Was sind das denn für kleine rote Beeren mitten im Gebüsch? Zufällig habe ich den Strauch entdeckt und mich wage daran erinnert, schon einmal über Kaffeebohnen gelesen zu haben und zu wissen, dass sie im reifen Zustand knallrot sind und wie kleine Kirschen aussehen. Auf Portugiesisch werden sie deshalb auch „Cereja de Café“ genannt, Kaffeekirschen. Leider waren nur eine Handvoll der Früchte reif. Ich habe sie geerntet und mich dann über die Verarbeitung der Kaffeebohnen informiert. Schließlich will ich ja demnächst selbst geernteten wilden Kaffee trinken 😉

Die Verarbeitung ist gar nicht so einfach und vor allem zeitaufwendig. In kleinem Stil machte ich mir nicht die Mühe, jeden Schritt genau einzuhalten. Trotzdem hoffe ich auf leckeren Kaffee, obwohl es vermutlich nicht viel mehr als ein paar Tassen werden.

Zuerst müssen die Kirschen getrocknet werden. Das, was wir als Kaffeebohne kennen, ist eigentlich nur der Kern. Jede Kirsche hat zwei gegenüberliegende Kerne in ihrem Inneren, die von Fruchtfleisch und der roten Hülle umgeben sind. Die Kerne sind sehr glitschig und von einer schleimigen Schicht umgeben. Während des Trocknesn schrumpft die äußere rote Hülle zusammen und wird braun. Die Schleimschicht, welche die Kerne im Inneren umgibt, trocknet ebefalls und wird spelzig. Nach ca. zwei Wochen in der Sonne machte ich mich ans Entkernen. Im professionellen Bereich werden die getrockneten Kirschen in einer Maschine, die einer Dreschmaschine für Getreide ähnelt, entkernt und entspelzt. In meinem Versuch reichte es jedoch aus, mit einem Holzlöffel auf die Kirschen einzudreschen und dann die bräunlich-weißen Bohnen aus den Spelzen und den Schalen zu fischen.

Jetzt geht es ans Rösten. Dieser Teil ist der schwierigste und bestimmt neben den Anbaubedingungen und der Sorte maßgeblich den Geschmack des Kaffees. Ich begnüge mich mit einfachem Rösten in der Pfanne. Für ca. 20 Minuten werden die trockenen Bohnen unter ständigem Rühren und Schwenken geröstet. Langsam werden die Bohnen dunkler, bis sie die uns bekannte, kaffeebraune Farbe haben. Am Anfang riecht es etwas verbrannt, doch nach und nach verbreitet sich angenehmer Kaffeeduft in der Küche. Interessanterweise werden die Bohnen während des Röstens größter.

Nach dem Rösten mache ich mich ans Mahlen. Wer bis dahin noch nicht mitbekommen hat, dass Kaffee geröstet wurde, der weiß jetzt Bescheid. Der frisch gemahlene Kaffee riecht intensiver als jeder Kaffee, den ich bisher unter meiner Nase hatte. Der Duft zieht um die Häuser.

Ob er aber auch schmeckt? Nach Aussage der alten, erfahrenen Nachbarin habe ich die Bohnen nicht dunkel genug geröstet, ich solle beim nächsten Mal mehr Geduld haben, sagt sie mir. Egal, aus Fehlern wird man klug. Aber so falsch war meine Röstung gar nicht, denn der frische Kaffee, den ich in einer Espressokanne aufgesetzt habe und dann mit geschäumter Milch trank, schmeckte so intensiv, dass ich mir kaum vorstellen kann, mit weiterem Rösten noch mehr Aroma herauszubekommen. Kaum Bitterstoffe, leicht säuerlich und sehr bekömmlich. Aber der fertige Kaffe war nicht so dunkel, wie man es von industriell geröstetem Kaffee gewohnt ist. Lag dann vielleicht doch an meiner zu zaghaften Röstung. Definitiv eine Aktion, die sobald wie möglich wiederholt wird! In jedem Fall zum Nachmachen empfohlen!


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