In der letzten Runde der, im Rahmen des Moduls „Internationale Produktprofile“, stattfindenden Verkostungsreihe widmete man sich den Rebsorten Dornfelder und Lemberger. Zwei, auf dem ersten Blick recht ähnlich erscheinende Sorten, welche bei näherer Betrachtung unterschiedlicher kaum sein können.

Dornfelder
Seit seiner offiziellen Zulassung im Jahre 1980 avancierte der Dornfelder in kürzester Zeit klammheimlich und nahezu unbemerkt zu einer regelrechten Moderebsorte „Made in Germany“. Mit ca. 8000 ha (Stand 2010) liegt dieser aktuell auf dem zweiten Rang der roten Rebsorten hinter dem Spätburgunder. Die Gründe dafür sind im allgemeinen Rotweinboom zu suchen, der den gesamten Weinmarkt auch außerhalb Deutschlands seit geraumer Zeit dominiert. Um die rapide ansteigende Nachfrage nach farbkräftigen, extraktreichen Rotweinen befriedigen zu können, suchten die Winzer nach einer weinbautechnisch relativ anspruchslosen, ertragsstabilen Rebsorte und fanden sie im Dornfelder.
Da dessen farbliche Intensität auch geschmackliche Verwandtschaft mit den erfolgreichen Rotweinen des Mittelmeerraumes und der neuen Welt suggeriert, war ihm der Erfolg beim Verbraucher regelrecht in die Wiege gelegt.
Leider aber hielten die geschmacklichen Qualitäten des Dornfelders mit seiner Farbintensität und seiner Beliebtheit nur selten Schritt, was dazu führte, dass die Sorte unter Kennern ebenso rasch unpopulär wurde, wie sie die Position einer Modesorte erklommen hatte.
Weltweit hat der Dornfelder jedoch keine bzw. nur wenig Bedeutung. Nur ca. 100 ha werden in Anbauversuchen außerhalb Deutschlands geführt.

Lemberger
Der Lemberger ist vermutlich eine alte, autochthone Rebsorte aus Österreich, deren erster Nachweis bereits im 18. Jhd. liegt. Weltweit zählt der Lemberger, ebenso wie auch der Dornfelder, mit 15.000 ha zu den relativ unbedeutenden Rebsorten. In Ungarn (Synonym: Kékfrankos) ist es die wichtigste und in Österreich (Synonym: Blaufränkisch) die zweitwichtigste rote Rebsorte.
Die Rebsorte ist demnach v.a. in denjenigen Ländern verbreitet, die einst zur habstburger Monarchie gehörten. Das Zentrum des Verbreitungsgebiets ist das österreichische Burgenland, von dem ein Teil, das Mittelburgenland, auch Blaufränkischland genannt wird. In Deutschland spielt der Lemberger mit ca. 1700 ha eine eher untergeordnete Rolle. Jedoch ist in den letzten Jahren eine stetige Zunahme der Fläche zu verzeichnen.
Im Vergleich mit dem Dornfelder hat der Lemberger höhere Lageansprüche und verlangt, aus weinbautechnischen Gesichtspunkten, etwas mehr Aufmerksamkeit des Winzers.

Die Weine
Die sich ständig veränderten Marktbedingungen erfordern bei beiden Rebsorten eine qualitätsorientierte Traubenproduktion im Weinberg sowie beste Vinifikation.

Denn das Ziel ist klar:

Dornfelder- und Lembergerweine herzustellen, die sich „voluminös“, strukturbetont, gebietstypisch und farbintensiv im Glas präsentieren. Der Konsument ist schließlich streng in seinem Urteil und die Konkurrenz im Weinregal ist groß. Fast zu groß möchte man meinen.

Aufgrund ihres  Aromenspektrums im Geschmacks-und Geruchsausdruck, ihrer Farb-und Gerbstoffstruktur sind beide Rebsorten extrem vielseitig, was die kellerwirtschaftlichen Ausbaumöglichkeiten angeht.

Die Weine zeigen sich in einer tiefroten, ins violette gehenden Farbe mit ausreichender Säurestruktur, Extrakten und komplexen Tanninen.
In der Nase zeigen sie oftmals ein verhaltenes bis kräftiges Aromabild, das an Brombeeren, Süßkirschen, Pflaumen, Johannisbeeren oder an vegetative Noten wie grüne Bohne oder grüner Paprika erinnert. Im Geschmack zeigen sich die Rotweine je nach Ausbauweise fruchtig oder gerbstoffbetont und mit einem langanhaltenden Nachklang.

Die Verkostungsliste

Folgende Weine hatten wir für unsere Probe ausgewählt und gegeneinander verkostet:

  1. Dornfelder Weissherbst Q.b.A trocken, 2010 – Weingut Strub (3,60€)
  2. Lemberger Weissherbst Kabinett trocken – 2010, Weingut Birkert (6,30€)
  3. Dornfelder Q.b.A trocken, 2010 – Lidl (1,99€)
  4. Lemberger Q.b.A trocken, 2010 – REWE (3,49€)
  5. Lemberger SIGNUM  II trocken, 2009 – WG-Brackenheim (13,09€)
  6. Dornfelder Q.b.A trocken, 2010 – Weingut Rings (7,40€)
  7. Dornfelder Barrique trocken, 2009 – Langguth Erben (4,99€)
  8. Blaufränkisch Mitterberg Reserve Mittelburgenland DAC, 2008 – Weingut Gager/Österreich (20,50€)
  9. Kékfrankos Reserve, 2007 – Tringa, Szekszárd/Ungarn (12,90€)
  10. Blaufränkisch Kalk und Schiefer, 2009 – Weingut Nittnaus/Österreich (12,90€)
  11. Dornfelder trocken Barrique, 2009 – Weingut Haidle (18,50€)
  12. Lemberger Großes Gewächs trocken, 2009 – Weingut Schnaitmann (26,50€)

Die drei besten Weine nach DLG-Punkten:

Bei unserer Blindverkostung am 18.01.2012 wurden 36 Bewertungen abgegeben. Zwei Lemberger sowie ein Dornfelder kamen dabei unter die besten Drei.

Platz 1:   

Blaufränkisch Mitterberg Reserve Mittelburgenland DAC, 2008
Weingut Gager/Österreich  (20,50€)
Ø 3,57 Punkte

Platz 2:

Dornfelder trocken Barrique, 2009
Weingut Haidle (18,50€)
Ø 3,52 Punkte

Platz 3:

Lemberger Großes Gewächs trocken, 2009
Weingut Schnaitmann (26,50€)
Ø 3,45 Punkte

Auswertung hinsichtlich sensorischer Merkmale

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