„Der Wein ist unter den Getränken das Nützlichste,
Unter den Arzneien das Schmackhafteste,
Und unter den Lebensmitteln das Angenehmste.“

Plutarch

Ganz den Gedanken Plutarchs folgend gaben wir uns am 16.11.2011 einer angenehmen Beschäftigung hin und probierten drei in Deutschland und vor allem international weniger verbreitete Rebsorten: Grüner Veltliner, Silvaner und Gewürztraminer.
Der Nachmittag stand unter dem Namen „Sonstige Weißweine“ und bot neben der heißbegehrten Verkostung natürlich auch reichlich Information über Eigenschaften, Herkunft und Marktverfügbarkeit der drei Rebsorten.

Bis auf den Gewürztraminer, der auch die einzige Bukettrebsorte des Trios war, sind diese Sorten eher regional von Bedeutung. Der Silvaner, fast ausschließlich in Deutschland (besonders Rheinhessen, Pfalz und Franken) und Frankreich (Elsass) angebaut, kann bereits als autochthone Rebsorte in Deutschland bezeichnet werden, ebenso wie dies für den Grünen Veltliner in Österreich gilt, wo er mehr als 1/3 der Gesamtrebfläche ausmacht.

Nichtsdestotrotz findet man in den Regalen des deutschen LEH und Fachhandels mehr Grünen Veltliner als Silvaner.

Lediglich Gewürztraminer ist schwerer zu ergattern, was auch einer geringeren Anbaufläche geschuldet ist, welche unteranderem durch seine starke Krankheits- und Verrieselungsanfälligkeit, sowie von durchgängig geringen Ertragsmengen der Rebsorte bedingt ist.

Geschmacklich scheint der Gewürztraminer  – wenn vielleicht nicht unbedingt überlegen – jedoch von der Mehrheit der Weintrinker den anderen beiden vorgezogen zu werden, was auch seinen weltweiten Anbau (USA, Südafrika, Kanada, Italien, Frankreich, Ungarn, …) rechtfertigt. Auch unsere Verkostung konnte dieses Bild widerspiegeln. Trotzdem überraschten uns die Ergebnisse, hinsichtlich Herkunft und Qualität bzw. Preis-Leistungs-Verhältnis.

Hier unsere Verkostungsliste:

  1. Grüner Veltliner, 2010 trocken, Österreich     – Discount, 2,99€
  2. Riesling Classic, 2010 trocken, Monrepos, Rheingau    – 6,80 €     STANDARDWEIN
  3. Federspiel Terrassen Grüner Veltliner, 2010, Domäne Wachau   – Fachhandel, 7,60 €
  4. Rabenstein, Grüner Veltliner, 2009, Dürnberg, Weinviertel  – Fachhandel, 12,90 €
  5. Silvaner Kabinett, 2010, Iphöfer Julius-Echter-Berg, Juliusspital, Franken   – LEH, 9,99 €
  6. Silvaner QbA, 2010 trocken, WV Freyburg, Saale-Unstrut    – LEH, 5,29 €
  7. Sylvaner Vielles Vines, 2007, Domaine Paul Blanck, Elsass    – online, 9,95 €
  8. Silvaner Brut, 2008, Weingut am Stein, Franken    – ab Hof, 14,00 €
  9. Gewurztraminer, 2009, Hugel & Fils, Elsass    – Fachhandel, 15,50 €
  10. Les Cigognes Gewurztraminer, 2009, Cave d‘Obernai, Elsass    – LEH, 5,79 €
  11. Gewürztraminer, 2010 lieblich, Donauherbst, Ungarn    – LEH, 1,99 €
  12. Kastelaz Gewürztraminer, 2007, Elena Walch, Südtirol    – online, 20,96 €

Daraus ergaben sich folgende DLG Top 3:

Platz 1:   DLG 3,1
Donauherbst Gewürztraminer, 2010, lieblich, Ungarn   –   (1,99 €, tegut)

Alkohol:  11% vol
Säure: –
Restzucker: –

Charakteristik (Erzeugerangabe):
Würzige Frucht, herzhaft, süffig. In der Nase betören feinste Rosen- und Kräuterdüfte, die sich auf der Zunge delikat fortsetzen und von einer überragenden Frische begleitet werden. Man spürt regelrecht die voll ausgereifte Frucht, die diesem Gewürztraminer sein charaktervolles Bukett schenkt.

