Die ersten Spiele der Gruppenphase sind nun vorbei und es wird Zeit für eine kurze Zusammenfassung der WM-Stimmung in Sao Paulo. Noch letzte Woche meldete Sao Paulo zur Rush-Hour am späten Nachmittag mehr als 250 km Stau im Stadtgebiet. Am vergangenen Donnerstag war Anspiel zur Fußball-WM. Empfehlungen von allen Seiten, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen um ins Stadion zu fahren. Der Bürgermeister hatte extra den ganzen Donnerstag zum Feiertag deklariert, damit alle, aber auch wirklich alle Bürger das Auftaktspiel sehen können. Aber wo schaut man ein Spiel in Sao Paulo, wenn man kein Ticket fürs Stadion hat? Nun, ohne große Vorbereitungen sollte es zum Public-Viewing ins Stadtzentrum gehen. Schon bei der Anfahrt mit S- und U-Bahn war Sao Paulo wie ausgewechselt: keine überfüllten Züge, kein Stau auf den Straßen und vor allem, es war eine Verbesserung der Luftqualität spürbar…

Die Fanmeile jedoch stellte sich als Desaster heraus, völlig überlaufen, alle Eingänge von unzähligen Polizisten wegen Überfüllung abgeriegelt und von daher keine Möglichkeit, das Spiel auf der Großbildleinwand zu sehen. Man stelle sich vor: Sao Paulo hat knapp 11 Mio. Einwohner und die Fanmeile eine Kapazität von nur 45.000 Besuchern. Wer hat solch eine Fehlplanung zu verantworten? Interessanterweise waren alle Bars und Kneipen in unmittelbarer Nähe zur offiziellen Fanmeile geschlossen. Aber eine Apotheke war geöffnet, und die Angestellten hatten einen Fernseher auf ein Regal gestellt und feuerten das brasilianische Team lautstark an. So habe ich das erste Spiel in einer Apotheke geschaut. Die Apotheke war in Sao Paulos berühmtester und größter Geschäftsstraße, der Avenida Paulista. Und vermutlich das erste Mal in der Geschichte dieser Straße fuhren so gut wie keine Autos die insgesamt 6 Spuren entlang, flanierten keine Menschen über die ca. 10 Meter breiten Bürgersteige auf beiden Seiten und hatten keine Geschäfte geöffnet. Und wohl auch erstmalig war im gesamten Stadtgebiet währen des Spiel kein einziger Stau zu vermelden. Dabei war der Anpfiff um 17 Uhr, Rush-Hour-Time.

Jedes Mal, wenn Brasilien ein Tor schoss, hörte man das Grölen und Jubeln aus den geöffneten Fenstern der Hochhäuser und sah und hörte Feuerwerk in den Himmel steigen. Einige Minuten nach Abpfiff hatte sich die Straße wieder in einen Ameisenhaufen voller fahnengeschmückter Autos und Menschen verwandelt

Für das Deutschland-Spiel heute Abend werde ich mir irgendwo in der Stadt eine geöffnete Bar mit Großbild-Leinwand suchen.


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