Die Geschichte des Pinot Noirs beginnt vor 2000 Jahren in Burgund, hier wird die Rebsorte zum ersten mal von den Römern aus einer Wildsorte selektioniert und angebaut. Als wilde Rebe hat sie auch die Eigenschaft stark mutagen zu sein und ist nebenbei die Mutter diverser heutiger Rebsorten, so wie der Pinot Gris, der Pinot Droit, Pinot Meunier und Pinot Blanc. So sind alleine in Frankreich momentan nicht weniger als 49 Klone zugelassen, sie unterscheiden sich in vielen Faktoren (Boden, Wuchs, Frucht, Reife, etc) und wurden größtenteils in Burgund und der Champagne gezüchtet.

Der Name Pinot Noir kommt übrigens vom französischen Wort „pin“ was soviel wie Kiefernzapfen bedeutet und auf die Form der Frucht hinweisst.

Es ist auch kein Wunder das diese Rebsorte im Deutschen auch SpätBurgunder genannt wird, schließlich ist in Burgund ihr Ursprung, ihre Heimat.

Denn schließlich herrschen hier die perfekten Bedingungen für die kapriziöse Diva Pinot Noir. Denn wenn sie eines stellt, dann Ansprüche!

Der frühe Austrieb bürgt die Gefahr von Spätfrost, sie ist anfällig für Verrieselung, Empfindlich gegen Peronospora und Botrytis, neigt zu Oidium und da das alles noch nicht genug ist stellt sie hohe Ansprüche an Klima und Boden. Doch warum müht man sich auf der ganzen Welt diese Rebsorte anzubauen?
Da sie das Potential hat die Besten Rotweine der Welt zu produzieren!

 

All dies wurde schon vor 2000 Jahren in Burgund erkannt, die südseitigen Hänge und warmen Böden bürgen beste Voraussetzungen für Pinot Noir, die Lehm und Kalkböden verleihen ihm eine Kraft und würze, wie sie kaum in anderen Regionen erreicht wird.

So wundert es keinen das in einem 35km langen Streifen der Bourgogne fast 1/8 der Pinot Noir Flächen der Welt stehen, nämlich 10.600 von 85.000ha weltweit.
Dieser Streifen nennt man die Côte d’Or, von Montrachet bis Dijon, der Name ist ein Zeichen für die goldene Qualität die hier seit Jahrhunderten wächst, die bedeutenste Pinot Noir Gegend weltweit.
Alleine 27 Grand Cru Spitzenlagen liegen in dem kleinen Herzstück Burgunds, aus dem 20% der gesamten Pinot Noir Produktion Frankreichs stammen, Lagen mit Namen von Weltruhm, Clos de Vougeot, Chambertin, Vosne-Romanée… Lagen mit unglaublicher Diversität in Geschmack und Sensorik, geschuldet den kleinen Nuancen in Mikroklima und vor allem Boden. Kalkhaltige Lehm und Tonböden.

Doch dies ist nicht das einzige Gebiet in Frankreich in dem der Pinot Noir eine Rolle spielt, denn schließlich findet man ihn auch in jedem Champagner Cuvée und so ist es mehr als verständlich, dass knapp 13.000ha südlich von Epernays mit Pinot Noir bestückt sind. Im Elsass ist sie sogar die einzige Rebsorte die zur Produktion von Rotweinen zugelassen ist!

 

Auch in Deutschland ist 884 am Bodensee zum ersten mal die Sorte Klevner angebaut worden, heute bekannt als Spätburgunder. So wundert es nicht das nach einer fast 1300 Jährigen Geschichte in Deutschland 11,5% der gesamten Rebfläche Deutschlands mit Pinot Noir bepflanzt sind. Die Hälfte davon alleine in Baden, denn auch hier herrschen für den Pinot Noir perfekte Bedingungen. Trocken und warm, kalkhaltige Böden und teils Vulkangestein geben Grundlage für Pinots von Weltklasse.

Die Ahr ist ihr sogar fast gänzlich verfallen, fast 2/3 des kleinen Flüsschens sind mit Pinot Noir bestockt und auch in der Pfalz finden sich viele Hektar mit hochklassigem Pinot Noir. Nicht zuletzt die klimatischen Bedingungen dieser Regionen, trocken und heiss, sowie perfekte Böden führen zu den Spitzen-Rotweinen Deutschlands. Im Generellen sind deutsche Pinots häufig geradliniger und weniger verspielt als die Brüder aus Frankreich, es gibt weniger Alkohol, aber dennoch die Typischen Pinot Früchte.

 

Doch Pinot Noir verließ auch Europa und fand in Amerika und Neuseeland eine neue Heimat. Doch nicht überall, denn wie schon erwähnt, die Diva stellt hohe Ansprüche, so wachsen beispielsweise nur in Kalifornien und Oregon nennenswerte qualitativ hochwertige Pinots in den USA. 1/3 der Rebfläche des trockenen Kaliforniens und fast 50% des milden Oregons haben sich dem Pinot Noir angenommen. Diese zwei Gegenden könnten unterschiedlicher nicht sein, Oregon mit viel Niederschlag und wüchsigen Böden und das trockene Kalifornien. So ergibt es sich, dass hier im trockenen kalifornischen Klima, konzentriertere und dichtere Pinot Noirs wachsen, wohingegen das gemäßigte Klima Oregons Weine erzeugt, die eher dem französischen Stil entsprechen.

