Foto: Winfried Schönbach

Auszug: Wiesbadener Tagblatt, 15.7.2012, von Barbara Dietel

„FH Abschlussfeier im Zeichen der Neuentwicklung

Dass es die letzten Absolventen waren, die von der Hochschule RheinMain und der Forschungsanstalt (FA) in Geisenheim verabschiedet wurden, daran zweifelte bei der Akademischen Abschlussfeier gestern im Park keiner. Auch Detlef Reymann nicht. Bei der Verleihung einer Honorarprofessur an Joachim Schmid erklärte der Präsident der Hochschule RheinMain, dass die Professur auch an der neuen Hochschule gelte. Reymann hätte Geisenheim gerne als universitären Fachbereich der Hochschule gesehen. Stattdessen sollen FA und der Fachbereich Geisenheim zu einer eigenständigen Hochschule zusammengelegt werden. Seine Kritik an der Hochschulpolitik der Landesregierung habe er aus seinem Grußwort gestrichen, bekannte Reymann in seinem Grußwort.

(…)

Die nächsten Anwärter auf den Titel „Geisenheimer“, nicht zu verwechseln mit den Bewohnern der Lindenstadt, werden ihren Bachelor oder Master im nächsten Frühjahr an der Hochschule Geisenheim machen, war sich auch der ehemalige Direktor der Forschungsanstalt Professor Klaus Schaller sicher. „Es gibt kein Zurück mehr“, erklärte er in seinem Gastvortrag. Die eigenständige Hochschule wird keine Universität sein, dazu fehlt ihr die zweite Fakultät, und keine Fachhochschule, sondern eine akademische Ausbildungsstätte neuen Typs. Geisenheim mit derzeit gut 1000 Studenten könne eine Vorbildfunktion in der Hochschullandschaft übernehmen, so Schaller. Die Größe allein sei kein Beleg für eine bessere Ausbildung akademischen Nachwuchses. Mit ihren Spezialdisziplinen wie Gartenbau, Landschaftsarchitektur, Internationaler Weinwirtschaft, Getränketechnologie sowie Weinbau und Oenologie habe Geisenheim bereits eine Strahlkraft erreicht, die noch zunehmen werde. Eine Zukunft als „Fixpunkt im wissenschaftlichen Universum“ prophezeite Schaller der neuen Hochschule.

Forschung und Lehre unter einem Dach habe in Geisenheim lange Tradition, erinnerte er. 1971 wurde der Lehrbetrieb der damaligen Fachhochschule Wiesbaden angegliedert. Das habe seinerzeit eine gewaltige Erschütterung am Standort ausgelöst. Vieles sei in der Folge richtig gemacht worden, aber auch einiges falsch. Unter dem Strich sei das „Langzeitexperiment Trennung von Lehre und Forschung unter Beibehaltung verbindender Elemente“ aber voll geglückt. Dass Geisenheim 41 Jahre an der Fachhochschule in Wiesbaden gut aufgehoben gewesen sei, betonte auch Dekan Ottmar Löhnertz.

Sechs Master und 134 Bachelor bekamen gestern ihre Urkunden zur bestandenen Prüfung. Die meisten haben ihren Bachelor in Weinbau/Oenologie gemacht. Den Absolventen prophezeite der letzte Direktor der FA, Hans Reiner Schultz, eine rosige Zukunft. Wein-, Garten- und Landschaftsbau seien die am schnellsten wachsenden Branchen. Für den Deutschen Wetterdienst in Geisenheim ist dagegen 2014 Schluss, bedauerte Schultz. Wer, fragte er, soll dann die Wetterprognosen für die Abschlussfeier im Freien liefern? Mit einer Regenpause von zweieinhalb Stunden lagen die Wetterfrösche – von kleinen Spritzern abgesehen – richtig.“

URL: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/rheingau/geisenheim/12197942.htm


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