„I´m NOT drinking any F*CKING MERLOT!“

Aber warum eigentlich, Miles?

Diese Hasstirade, ausgesprochen von der Hauptfigur Miles im erfolgreichen Film „Sideways“ aus dem Jahr 2004, führte zu einem (glücklicherweise nur temporären) Abfall der Verkaufszahlen von Merlot in den USA – zu Gunsten von Pinot Noir. Der sogenannte „Sideways-Effekt“.

Aber wird der Merlottraube hier nicht Unrecht getan?

Zugegeben, die frühreifende „Merle“ (franz. Amsel) liefert bei geeigneten Bedingungen konstant hohe Erträge. Sicher, Merlot taugt als „Mainstreamsorte“, wird fast überall auf der Welt angebaut, gehört zu den „Big Five“ (Merlot, Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Shiraz/Syrah). Ja, Merlot ist auch „Grand Sud“. Einerseits.

Andererseits lassen sich bei konsequenter Ertragsregulierung wundervolle Tropfen aus Merlottrauben keltern. Mit ihrer samtigen Fruchtigkeit und ihrer anbetungswürdigen Harmonie mit kleinen Eichenholzfässern, wissen diese Weine auch Connaiseure zu begeistern. Ohne deshalb Weinlaien abzuschrecken. Ganz traditionell bilden sie in der berühmten Bordeaux-Cuvée den kongenialen Partner für tanninbetontere Cabernetweine.

Merlot ist auch Petrus.

Merlot ist vielseitig. Merlot ist aufregend. Merlot ist eine Rebsorte. Und aus jeder Rebsorte kann man großartige Weine machen (nun gut, aus Trollinger vielleicht nicht).

Doch holen wir etwas weiter aus.

Die Herkunft des Merlot liegt vermutlich im Bordeaux, in Frankreich, wo auch heute noch die meisten seiner Reben stehen.

Erstmalig erwähnt wurde er zur Zeit vor der französischen Revolution, dank seiner Flexibilität hat er es heute auf ca. 600.000 Hektar weltweit gebracht.

Als „Vater“ des Merlot wird schon seit langem der Cabernet Franc definiert, doch bezüglich seiner „Mutter“ tappte die Wissenschaft lange im Dunkeln. Erst kürzlich stieß die Forschung auf die fast ausgestorbene Rebsorte Magedeleine Noire des Charentes.

Im Weinberg erkennt man den Merlot an seiner starkwolligen, hellgrünen, kaminrötlich umrandeten  Triebspitze, seinen 5-lappigen hellgrünen, tiefgebuchteten jungen Blättern mit roten Flecken, weißflaumig behaart und seinen älteren Blättern, ebenfalls tiefgebuchtet, 5-7-lappig und oft mit kleinen „Zähnen“ in den Buchten. Die Trauben sind lockerbeerig und zylindrisch, die Beeren schwarzblau und beduftet.

Die Weine sind meist harmonisch, samtig, körperreich und mit reifer Säure, von mittel- bis dunkelroter Farbe, vielschichtig und mit einem beerig-süßen Mundgefühl.

Es finden sich unter anderem Aromen von Cassis, Brombeere, Süßkirsche, Pflaume, Früchtekuchen, Schokolade, Paprika und Nelke. Die Aromatik variiert dabei häufig in Abhängigkeit von der Klimazone bzw. dem Jahrgang. In warmen Klimaten entstehen meist alkoholreiche Weine.

Allgemein fühlt sich Merlot in gemäßigt-warmen bis mediterranen Klimazonen überall auf der Welt wohl, in kälteren Weinbauregionen ist er dank seines frühen Austriebs stark spätfrostgefährdet.

Mit über 115.000 Hektar stellt Frankreich noch immer die mit Abstand größte Rebfläche, Italien folgt mit „nur“ knapp 23.000 Hektar auf Platz 2.

Auch in der neuen Welt, vornehmlich Kalifornien (ca. 19000 Hektar), ist Merlot stark verbeitet, jedoch auch beispielsweise in Osteuropa ( Bulgarien 15.500 Hektar).

Deutschland weist im Vergleich mit rund 450 Hektar, die zum Großteil die beiden Anbaugebiete Pfalz und Rheinhessen untereinander aufteilen, eine eher marginale Rebfläche auf, was auch mit der tendenziell zu kühlen Klimatik zu erklären ist.

Wie bereits zu Anfang erwähnt, wird Merlot traditionell im Holz ausgebaut und meist als Cuvéepartner für tanninbetontere Weine (Cabernet, Sangiovese etc.) verwendet.

Dies zeigt sich auch daran, dass bei getätigten Storechecks der Anteil reinsortiger Merlots am Gesamtsortiment zwischen 0 und 5 % variierte, während Cuvées mit Merlot teilweise beachtlichen Anteil am Rotweinsortiment hatten. Durch die Bank weg am meisten vertreten waren Merlots aus Frankreich und Italien.

In Zukunft wird der weltweite Anbau dieser vielseitigen Rebsorte eher steigen, denn abfallen, Sideways-Effekt hin oder her.

Besonders in die Höhe schießen dürften wohl die Anbauflächen in China, da dort eine sehr starke Orientierung in Richtung Bordeaux zu sehen ist.

Der große Vorteil des Merlots ist auch, dass er neben dem edlen Rotwein bordelaiser Stilistik auch einfache, fruchtige „easy drinking“ Weine für neue Konsumentenschichten liefern kann.

Ob Petrus, Masseto oder Grand Sud : Merlot wird immer seine Liebhaber finden.

Um den Facettenreichtum des Merlot darzustellen, haben wir auch verschiedenste Weine durch den Kurs bewerten lassen. Die folgenden drei Weine bekamen die besten Bewertungen.

Platz 1
Weingut Eymann – Pfalz
Das Weingut in der Pfalz bewirtschaftet seine Weinberge bio-dynamisch.
Der verkostete Wein aus dem Jahr 2007 ist ein vollmundiger und weicher Merlot, mit einer würzigen Note und Anklängen von Pfeffer. Sehr fruchtig in der Nase und im Geschmack mit Aromen von Kirsche und Johannisbeere.

Platz 2
Shafer – Kalifornien
Dieses Weingut wurde 1972 gegründet und bewirtschaftet 80 Hektar.
Der verkostete Merlot kommt aus der Lage Schoolbus und lag erst 20 Monate im Barrique und dann noch ein Mal sieben Monate auf der Flasche. Er ist sehr kräftig, vollmundig und marmeladig und hat eine sehr hohe Viskosität. Man entdeckt eine Vielzahl verschiedenster Aromen, von Waldfrüchten, Brombeeren, Himbeeren und Kirschen bis hin zu Früchtekuchen, Vanille und Gewürznelke.

Platz 3
Tenuta Santa Maria alla Pieve – Decima Aurea  – Italien
Seit 1860 ist dieses Weingut im Besitz der Familie Bertani. Die 20 Hektar Weinberge liegen in der Nähe von Verona.
Der Merlot-Wein aus der Verkostung besteht zum Teil aus getrockneten Trauben. Er ist würzig, marmeladig und leicht karamellig. Sein Geschmack, sowie sein Bukett erinnern an Rosinen, Pflaumen, Brombeeren, Kirschen und Johannisbeeren.

 

 


Keine Kommentare möglich.