wingertszonen zu erarbeiten. Der Einfluss von Begrünung und Bewirtschaftung sei ebenfalls zu quantifizieren. Die Aufnahmen aus dem All machten jedoch schon deutlich, dass es zum Beispiel nahe der Burg Ehrenfels an Wasser für die Reben mangelt.“


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