Auch in Geisenheim werden im Herbst die Trauben gelesen

Auch in Geisenheim lesen die Studierenden im Herbst die Trauben

Die Presseabteilung des rheinland-pfälzischen Weinbauministeriums um Minister Hendrik Hering arbeitet seit Monaten auf Hochtouren, um den Studiengang Weinbau und Oenologie in Neustadt in ein positives Licht zu rücken. Es gibt zwar noch keine Absolventen, aber alles ist bereits ein Erfolg! TOLL! Doch die verbrannte Erde im Bildungsbereich der deutschen Weinwirtschaft ist kaum mehr zu übersehen.

In Geisenheim halten wir uns, nach den  Erfahrung des letzten Jahres, mit Kommentaren zurück und konzentrieren uns auf die 104 neuen Geisenheimer Studierenden im Bereich „Weinbau und Oenologie“, die 33 Getränketechnologen und die 52 Studierenden im Bereich der Internationalen Weinwirtschaft (40 Gartenbau und 50 Landschaftsarchitekur).

Der „Bachelor mit Gehilfenbrief“ aus Neustadt stand unlängst in einer regionalen Zeitung geschrieben. Welches Selbstverständis einer akademischen Ausbildung wird hier als Erfolgsmodell der Öffentlichkeit propagiert – braucht man als Bachelor tatsächlich noch eine „Zusatzqualifikation“ in Form eines Gehilfenbriefes?

Geisenheimer Absolventen erwerben den berufsqualifizierenden akademischen Abschluss „Bachelor of Science“ und ergänzen diesen seit jeher durch umfangreiche praktische Einheiten – Gehilfenbrief vorher, dual begleitet, 1-Jahrespraktikum, Berufspraktiukum, Trainee-Programme, und/oder….

Für mich als Vizepräsidenten des Deutschen Oenologenverbandes stellt sich hier zwingend die Frage des zukünftigen Berufsbildes und der damit verbundenen Gehaltsstruktur unserer Absolventinnen und Absolventen.

Leider wird auf Kosten der guten und bewährten deutschen Weinbautechniker-Ausbildung ein neues Bildungsmonstrum geschaffen – der Bachelor mit Gehilfenbrief;

Übringens:
„Bester Jungwinzer Deutschlands 2010“: Ilonka Scheuring (25 Jahre) vom Weingut Scheuring aus Margetshöchheim (Franken) ist als Siegerin aus dem Wettbewerb hervorgegangen und wird am 28. Oktober auf der DLG-Sieger-Gala in Heilbronn als „DLG-Jungwinzerin des Jahres 2010“ ausgezeichnet. Nach ihrer Ausbildung zur Weinhandelsküferin an der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau folgten Praktika in Weinbaubetrieben Südtirols und Neuseelands. Nach ihren Auslandsaufenthalten absolvierte sie von September 2006 bis Juli 2008 eine Ausbildung zur staatlich geprüften Technikerin für Weinbau und Oenologie an der LVWO Weinsberg. Seit 2008 ist Ilonka Scheuring im Weingut Scheuring für Weinbau, Kellerwirtschaft und Vermarktung zuständig. Im Juli 2010 hat sie den elterlichen Betrieb übernommen.

Herzlichen Glückwunsch!

Hier die Pressemeldung, mit vermeindlich innovativen Lern- und Ausbildungsansätzen (übrigens, in Geisenheim seit 100 in den Jahresberichten nachzulesen)
http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Karriere/Dualer-Weinbau-Studiengang-ist-ein-Erfolg_article1287079113.html

„Dualer Weinbau-Studiengang ist ein ErfolgNeustadt/Weinstraße – Der umstrittene duale Weinbau- Studiengang im pfälzischen Neustadt an der Weinstraße ist nach Einschätzung des rheinland-pfälzischen Agrarministers Hendrik Hering (SPD) ein voller Erfolg.“

«Einige Unkenrufen zum Trotz hat sich diese Pionierarbeit gelohnt», teilte Hering am Donnerstag in einer Ein-Jahres-Bilanz mit. Aus Hessen hatte es heftige Kritik an dem Studiengang «Weinbau und Oenologie» gegeben, weil dieser als unnötige Konkurrenz zu den Angeboten der Fachhochschule in Geisenheim gesehen wird. Im November werden 46 neue Studenten erwartet, zur Premiere im vergangenen Jahr hatte es 19 Studienanfänger gegeben.

