Bewerbungscoaching war für mich bisher ein Thema für die Karriereseiten in der Zeit oder der Süddeutschen. Dort gibt es ab und an Artikel über typische Fragen, die Personalchef großer Firmen gerne verunsicherten examinierten Studenten stellen, um deren Belastbarkeitsgrenzen auf die Probe zu stellen. Doch wie kann man sich auf solche Situationen vorbereiten? Taugen sogenannte Bewerbungsratgeberbücher etwas? Dazu lud der Career Service der HS einen professionellen Bewerbungstrainer ein, der mit interessierten Studenten ein zweitägiges Seminar veranstaltete.

Gekommen waren trotz einer großen Einladungskampagne nur 8 Leute (unter anderem auch ein paar internationale Studenten, für die solch ein Training sicher eine enorme Hilfe bei der Jobsuche in Deutschland nach dem Studium ist). Aber das tat der Stimmung und dem Lerneffekt keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, so konnte wirkliche jede Frage der Teilnehmer geklärt werden. Auch persönliche Situationen und Probleme hörte sich Personalberater Martin Stotz geduldig an und ging verschiedene Szenarien durch, um beispielsweise unvorteilhaft geschrieben Praktikumszeugnisse doch noch in einem besseren Licht dastehen zu lassen.

Roter Faden durch das gesamte Seminar waren 45 typische, meist heikle Fragen, die in einem Bewerbungsgespräch auftauchen können. Grundsätzlich sollte jedes Bewerbungsgespräch mit der Vorstellung beginnen. Fragt der Personaler beispielsweise „Wer sind Sie?“ oder „Erzählen Sie doch bitte etwas über sich“, erwartet er im Gegenzug einen ausführlichen, monatsgenauen und chronologischen Lebenslauf seit dem Abitur. Zumindest die Anfangs- und Endmonate des Studiums, von Praktika und Auslandsaufenthalten sollte jeder dazu im Kopf haben ohne lange darüber nachzudenken.

Schwieriger wird es dann schon bei Fragen wie „Nennen Sie mir bitte 3 Ihrer Stärken/Schwächen“. Was sagt man in so einem Fall? Nennt man wie aus der Pistole geschossen 3 positive Eigenschaften, wirkt man dann nicht schon leicht arrogant? Ist es besser eher zaghaft an solche Fragen heranzugehen, um sich zwar noch gut darzustellen aber gerade nicht überheblich zu wirken? Nein, meint Martin Stotz, bei der Frage nach den persönlichen Stärken ist in jedem Fall Selbstbewusstsein gefragt. Es geht ja wirklich darum, Sachen zu nennen, denen man sich bewusst ist, sie gut zu können, seien es Fremdsprachenkenntnisse oder aber ein gutes Organisationstalent.

Aber die eigenen Schwächen zu erkennen und dann auch noch vor einem fremden Menschen einzugestehen, der über die eigene berufliche Zukunft entscheidet, ist nicht so leicht. Man sollte in jedem Fall keine banalen Schwächen wie Rauchen oder Heißhunger auf Schokolade erwähnen, sondern im optimalen Fall Probleme, die sich auch auf den zukünftigen Job auswirken könnten. Jede Schwäche sollte aber bereits mit möglichen Lösungsansätzen vorgestellt werden. Wer beispielsweise oft zu spät kommt, schildert das dem Personaler vielleicht so: „Leider habe ich ab und an Probleme mit meinem Zeitmanagement. Um das zu verbessern, mache ich mir To-Do-Listen und stelle mir für alle wichtigen Sachen einen Alarm, um diese noch rechtzeitig erledigen zu können. Mir ist bewusst, dass für den Job Pünktlichkeit sehr wichtig ist und ich bin sicher, dass es meinerseits keine Probleme dahingehend geben wird.“ Oder so ähnlich…

Das allerwichtigste eines jeden Bewerbungsgesprächs ist jedoch Ehrlichkeit. Jede Lüge wird über kurz oder lang auffliegen und jeder gepimpte Lebenslauf hat unter den Adleraugen der Personalchefs keinen Bestand, spätestens dann, wenn sie Detailfragen zu einem nicht gemachten aber im Lebenslauf angegeben Praktikum stellen und der Bewerber anfängt herumzudrucksen, so Herr Stotz.

Wenn der Bewerber jedoch das Gefühl hat, ein Gespräch entwickelt sich mehr von einem Bewerbungsgespräch hin zu Fragen, welche das Privatleben aushorchen sollen, hat er das gute Recht, die Fragen nicht zu beantworten und den Personaler auf den eigentlichen Zweck einer Bewerbung aufmerksam zu machen, nämlich die berufliche Eignung des Kandidaten zu testen. Solche unerlaubten Fragen beinhalten Themen wie Religion, politische Meinungen, Familienplanung, früheren Krankheiten, private Fragen über Familienangehörige oder Lebenspartner, Vermögensverhältnisse, Schwangerschaft oder ähnliches. Selbst das Verlangen eines polizeilichen Führungszeugnisses ist bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. die Sicherheitsbranche nicht legitim und sollte in keinem Fall ungefragt zu den Bewerbungsunterlagen zählen.

Eine gute Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch ist daher neben einem möglichst natürlichen Auftreten sehr wichtig. Und solch eine Vorbereitung ist auch die Teilnahme an Seminaren, wie sie die Hochschule ruhig öfter anbieten könnte.

weitere Informationen unter www.dr-stotz.de oder beim Career-Service der HS (Frau Ute Bickert, ute-bickert@hs-gm.de)


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