Auszug aus dem Wiesbadener Kurier vom 17.07.2012 – GEISENHEIM von Jutta Schwiddessen

„Im aktuellen nassen Sommer könnte man es glatt vergessen, doch Deutschland ist ein Land, das auch lange Trockenzeiten bewältigen muss, in denen Getreide, Obst, Gemüse, Gärten und in bestimmten Lagen auch der Wein künstlich bewässert werden müssen. Genau mit diesem Thema befassen sich zurzeit 130 Wissenschaftler aus 37 Ländern, die noch bis zum Freitag in der Forschungsanstalt Geisenheim tagen.

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Dass sich die Bewässerungskonferenz der Internationalen Gartenbaugesellschaft (ISHC), die erstmals in Deutschland tagt, Geisenheim als Standort ausgesucht hat, unterstreicht nicht nur das Renommee der ab dem kommenden Jahr eigenständigen Hochschule in Geisenheim, sondern bringt auch ganz praktischen Nutzen für ihre Forschungsarbeit und für die Region vor der Haustür. Das Thema kontinuierliche Bewässerung für Obst, Gemüse und Wein ist nämlich ein Schwerpunktthema der Forschungsanstalt.

Dabei ist wichtig, erklärt Professor Peter Braun, in Geisenheim zuständig für das Fachgebiet Obstbau und einer von vier Arbeitsgruppenvorsitzenden der ISHR, dass die Bewässerung erstens umweltschonend erfolgt, sprich ohne das Austragen von Nährstoffen aus dem Anbauboden, zweitens muss sie kostengünstig und dennoch qualitativ anspruchsvoll sein. Braun: „An diesem Thema arbeitet die Forschungsanstalt seit Jahren und hat es auch im Forschungskonzept festgeschrieben.“ In theoretischen und praktischen Forschungsprojekten werden Bewässerungssysteme entwickelt, die von der Erdbeere über den Kohlkopf bis zur Weintraube individuelle Ansprüche berücksichtigen müssen.

Beim Obst- und Gemüseanbau spielt die kontinuierliche Bewässerung eine ganz entscheidende Rolle, doch auch beim Weinanbau gibt es vor allem in Steillagen die Notwendigkeit einer Zusatzbewässerung. Dabei gehe es weniger um die Quantität als um die Qualität der Trauben. Die gerieten nämlich gerade in solchen Lagen bei extremen Wasserunterschieden „schnell unter Stress“. Da kann ein Weinbergsbesitzer nicht einfach den großen Schlauch reinhängen. Vielmehr muss die Bodenfeuchtigkeit durch eine Tröpfchenbewässerung durch viele kleine Schläuche erfolgen, wie es gerade bei einem Pilotprojekt der Forschungsanstalt in der Rüdesheimer Umgebung geschieht.

Alle führenden Experten des Bewässerungsmanagements mit ihrem geballten Know-how an einem Tisch zu haben, ist nicht nur für Professor Braun fachlich höchst faszinierend: Kommen die Konferenzteilnehmer doch aus 37 Ländern mit teilweise höchst unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, sodass der Austausch der individuellen Erfahrungen und Forschungsansätze bei der Bewässerung neue Modelle befördern kann.

Dabei geht es laut Braun nicht nur um Bewässerung im eigentlichen Sinn, sondern generell um die Beurteilung des Pflanzenwasserstatus, etwa Früherkennung von „Wasserstress“ oder Probleme durch Versalzung. An diese Inhalte grenze „die Erforschung von Klimafolgen, wie auch von zerstörungsfreien und automatisierbaren Bewässerungsverfahren an“.“

URL: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/rheingau/geisenheim/12207523.htm

 


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