Zwei Konzepte, aber ein Gedanke.  Alumni-Präsident (VEG, 2500 Mitglieder)  Robert Lönarz wünscht sich mehr innere Geschlossenheit und seitens des Ministeriums mehr Mut und Einsatz für die Umsetzung innovativer Gedanken; schließlich gehörten Forschung und Lehre in Geisenheim schon immer zusammen – Geisenheim ist ein Juwel in der deutschen Hochschullandschaft und im Bereich Weinbau weltweit sehr angesehen – Zitat „Wine-University“.

Ein Bericht von Bernd Minges, Wiesbadener Kurier, vom 13.07.2011

„In Geisenheim wächst die Unruhe. Seit das Land Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr den Staatsvertrag und die Mitfinanzierung der Forschungsanstalt (FA) in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro jährlich gekündigt hat, ist von einer organisatorischen Neuausrichtung die Rede. Inzwischen hat FA-Direktor Professor Hans-Reiner Schultz mit seinen Kollegen ein inhaltliches Konzept zu den Forschungsfeldern der Zukunft erarbeitet. Gefragt ist nun eine politische Entscheidung. Diese muss vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst kommen und wird entscheidend auch von den Finanzen mitbestimmt. In diesem Jahr hat das Land den vom Nachbarn aufgekündigten Betrag übernommen. Wie es aber weitergeht, ist ungewiss.

„Es herrscht absolute Funkstille“, sagt der Präsident der Hochschule RheinMain, Professor Detlev Reymann. Er hatte schon im vergangenen Januar alle Beteiligten mit dem Vorschlag überrascht, Geisenheim als universitären Fachbereich in die Hochschule einzugliedern. Das konkurrierende Modell von Schultz sieht vor, dass Geisenheim eine eigenständige Hochschule mit besonderem Status wird, losgelöst von der Hochschule RheinMain. Zur Universität würde eine zweite Fakultät fehlen. Promotionen wären über die Uni Gießen möglich.

Einig sind sich Schultz und Reymann darin, dass die seit 1971 bestehende institutionelle Trennung von Lehre und Forschung endlich aufgehoben werden muss und beide unter ein Dach gehören. Das hat zuletzt auch Wissenschafts-Staatssekretär Ingmar Jung öffentlich betont. Dabei hatte er gleichzeitig zwei andere Modelle ausgeschlossen: Geisenheim als Fachbereich der Uni Gießen oder als reines Forschungsinstitut, etwa in Form eines Leibniz-Instituts, das von Bund und Land finanziert wird.

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Der Hochschul-Präsident hält nichts von einer eigenständigen Einrichtung in Geisenheim, die dann auch die Lehre übernehmen würde. Dafür müssten erst wieder eigene Verwaltungs- und Prüfungsstrukturen aufgebaut werden, sagt er. Der Neuaufbau solcher Strukturen sei eine Vergeudung von Ressourcen. Die Zeit von Mini-Hochschulen sei vorbei. Die Lehre werde derzeit zu zwei Dritteln von Dozenten der Hochschule geleistet.

Dieses Verhältnis entstehe vor allem durch den Studiengang Landschaftsarchitektur, in dem 7 von 20 Fachhochschulprofessuren angesiedelt seien, erklärt Schultz. Ingesamt engagiere sich die FA sehr stark in der Lehre, insbesondere bei der Betreuung der Masterstudiengänge (außer Landschaftsarchitektur) und von experimentellen Arbeiten im Bachelor-Bereich. Auch das Argument der Größe lässt Schultz nicht gelten und verweist auf eine Stellungnahme des Wissenschaftsrats, in der von einem neuen Hochschultyp je nach inhaltlicher Ausrichtung die Rede ist. Gerade in dieser Beziehung ist die FA gut aufgestellt. Sie beackert Felder, die gesellschaftlich immer wichtiger werden und untersucht die Nahrungskette vom Anbau bis zum fertigen Produkt.

Im neuen Konzept wird die Qualität von Obst und Gemüse sowie deren Verarbeitung als Basis einer gesunden Ernährung ausdrücklich als Forschungsschwerpunkt genannt. In jüngster Zeit hat sich Geisenheim verstärkt mit der gesundheitsfördernden Wirkung von Inhaltsstoffen befasst. Auch in der Klima- und Umweltforschung in Verbindung mit nachhaltigen Produktionsverfahren sollen weitere Akzente gesetzt werden (zum Beispiel im Hinblick auf geringeren Wasserverbrauch oder Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln). Die Wissenschaftler untersuchen die Auswirkungen steigender CO2-Konzentrationen auf Wein, Obst, Gemüse und Zierpflanzen, ein Zukunftsprojekt mit einem Alleinstellungsmerkmal im Bereich der Sonderkulturen.

Dass an der Einrichtung mit 356 Beschäftigten rund 60 Doktoranden arbeiten, bekundet allein schon das Renommee Geisenheims, zu dem auch die Reputation ihres Direktors beiträgt, die nach Angaben von Staatssekretär Jung international sehr hoch anzusiedeln sei. Diese Entwicklung beobachtet Hochschul-Präsident Reymann sehr genau. Wenn es ihm gelänge, Geisenheim als universitären Fachbereich einzugliedern, wäre dies eine enorme Stärkung der Hochschule. Nächster Schritt könnte die Forderung nach einem Promotionsrecht sein, ein Novum in der Fachhochschul-Landschaft.

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Direktor Schultz könnte sich auch die Form einer kooperativen Hochschule mit Wiesbaden vorstellen, bei der die Bachelor-Studiengänge in der Regie der Hochschule RheinMain blieben. Aber Geisenheim sollte, so Schultz, eigene Studiengänge planen und entwickeln können.


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