Daniel Deckers‘ Vorlesungsreihe über die Lage des deutschen Weins erfreute sich guter Resonanz

Vorlesung mit Dr. Deckers

Dr. Daniel Deckers

 

Dass Weingeschichte zugleich auch Weltgeschichte ist, bewies die Vorlesungsreihe in vier Teilen von Dr. Daniel Deckers „Zur Lage des deutschen Weins“. Der FAZ-Redakteur und Autor des Buches „Eine Geschichte des deutschen Weins – Im Zeichen des Traubenadlers“ verstand es, 200 Jahre Weingeschichte bis heute im Gerd-Erbslöh-Hörsaal der Hochschule Geisenheim so lebendig und spannend zu gestalten, dass es für einen Hörsaal ungewohnt ruhig war und  die Anwesenden  dem Weinexperten gebannt zuhörten. Ein sensorisches Bild zur Lage des deutschen Weins vermittelten auch entsprechende Proben.

 

Die Kulturgeschichte des deutschen Weins ließ Deckers unter der Überschrift „Deutscher Wein und deutscher Sang“ mit dem Jahr 1814 beginnen – eine Geschichte von Glanz und Gloria deutschen Weins, in die auch im Jahr 1910 die Gründung des Verbandes Deutscher Naturweinversteigerer, des Vorläufers des heutigen Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP,) fällt. Das war auch die Zeit des Siegeszugs des Rheinweins.

Winzernot und die Krise des Weinbaus zwischen 1914 und 1933 waren dann Thema unter der Schlagzeile „Trinkt deutschen Wein“.

Welch‘ herausragende und bedeutende Rolle Juden im deutschen Weinhandel spielten und ihre schrittweise Verdrängung, machte Deckers in seinem Kapitel über „Neuzeitlichen Weinbau und Nationalsozialismus von 1933 bis 1945“ ebenso deutlich wie bewusst. Jüdische Weinhändler wurden nach 1933 aus allen Ämtern verdrängt. „Damit kam einer der wichtigsten Absatzkanäle für Qualitätsweine zum Erliegen“, so Deckers, der seine Ausführungen durch „genial zusammengetragenes Bild- und Dokumentationsmaterial“ – so eine Studentin – unterstrich.

Deckers verwies dabei beispielhaft auf den Weinhändler Siegmund Loeb aus Trier, der 1938 nach London flüchtete. Gerade für viele Moselaner unter den Zuhörern im Gerd-Erbslöh-Hörsaal waren dies ebenso überraschende wie unbekannte Informationen.

Besonders perfide: Die Ausgrenzung jüdischer Weinhändler erfolgte zunächst schleichend, da die Nationalsozialisten auf die herausragenden Auslandskontakte und Devisen nicht verzichten wollte.

Mit dem Zweiten Weltkrieg kam auch der Weinbau durch Kriegszerstörungen zum Erliegen; erst nach der Währungsreform 1948 begann sich die Situation auch im Weinbau wieder zu normalisieren. Die Zeit bis heute stand dann auch im letzten Teil der Vorlesung „Zwischen Großlage und großer Lage: Zur Lage des deutschen Weins 1945-2014“ im Mittelpunkt von Deckers‘ Ausführungen. Er beleuchtete Veränderungen im Geschmack – zeitweise sei gar eine „Coca Colaisierung“ zu verzeichnen gewesen – ebenso wie die Wandlung des Begriffs „Naturwein“. Deckers unterstrich auch die Bedeutung von Erwein Graf Matuschka Greiffenclau, der sich als VDP-Präsident Ende der 70er Jahre „national und international zu einem Botschafter des deutschen Spitzenweins entwickelte und der Kombination von Wein und Speisen neue Horizonte eröffnete“.

Mit rund 100 Besuchern pro Veranstaltung war die Vorlesungsreihe, die sich auch an Interessierte außerhalb der Hochschule richtete, sehr gut frequentiert. Jeweils drei Weine standen zur Verkostung an, die das Team um Prof. Dr. Randolf Kauer und Diplom-Ingenieurin Ruth Lehnart im Hörsaal ausschenkte. „Es war sehr spannend und interessant, solch‘ besondere Weine in einem historischen Rahmenaus den Schatzkammern großer Weingüter verkosten zu können“, so Ruth Lehnart. Und Kollegin Anne Grimmich vom Geisenheimer Institut für Weiterbildung (GIW) fügt hinzu: „Interessant war, im Zeitraffer durch Deutschlands Weingeschichte geführt zu werden und entsprechende Weine verkosten zu können. Die detaillierte und fundierte Sachkenntnis des Lehrbeauftragten Daniel Deckers war beeindruckend. Bei jeder Veranstaltung war seine Begeisterung für die Weine und ihre Geschichte spürbar. Es wurde nie langweilig, da er es versteht dieses Thema lebendig und anschaulich zu vermitteln. Seine Begeisterung für den deutschen Wein war mit jedem Wort zu spüren.“

 


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