 

Tasmanien, als Insel vor dem Australischen Festland, hat 40% seiner Flächen dem Pinot Noir zugeschrieben, immerhin stattliche 360ha. Gut die wenigsten dieser wenigen Flaschen verlassen die kleine Insel, aber wegen ihrer außergewöhnlich guten Qualität werden sie selten in gewöhnlichen Weinhandlungen auffindbar sein.

Aber auch auf dem Festland stehen 4000ha, was zwar nur 2,5% der gesamten Fläche ist, aber anbetracht dessen, dass hier klimatisch viel zu extreme Bedingungen für Pinot Noir herrschen kein Wunder.

So ist der Pinot Noir Australiens eher selten Massenware und wirkt meist körperreich und fruchtbetont.

 

Auch in Neuseeland wurde die Rebsorte eingeführt, mit Erfolg, innerhalb von 15 Jahren versechsfachte sich hier die Fläche! Nicht zuletzt, wegen dem momentan hohen Ansehen der neuseeländischen Pinot Noirs. Denn die Generation Winzer denen das zuzuschreiben ist, sagten sich vor 20 Jahren los von Massenware und stellten von Quantität auf Qualität. Hauptgebiete sind hier Central Otago und Wairarapa, welche mit gemäßigtem Klima und perfekten Bodenbedingungen dem Pinot eine Heimat wie in Burgund bieten können. Kein Wunder also das der überdurchschnittliche Standart bezüglich Qualität und der Orientierung am europäischen Stil sehr komplexe und mineralische Weine Produzieren.

 

Die Mengen an Pinot Noir auf der Welt sind überschaubar, daher ist er prozentual auch auf dem Markt reinsortig eher selten zu finden. Hohe Ansprüche an Klima und Boden führen zu begrenzten Flächen und belassen Pinot Noir auf dem Level eines raren Spitzenweins, der das Potential trägt die Besten Rotweine der Welt zu produzieren.
Im Einzelhandel finden sich eher günstige Pinot Noirs, zumeist aus Deutschland. Im Fachhandel liegt der Prozentuale Anteil meist zwischen 4 und 8 Prozent des Sortiments. Es spiegelt sich hier die geringe Fläche und Menge an Pinot Noir wieder! Doch preislich lassen sich im Fachhandel Weine über 100 Euro finden.

 

„Selbst dort wo die Prima Ballerina des Rotweins, der Pinot Noir gedeiht, muss sie überredet werden, nur geschmeichelt und umschmeichelt lässt sie sich Flasche für Flasche ihr Beste entlocken“

 

Anschließend wurden die folgenden Pinot Noir Weine verkostet, bewertet und in ein DLG 5 Punkte Schema eingestuft:

 

 

1.Friedrich Becker – Herrschaftswingert – 2008 – Pfalz

Preis: 29,90€

Bewertung: 2,95 DLG Punkte

 

2. Rheingau eG – Spätburgunder Rheingau – 2012 – Rheingau

Preis: 4,99€

Bewertung: 1,97 DLG Punkte

 

 

3. Ventisquero – Heru Pinot Noir – 2009 – Casablanca Valley, Chile

Preis: 32,20€

Bewertung: 2,7 DLG Punkte

 

4. Apaltagua – Reserva – 2011 – Curicó Valley, Chile

Preis: 7,60€

Bewertung: 2,72 DLG Punkte

 

5. Etyek Kúria – Eyrk Buda – 2011 – Alcsútdoboz, Ungarn

Preis: 15,50€

Bewertung: 3,01 DLG Punkte

 

6. Hartford Court – Lands Edge Vineyards – Sonoma Coast, USA

Preis: 62,50€

Bewertung: 2,7 DLG Punkte

 

7. Domaine Gérard Raphet – Charmes Chambertin Grand Cru – Chambertin, Frankreich

Preis: 79,00€

Bewertung: 2,4 DLG Punkte

8. Kontrollwein – Dornfelder

 

9. Netto – Spätburgunder Halbtrocken – 2012 – Baden

Preis: 2,79

Bewertung: 1,5 DLG Punkte

 

10. Huber – Schlossberg Spätburgunder GG – 2010 – Baden

 Preis: 55,90 €

Bewertung: 2,6 DLG Punkte

 

Die Sieger unserer Verkostung sind also:

 

  1. Platz: Etyek Kúria – Eyrk Buda – 2011 – Alcsútdoboz, Ungarn 3,06 Punkte
  2. Platz: Friedrich Becker – Herrschaftswingert – 2008 – Pfalz 2,95 Punkte
  3. Platz: Apaltagua – Reserva – 2011 – Curicó Valley, Chile 2,72 Punkte

 

Diagramm PN

 

Erstaunlich ist, dass keiner der drei hoch preisigen Weine hier vertreten ist, weder das Grand Cru, noch der Pinot Noir aus Kaliforien, oder das Große Gewächs vom Weingut Huber. Hier macht der erste Platz sogar ein Wein, der für das Geld überragend ist! Ebenfalls erstaunlich ist der 3. Platz, ein Chilene, aber nicht der 4 mal so teure Wein, sondern der günstige für unter 10 Euro!

 


Keine Kommentare möglich.