Eine kreative Fotomontage des Wiesbadener Kuriers – die Hochschule Geisenheim Anschrift auf dem Zentralen Laborgebäude (ZIG)
Archivfoto: Heinz Margielsky / Montage: ts

Ein Beitrag von Bernd Minges, Wiesbadener Kurier, 28.6.2012:

„Mit der Änderung des Hessischen Hochschulgesetzes hat der Landtag den Weg für eine eigenständige Hochschule Geisenheim geebnet, die bundesweit die erste „Hochschule neuen Typs“ wäre. Die Teilnovelle wurde mit den Stimmen der Regierungskoalition von CDU und FDP verabschiedet. Grüne und Linke stimmten dagegen. Die SPD enthielt sich. Während der Rheingauer Landtagsabgeordnete Peter Seyffardt (CDU) die Entscheidung als wichtiges hochschulpolitisches Signal über die Landesgrenzen hinweg bewertete und sein FDP-Kollege Matthias Büger von einer Aufwertung des Standorts Geisenheim sprach, kritisierten die Grünen die Ausgliederung des Geisenheimer Fachbereichs aus der Hochschule RheinMain als „überflüssig und wenig durchdacht“. Diese Ausgliederung koste nur Geld für den Aufbau eigener Verwaltungsstrukturen.

Mit dem Beschluss des Landtags ist zunächst einmal nur der gesetzliche Rahmen für die „Hochschule neuen Typs“ geschaffen worden. Es ist Zufall, dass die Verabschiedung des Gesetzes gerade mit dem Besuch des Wissenschaftsrats in Geisenheim zusammenfällt. Dessen positive Bewertung ist Voraussetzung dafür, dass das Land in den nächsten drei Jahren jeweils 1,5 Millionen Euro zusätzlich für Geisenheim bereitstellt.

(…)

Zudem ist ein einmaliger Betrag in Höhe einer halben Million Euro für den Aufbau eigenständiger Verwaltungsstrukturen vorgesehen. Dekan Otmar Löhnertz ist sicher, dass die Organisation des eigenständigen Lehrbetriebs ohne größere Probleme zu bewältigen ist und die Studenten ab Janaur 2013 keinen Unterschied merken, dass sie nicht mehr zur Hochschule RheinMain gehören.

Der Wissenschaftsrat berät die Regierungen von Bund und Ländern und setzt sich für eine „Erweiterung der Entwicklungsmöglichkeiten von Fachhochschulen“ ein, die „themenzentrierte Hochschulen auf universitärem Niveau“ werden können.

Wissenschaftsstaatssekretär Ingmar Jung sieht in der neuen Konstruktion, die letztendlich eine Folge des Rückzugs von Rheinland-Pfalz aus dem Staatsvertrag über die Forschungsanstalt ist, entscheidende Vorteile: Bündelung von Forschung und Lehre unter einem Dach, Geisenheim kann sich mit seinem Namen national und international besser positionieren, Erweiterung der Forschungsmöglichkeiten und ein unmittelbarer Zugang zu Drittmitteln sowie Entwicklungsmöglichkeiten bis hin zur Universität.

Die Hochschule erhält ein kooperatives Kooperationsrecht, das wohl wie bisher mit der Uni Gießen ausgeübt wird. Von den Universitäten wird dies nicht gern gesehen, zumal Geisenheim ein eigenständiges Promotionsrecht anstrebt. Aber dass es kein Qualitätsproblem gebe, das bescheinigt der Gießener Uni-Präsident, Joybrato Mukherjee, den Geisenheimern.

Wie berichtet, hätte Detlev Reymann, Präsident der Hochschule RheinMain, Geisenheim gerne als universitären Fachbereich der Hochschule gesehen. Mit einer neuen Mini-Fachhochschule würden keine Probleme gelöst. Auch finanziell sei das Modell wenig durchdacht. Die Entscheidung verursache zusätzliche Kosten.

Dem widerspricht Landtagsabgeordneter Seyffardt: Nach Berechungen des Wissenschaftsministeriums wäre dieser Schritt noch kostenaufwendiger. Diese Konstruktion sei zudem „vollkommen systemfremd“ und sei in der Anhörung im Landtag von nahezu allen Hochschulvertretern kritisiert worden.“

URL: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/rheingau/geisenheim/12136273.htm


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