Staatssekretär Jung: Umwandlung zum 1. Januar 2013 geplant / Forschung und Lehre künftig unter einem Dach

Wiesbaden – Die 1872 gegründete Forschungsanstalt Geisenheim, eine der ältesten Forschungseinrichtungen des Wein- und Gartenbaus im deutschsprachigen Raum, soll eine eigenständige Hochschule mit besonderer Ausrichtung werden, wie sie der Wissenschaftsrat in seinen „Empfehlungen zur Differenzierung der Hochschulen“ fordert. Der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ingmar Jung, sagte heute in Wiesbaden dass diese Umwandlung zum 1. Januar 2013 erfolgen soll: „Eine solche Hochschule ist für ihre Sparte in Deutschland einmalig und damit auch im Wettbewerb mit Studiengängen und Forschungseinrichtungen andernorts deutlich besser aufgestellt. Forschung und Lehre werden künftig unter einem Dach gebündelt. Das Markenzeichen ,Geisenheim’ wird als eigenständige Einrichtung noch deutlicher sichtbar.“

Die konzeptionelle Ausgestaltung im Hinblick auf die Forschungsschwerpunkte sollen durch eine Begutachtung des Wissenschaftsrats konkretisiert werden, sagte Jung. Die Forschungsanstalt betreibt anwendungs- und grundlagenorientierte Forschung auf den Gebieten Weinbau, Gartenbau, Oenologie und Getränkeforschung. Im Rahmen der gegenwärtigen engen Verknüpfung mit der Hochschule RheinMain werden in Geisenheim zusätzlich rund 1000 Studierende der Fachrichtungen Weinbau und Oenologie, Getränketechnologie, Gartenbau sowie Landschaftsarchitektur von den Mitarbeitern der Forschungsanstalt in Vorlesungen und Übungen mit betreut.

Nach der überraschenden Kündigung des „Staatsvertrags zwischen dem Land Hessen und dem Land Rheinland-Pfalz über die Forschungsanstalt Geisenheim am Rhein“ vom 30. Juli 1987 durch das Land Rheinland-Pfalz im Juni 2010 sind nach den Worten Jungs seither verschiedene Varianten für die Weiterentwicklung der Forschungsanstalt eingehend geprüft worden, darunter die Gestaltung als Fachbereich der Justus-Liebig-Universität Gießen, als universitärer Fachbereich der Hochschule RheinMain oder als ,normaler’ Fachbereich dieser Hochschule.

Mit dem nun verfolgten Konzept sichert Hessen nach den Worten des Staatssekretärs die Zukunft der Forschungsanstalt: „Die Verbindung und gleichberechtigte Wahrnehmung von Forschung und Lehre an einem Standort verhindert Reibungsverluste. Die relative Autonomie ermöglicht hinreichend Flexibilität beim Ausbau der Stärken und bei der Profilschärfung der Einrichtung im nationalen und internationalen Wettbewerb. Und nicht zuletzt wird eine stabile Finanzierung erreicht.“

Sowohl der Direktor der Forschungsanstalt, Hans Reiner Schultz, als auch der Präsident der Hochschule RheinMain, Prof. Dr. Detlev Reymann, hatten in den Gesprächen mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Finanzministerium die Notwendigkeit und die Unterstützung einer Reform bekräftigt.

Für die beabsichtigte Umwandlung muss das Hessische Hochschulgesetz bis 2013 entsprechend geändert werden. Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Aufgabenstruktur sollen im Rahmen von Zielvereinbarungen mit der Hochschule Geisenheim ab Januar 2013 festgehalten werden. Die Einrichtung soll schließlich 2016 auch in den neuen Hochschulpakt aufgenommen werden.

Die Forschungsanstalt Geisenheim ist die drittgrößte vom Land geförderte außeruniversitäre Forschungseinrichtung in Hessen. Mit 33 Wissenschaftlern und rund 250 Mitarbeitern im technischen Bereich ist sie eine vergleichsweise kleine Institution. Ein Drittel der Wissenschaftler sind zugleich Professoren an der Fachhochschule Wiesbaden und übernehmen auch Lehrveranstaltungen an den Universitäten Gießen, Frankfurt und Bonn. Die übrigen Wissenschaftler nehmen Lehrverpflichtungen an der Hochschule RheinMain Wiesbaden wahr.

In der FAG gibt es 13 Fachgebiete (Betriebswirtschaft und Marktforschung, Bodenkunde und Pflanzenernährung, Botanik, Gemüsebau, Kellerwirtschaft, Mikrobiologie und Biochemie, Obstbau, Phytomedizin, Rebenzüchtung, Technik, Weinanalytik und Getränkeforschung, Weinbau, Zierpflanzenbau), welche die breite Palette der Forschungsfelder im Weinbau, Gartenbau und der Getränkeforschung abbilden.

Keine andere Forschungseinrichtung in Deutschland genießt auf diesen Arbeitsgebieten eine vergleichbare nationale und internationale Reputation: enge Verbindung und Kooperationen bestehen mit Einrichtungen in der Schweiz, in Österreich, Frankreich, Italien, Ungarn und Griechenland, in Thailand, Australien, Indien, Südafrika und den USA. Zurzeit existieren 44 Forschungsprojekte mit Institutionen in 26 Ländern weltweit.  Außerdem gibt es Lehrkooperationen mit 37 Institutionen in 18 Ländern.

Finanziert wurde die Forschungsanstalt bis Ende 2010 – neben der Einwerbung von Drittmitteln – durch die Länder Hessen (rund 10,2 Millionen  Euro) und Rheinland-Pfalz (knapp 1,3 Millionen Euro). Im laufenden Jahr zahlt Hessen allein


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