Nachdem vor einiger Zeit ein Auqaponik-Projekt aus Brasilien vorgestellt wurde, begeben wir uns jetzt in die deutsche Haupstadt. Lange galt der sogenannte Tomatenfisch als Träumerei und Sinnbild für die perfektionierte Produktion von Gemüse, in etwa die eierlegende Wollmilchsau des Gartenbaus. Doch jetzt hat sich das kleine Berliner Start-Up ECF-Farmsystems die Rechte am gekoppelten hydroponischen Ansatz + Aquakultur vom Leibnitz-Institut IGB gesichert und legt sich gerade mächtig ins Zeug, frisches Gemüse samt frischem Fisch auf die Berliner Teller zu bringen.

Es fing vor einigen Jahren mit einer kleinen Containerfarm an. In einem ehemaligen Frachtcontainer wurde ein Fischtank und auf dem Dach des Containers ein Gewächshaus gebaut. Was die Fische nicht verdauen, das geht durch ein komplexes Kreislaufsystem hinauf ins Gewächshaus und düngt die in erdloser Kulturführung angebauten Pflanzen. Überschüssiges Wasser wird wieder dem Kreislauf zugeführt, welcher sich jedoch getrennt vom Fischtank befindet. Dadurch können fehlende Nährstoffe nachgedüngt werden, ohne die Gesundheit der Fische zu gefährden.

Dieser Prototyp läuft nun seit etwas mehr als zwei Jahren sehr erfolgreich, so wurden Tomaten, Melonen, Paprika, Salate, Kräuter, Physalis und sogar Kartoffeln angebaut. Das Team von ECF hat mehr als 400 unterschiedliche Kulturen evaluiert, welche theoretisch in ihrem System ohne Probleme angebaut werden können.

Um das aquaponische Verfahren auch in größerem Maßstab zu testen, ist ein 1 800 m2 großes Gewächshaus im Bau. Es steht auf dem Gelände einer ehemaligen Malzfabrik in Berlin Tempelhof, umgeben von mehrgeschössigen Backstein-Industriedenkmälern. Eine interessante Kulisse für solch ein innovatives Projekt.

Das in modernster Venlo-Bauweise errichtete Gewächshaus wird einen abgetrennten Bereich für die Fischzucht aufweisen. Dort stehen dann 13 Fischtanks, welche jeweils von mehreren Hundert Buntbarschen bevölkert werden. Im eigentlichen Gewächshaus soll ganzjährig produziert werden, jedoch ausschließlich saisonale Kulturen, um einen unnötig hohen Heizaufwand zu vermeiden.

Obwohl vollständig auf herkömmlichen Pestzid-Einsatz verzichtet werden soll und auch die Fische ausschließlich mit regionalem Biofutter gefüttert werden, strebt der Betrieb keine Bio-Zertifizierung an. Denn aufgrund des Anbaus in anorganischen Substraten und der Verwendung von traditionellen Zusatz-Flüssigdüngern kann kein Zertifikat ausgestellt werden.

Die Betreiber erhoffen sich Erträge von 35 t Gemüse/Obst und 25 t Fisch pro Jahr. Beachtliche Mengen für solch eine kleine Fläche. Vor allem beim Fisch wird wohl von der Idealvorstellung ausgegangen, dass die Tanks immer maximal ausgelastet sind.

Die ideale Besatzdichte an Buntbarschen soll anhand von Cortisol-Messungen in den Wassertanks errechnet werden. Stoßen die Fische zu viel oder zu wenig dieses Hormons aus, ist die Menge an Tieren pro Volumeneinheit zu hoch oder zu gering. Spätestens an diesem Punkt stellt sich die Frage, muss überhaupt diese enorme Menge an Fischen in vergleichsweise sehr kleinen und engen Behältern gehalten werden? Könnte man den Ansatz der Aquaponik nicht von vorn herein als extensive Tierhaltung gekoppelt mit intensivem Pflanzenbau verstehen? Die potenzielle Zielgruppe aquaponischer Produkte sind sicherlich nicht die Discounter-Stammkunden, und von Anfang an stark an maximaler Transparenz, Schadstofffreiheit und Tierwohl interessiert.

Es wird sich zeigen, wie Deutschlands erste Aquaponik-Farm sich in der Praxis bewähren wird. Eröffnung und Start der Produktion ist für Februar 2015 geplant. Beobachtet man den aktuellen Baufortschritt, kann dieses Datum mit großer Sicherheit eingehalten werden.

Mehr Infos unter: ECF-Farmsystems.com


Keine Kommentare möglich.