Wenn man das Schloss Freudenberg in Wiesbaden das erste Mal von außen sieht, erscheint es wie eine unscheinbare, früher einmal prachtvolle Villa. Teilrenoviert, aber immer noch ein bisschen heruntergekommen, steht es eingebettet in eine Parklandschaft. Vielleicht trug auch das regnerische, dunkle Winterwetter zu diesem Eindruck bei.

Sinneseindrücke, darum sollte es heute gehen. Eine kleine Gruppe internationaler Studenten hatte sich auf Einladung des Career Service der Hochschule auf den Weg ins Schloss gemacht und wurde gleich danach gefragt, wieviele Sinne der Mensch nun eigentlich habe. Eigentlich eine einfache Frage, doch dann ging es daran, diese Sinne zu erforschen und zu sehen, wie man sie auch ganz unterbewusst einsetzt. Wie verhalten wir uns in uns unbekannten Situationen? Sind wir eher analytisch, neugierig-ausprobierend oder distanziert, wenn uns unbekannte Sachen gegenüberstehen?

Das Innere des Schlosses machte einen sehr interessanten Eindruck. Einige Räumlichkeiten waren renoviert, andere wiederum noch in dem Zustand, in dem das Gebäude sich vor vielen Jahren befand. Mit Absicht, wie der Mitarbeiter, welcher uns durch die unterschiedlichsten Stationen führte, erklärte. Aalglatte, perfekt renovierte Wände würden die Menschen überhaupt nicht wahrnehmen, es ginge immer darum, den Unterschied darzustellen. So wie die Farbe blau sehr unterschiedlich auf uns wirken kann, je nachdem ob sie von gelb, rot, schwarz oder welcher Farbe auch immer umrahmt und eingebettet wird.

Weitere Stationen im Schloss beschäftigten sich mit Klang, Farben und deren Zusammensetzung nach der Goetheschen Farbenlehre, Gleichgewichtssinn und Gruppendynamik und schließlich mit Klang und Geräuschen, die ja im Endeffekt nur aus Bewegung bestehen und welche man sichtbar machen kann. In einem interessannten Experiment mit einem Geigenbogen, einer Metallplatte und Sand wurden aus zufällig angeordneten Sandkörnern symmetrische Figuren, einzig allein durch eine mit dem Geigenbogen erzeugte Schwingung.

Im Keller des Schlosses befindet sich eine Dunkelbar. In absoluter Dunkelheit saßen wir an einem Tresen und versuchten uns Getränke einzuschenken. Es ist gar nicht schwer, wie man sich das vorstellt. Es gab drei Gänge mit unterschiedlichem Essen. Jeder Gang wurde ausführlich analysiert und es war erstaunlich, wie präzise und unerwartet stark die Geschmacksnerven in Abwesenheit anderer dominanter Sinneseindrücke arbeiten und selbst in Kleinstmengen zugegebene Gewürze herausfinden konnten.

Zum Abschluss kletterten wir durch ein Labyrinth, welches mit vielen Hindernissen in absoluter Dunkelheit auch im Keller des Schlosses lag. Vorsichtig sich vorantastend, kamen alle heil am Ausgang an und fuhren entspannt zurück nach Geisenheim.

 


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