São Paulo

Bei der Ankunft im internationalen Flughafen São Paulos ist nichts von der oft zitierten Gastfreundschaft und Lebensfreude der Brasilianer zu spüren. Grau, wenig Glas, viele Wände bis unter die Decke gefliest, kaum bunte Willkommensbanner oder anderweitige touristische Werbung. Passkontrolle, lange Schlange, der gesamte Flieger steht an nur 5 geöffneten Schaltern und wartet geduldig darauf, seinen Stempel und damit die Einreiseerlaubnis nach Brasilien zu bekommen. Wer auch nur ein paar Sekunden zögert, wenn er an der Reihe ist, wird unfreundlich aufgefordert, sich doch etwas schneller zu bewegen. Ohne viele Worte wird der Stempel in den Pass geknallt und los geht es zur Gepäckausgabe.

Auch außerhalb des internen Bereichs scheut der Flughafen den Vergleich mit anderen großen Airports, wirkt kühl, grau und wenig einladend. 30 Kilometer außerhalb der Stadt. Aber zum Glück muss ich kein Taxi nehmen, denn die Fluggesellschaft stellt ihren Fluggästen ein kostenloses, sehr luxuriöses Busshuttle in die Innenstadt zur Verfügung (dies ist jedoch Insiderwissen, die meisten internationalen Besucher Brasiliens werden vermutlich ein sehr teures Taxi nehmen). Zum Glück ist es spät am Abend und kein Stau auf der Autobahn. Je näher wir der Stadt kommen, desto höher ragen die Wolkenkratzer in den Himmel. Dann komme ich endlich am ausgemachten Treffpunkt an und werde auch schon erwartet.

Weshalb steht hier auf dem Blog überhaupt ein Bericht über São Paulo? Nun, es hat erstmal nichts mit der WM zu tun, sondern damit, dass der Autor sich für einen gewissen Zeitraum in Brasilien aufhält zur Erweiterung seines Horizontes in Form von Praktika. Und da die meisten Nachrichtenportale sehr ausführlich über den Fußball in Brasilien berichten, soll es an dieser Stelle in unregelmäßigen Abständen kleine Reportagen und Berichte über Brasilien geben, die sich vohrnehmlich mit gartenbaulichen Themen befassen aber auch mit Inhalten, die in dieser Form normalerweise nicht in den einschlägigen Medien zu lesen sind.

São Paulo ist eine der größten Städte der Welt. Die eigentliche Stadt hat ca. 11 Mio. Einwohner, die Metropolregion jedoch, zu der unter anderem 16 Städte mit jeweils mehr als 200.000 Einwohner zählen, wird von über 20 Mio. Menschen bewohnt. Das ist ein bisschen weniger als Australien oder doppelt so viel wie die ehemalige Kolonialmacht Portugal. Mit einer Wirtschaftsleistung von umgerechnet ca. 13.000 € pro Kopf ist São Paulo auch die reichste und wirtschaftlich bedeutendste Stadt Südamerikas.

Gleichzeitig ist São Paulo auch eine Stadt der Kontraste, sehr großer Kontraste sogar. Nicht nur zwischen arm und reich, gebildet und ungebildet, religös und nicht religiös, Pendler und Nicht-Pendler, sondern auch zwischen agrarischem und urbanem Stadtumfeld. Ca. 40% der Stadtfläche zählt offiziell als landwirtschaftlich nutzbar und ist gesetzlich als solche geschützt. Das ist schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass zwei biologisch fast tote, extrem stinkende Flüsse das Stadtgebiet durchkreuzen. Das Bedürfnis nach sauberer Luft, intakter Umwelt und einer lebenswerten Stadt rückt immer mehr ins Bewusstsein der breiten Masse, sodass sich die Politik langsam dieser Thematik annimmt. Mit zum Teil erstaunlichen Erfolgen. Dazu werde ich demnächst ausführlicher berichten.

Weiterhin folgen Berichte über die Biofach Latin America, die in São Paulo stattfindet, über Hydroponik- und Aquaponikfarmen, Urban Gardening im Allgemeinen, besondere und exotische Obst- und Gemüsesorten und natürlich die eine oder andere Geschichte zum Fußball, zu den kritischen Protesten rund um die WM und über das Leben allgemein im südlichen Brasilien.

até mais (bis zum nächsten Mal)


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