Bildquelle: Schneekloth Weindepot

Platz 2:   DLG 2,9
Silvaner QbA, 2010, trocken, Winzervereinigung Freyburg, Saale-Unstrut   –   (5,29 €, Rewe)

Alkohol:  11,5% vol
Säure: 7,4 g/l
Restzucker: 6,4 g/l

Charakteristik (Erzeugerangabe):
Fahlgelber, trockener Wein. Stark fruchtbetont, blumig und mit intensivem Duft   reifer gelber Früchte. Leichter Begleiter zu herzhaften Speisen.

Bildquelle: Mack und Schühle 

Platz 3:    DLG 2,7
Les Cigognes Gewürztraminer, 2009, Cave d'Obernai, Elsass   –   (5,79 €, Edeka)

Alkohol:  13,5% vol
Säure: –
Restzucker: –

Charakteristik (Erzeugerangabe):
keine Angaben

Bildquelle: eigene Aufnahme

Die folgende Grafik zeigt die Auswertung unserer Verkostungsgewinner hinsichtlich sensorischer Merkmale:

blau:  Platz 1                  grün: Platz 2                rot: Platz 3               Quelle: eigene Erhebung

                                                                                                                                              Quelle: eigene Erhebung

Unser Gewinner bestach vor allem durch das Preis-Leistungs-Verhältnis und seine einfache Trinkbarkeit, trotz großer Aromenvielfalt.

Eine weitere Überraschung und für viele das erste Mal einen Wein aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut zu verkosten, brachte der Silvaner QbA trocken, welcher mit hoher Mineralität und sehr sortencharakteristischen Noten überzeugte.
Den 3. Platz ergatterte sich wiederum ein Gewürztraminer, diesmal aus dem typischen Anbaugebiet Elsass. Dabei gewann der auch günstigere LEH-Wein sogar das Duell gegen einen Gewürztraminer aus dem Hause Hugel & Fils, weil er mit einem höheren Grad an Typizität überzeugte.

Somit ergab sich auch die Rangfolge der drei verkosteten französischen Weine:
1. Les Cigognes Gewurztraminer, 2009, Cave d'Obernai
2. Gewurztraminer, 2009, Hugel
3. Sylvaner Vielles Vignes 2007, Domaine Paul Blanck

Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass es bei dieser Weinprobe keinen riesigen AHA-Effekt oder einen besonders herausstechenden Wein gab. Jedoch schieden sich die Verkostungsgeister der Prüfer an zwei Weinen: Der Grüne Veltliner Rabenstein, 2009 aus dem Barrique wurde heftig diskutiert und konnte trotz heftiger Kritik den ersten Rang unter den drei getesteten Grünen Veltlinern ergattern.
Den zweiten Reibepunkt bot der biodynamische 2007er Gewürztraminer Kastelaz von Elena Walch aus Südtirol, der von einigen als Favorit der Verkostung und anderen als nahezu durchgefallen eingestuft wurde.

Im Wesentlichen herrschte aber ein Konsens über die Weine und es kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass alle ihre Erfahrung und ihr Wissen über Silvaner, Grünen Veltliner und Gewürztraminer stark erweitern konnten.

So konnte an einem Nachmittag wieder einmal das Angenehme mit dem Nützlichen; das Verkosten mit der Horizonterweiterung verbunden  werden, woran alle viel Spaß und Freude hatten.

Vielleicht konnte ja unsere Gruppe auch Sie von diesen drei weniger bekannten und verbreiteten Rebsorten überzeugen und Ihre Experimentierfreude wecken!
Viel Spaß beim selbstständigen entdecken von drei Sorten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten wünschen
Manuela Huschle, Mandy Geppert, Michael Kliem, Philipp Banken und Susanne Knothe

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