Die Zutaten der täglichen Mahlzeit eines durchschnittlichen US-Amerikaners sind mehr als 1 500 km gereist, bevor sie verspeist werden, erklärte Andrea Chegut vom MIT auf er Eat-the-City-Konferenz in Den Haag. Das wird im europäischen Vergleich nicht anders sein, kommt doch ein Großteils unseres Gemüses vor allem zur späten Herbst- und Winterzeit aus Spanien, Marokko und sogar aus Zentralafrika.

 

Kann man dieser Entwicklung etwas entgegensetzen? Diese Frage stellt sich die Urban Farming Bewegung. Urban Farming meint in diesem Zusammenhang das Anbauen von Obst und vor allem Gemüse im urbanen Bereich. Und zwar nicht als Hobbyprojekt oder im Schrebergarten, sondern hochprofessionell und in einem Maßstab, der in naher Zukunft wirklich dazu führen könnte, unseren Bedarf an Frischgemüse auch in der kühlen Jahreszeit lokal zu erzeugen.
Eingeladen zum Opinion Leader Forum in Den Haag hatte das Schweizer Startup UrbanFarmers aus Zürich. Diese Firma plant und vertreibt Urban Farming-Konzepte und will damit den gesamten europäischen Frischgemüse-Markt aufmischen. Nein, nicht nur Grünzeug, sondern auch Fische finden sich im Angebot. Der Clou an diesem neuartigen Konzept heißt Aquaponik (wurde anhand eines kleinen Projekts aus Sao Paulo, Brasilien, an dieser Stelle bereits vorgestellt) und kombiniert Fischzucht mit Gemüseanbau.
Viele Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen waren zugegen und erörterten Einflussfaktoren zu urbanem Gartenbau. Andrea Chegut vom MIT ging es darum, Wertsteigerungen von Immobilien zu analysieren, welche durch Gartenbauprojekte genutzt werden. Es kann daher auch von Maklern und Immobilienbesitzen der Wunsch nach einer Gestaltung der bisher ungenutzten Dachflächen beispielweise mit Gartenbau kommen, um somit den Wert und die Attraktivität der Immobilien zu steigern.  

Der große Vorteil der urbanen Produktion liegt aber vor allem in der ultralokalen Anbau- und Vermarktungskette. So kann im optimalen Fall auf dem Dach eines Einkaufszentrums angebaut werden, was dann durch Restaurants und Supermärkte im Inneren des Centers verbraucht und verkauft wird. Gleichzeitig kann die Abwärme der Klimaanlagen des Gebäudes für die Temperaturregulierung in den Dachgewächshäusern verwendet werden und durch die isolierende Wirkung der Gewächshäuser der Energieaufwand für das Gebäude stark reduziert werden. Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Jedoch, und auch das wurde auf dem Kongress nicht unbedacht gelassen, steht der Urbane Gartenbau momentan an der Stelle, wo die Entwicklung des Telefons vor 130 Jahren stand. Es wird sich zeigen, wie die Kunden diese Entwicklung annehmen und ob die versprochenen Nachhaltigkeitseffekte wirklich eintreten.

Zum Abschluss des Events hatten die Urban Farmers aus Zürich frischen Tilapia und Gemüse anfahren lassen (den weiten Weg von Zürich nach Den Haag lassen wir ausnahmsweise mal gelten, gibt es doch in Holland und auch in Deutschland noch keine vergleichbares Projekt) und es von einem Amsterdamer Sternekoch fachgerecht zubereiten lassen. Sehr lecker, fällt mir dazu nur ein und zusammen mit gutem Wein war es ein toller Ausklang eines spannenden Kongresses.

 

Bis bleibt nichts anderes, als gespannt auf den Bau der ersten deutschen Urban Farm zu warten oder selbst aktiv zu werden, bietet sich in diesem Bereich doch eine enorme Chance für alle Gartenbauer, eine weltweite Entwicklung von Anfang an mitzugestalten.

 

Mehr Infos unter: urbanfarmers.com/

#urbanfarming


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