Der duale Studiengang verknüpft in einem attraktiven Zeitrahmen die berufliche und akademische Ausbildung. Die enge Zusammenarbeit der Partner leistet eine bisher einzigartige Verzahnung von Kernkompetenzen aus Praxis, Wissenschaft und Forschung. Dies ermöglicht eine zielgerichtete und fundierte Ausbildung von Führungskräften für die nationale und internationale Weinwirtschaft.

Professoren der Fachhochschulen und Wissenschaftler des DLR Rheinpfalz vereinen ein breites Spektrum an Fachwissen und praktischer Erfahrung, das in der Verzahnung von Berufsausbildung, Vorlesungen, Übungen, Laborarbeiten, Praxisprojekten, Seminaren und Exkursionen vermittelt wird. Dabei spielen innovative Lernmethoden und das besondere Lernklima, welches durch das enge Zusammenspiel zwischen Professoren, Studierenden und Ausbildungsbetrieben geschaffen wird, eine wichtige Rolle. Die engen Kontakte zu den Unternehmen, die im Rahmen von Praxisprojekten, Exkursionen und praktischen Übungen genutzt werden, runden das Profil des Studienangebots ab. Der Studienstandort ist Neustadt an der Weinstraße.

Werden Sie erfolgreiche Winzer und Betriebsleiter in der Weinwirtschaft

Mit diesem Studienangebot wird in Rheinland-Pfalz bundesweit erstmals Nachwuchskräften mit einer Hochschulzugangsberechtigung die Möglichkeit eröffnet, zeitgleich die praktische Winzerlehre und die akademische Ausbildung zum Bachelor of Science zu absolvieren. Der Zeitplan des dualen Studienganges sieht vor dem ersten Semester zunächst eine praktische Berufsbildungsphase während einer kompletten Vegetationsperiode und dem Herbstgeschehen in zwei Weinjahrgängen im Ausbildungsbetrieb vor. Dies gewährleistet ein umfassendes praktisches kennen lernen und erfahren biologischer, technologischer und witterungsbedingter Abläufe und Prozesse bei der Traubenerzeugung und Weinbereitung.

Bei der Zuordnung der Module auf die sechs Semester Studium wurde darauf geachtet, dass im Sommersemester vornehmlich die weinbaulichen und phytomedizinischen Inhalte vermittelt werden, während oenologische und mikrobiologische Lehrveranstaltungen überwiegend im Wintersemester angeboten werden. (*Anmerkung R. Lönarz: Es wäre auch schwer ohne Rebblätter im Winter iin den Weinbergen  z.B. einen Ölfleck zu finden)

Eine praxisnahe Vertiefung der Lehrinhalte in Weinberg, Keller, Labor und Betriebsmanagement wird durch die Nutzung des Versuchswesens und des Technikums des Lehr- und Versuchsbetriebes Weinbau am DLR Rheinpfalz und die Zusammenarbeit mit den kooperierenden Betrieben gewährleistet. Bereits bei der Festlegung von Lehrinhalten wird eine praktische Zielorientierung verfolgt, die den Studierenden vermittelt, zu welchem Zweck sie sich theoretische Sachverhalte aneignen. Viele Weinbaubetriebe benötigen zunehmend Betriebsleiter und qualifizierte Führungskräfte, die über profunde und aktuelle Kenntnisse in Betriebsführung, Marketing und Vertrieb, aber auch Personalmanagement und Arbeitsrecht verfügen. Aus diesem Grund betragen die Anteile von Betriebswirtschaft und Marketing an den Lehrveranstaltungen des dualen Studienganges über 30 %.

Qualitätssicherung

Zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Studiengangs wird die Lehre regelmäßig durch die Studierenden beurteilt. Als weiteres Element der Qualitätssicherung dient das System des Studiencoaching, in dessen Rahmen die Studierenden pro Semester mindestens einmal mit einer Professorin oder einem Professor den eigenen Studienfortschritt und die weitere Studienplanung besprechen. Ebenso wird regelmäßig der Austausch mit den jeweiligen Semestergruppen, aber auch den Kooperationsbetrieben gesucht, um die Studienorganisation kontinuierlich weiter zu entwickeln. (dpa/Pd)


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