Japan ist zumindest hierzulande nicht für seine Weinberge und seine Tradition im Weinbau bekannt. Und trotzdem gibt es an unserer Hochschule einige Studenten aus Japan, die Weinbau studieren. Aus unterschiedlichen Gründen, wie ich im Rahmen eines kurzen Interviews mit zweien von ihnen erfahren konnte.

Für beide ist es nicht das erste Studium und der Weg zum Wein war auch nicht so vorhersehbar, wie es für viele deutsche Kommilitonen der Fall ist. Trotzdem sind sie leidenschaftlich bei der Sache und sehr glücklich mit der Wahl des Studiengangs. Ich traf Yukino Kobayashi(27) und Masato Nagasawa (35) in der Mittagspause zwischen zwei Vorlesungen zum Interview.

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Achim: Hallo Yukino und Masato, ein bisschen provokativ, aber trinkt man in Japan überhaupt Wein?

Yukino: Ja natürlich, nicht so viel wie in Europa, aber es wird in Japan auch Wein angebaut, es gibt dort zwei große Anbaugebiete. Viele Japaner trinken gern die klassischen europäischen Weine. Die Weine sollten aber eher süß sein, dass lieben sie dort.

Wie seid ihr dazu gekommen, Weinbau zu studieren? Ihr habt ja beide eine ganz andere Vorgeschichte.

Masato: Mein Vater hatte einen kleinen 7 ha großen Weinberg, und ich hatte schon als Kind davon geträumt, selber Winzer zu werden. Aber dann habe ich erstmal Kommunikationswissenschaften studiert und auch in der Branche gearbeitet. Schließlich hat die Atomkatastrophe von Fukushima meinen Traum völlig platzen lassen, da unser Weinberg in der Nähe des Kraftwerks liegt und nun verseucht ist. Aber ich habe nicht aufgegeben und Kontakt zu Geisenheim herstellen können und mich dann entschlossen, zusammen mit meiner Frau nach Deutschland zu ziehen und hier Weinbau zu studieren.
Yukino: Ich bin mit 17 alleine nach London gegangen und habe dort Theaterwissenschaften/Special Effects studiert. Während dieser Zeit habe ich als Barfrau gejobbt und bin in Kontakt mit Wein gekommen. Das hat mich so sehr interessiert, dass ich unbedingt weitermachen wollte als Sommelier und auch einen Kurs absolviert habe. In London traf ich dann einen Winzer aus Geisenheim, der mir von der Hochschule erzählte. Ich bin dann erstmal nach Wien gezogen und habe dort Deutsch gelernt und habe danach Praktikum gemacht in einem Weinbetrieb und jetzt bin ich hier. Mir ist die Kombination aus Leidenschaft für Wein mit akademischer Forschung sehr wichtig und ich finde, es ist eine sehr interessante Chance, beides in diesem Studium verbinden zu können. Wein hat auch immer mit Genuss zu tun und daher ist es auch ein lebenslanges Lernen.
Wie war das bei dir, Masato, mit der deutschen Sprache?
Masato: Ich habe in Leipzig einen Deutschkurs gemacht und danach ein Praktikum auf einem Weinbetrieb gemacht. Aber für mich ist es immer noch ein bisschen schwierig, den Vorlesungen zu folgen.
Ab welchem Alter darf man in Japan Wein trinken?
Yukino: Ab 20, denke ich. Als ich aus Japan weggegangen bin, war ich eigentlich noch zu jung zum Trinken (lacht).

Wollt ihr nach dem Studium nach Japan zurückkehren?
Yukino: Ich würde sehr gerne noch ein Praktikum in Ungarn oder Griechenland machen. Aber ich denke ich möchte gerne auch nach dem Studium in Europa bleiben.
Masato: Leider kann ich das Weingut meines Vaters nicht weiter bewirtschaften. Daher bin ich mir noch nicht sicher, ob ich wieder nach Japan möchte. Meiner Frau gefällt es hier auch sehr gut, also müssen wir zusammen überlegen, was wir nach meinem Studium machen.
Wie gefällt euch Geisenheim? War es schwer eine Wohnung zu finden?
Yukino: Ich wohne in Lorch, auf einem Weingut dort habe ich ein Zimmer gefunden. Geisenheim ist für mich sowas wie die „große“ Stadt, es gibt Supermärkte, Apotheken und Kneipen. Ein Kontrast zu meiner Wohnsituation, es gefällt mir aber sehr gut.
Masato: Meine Frau wollte gern nach Wiesbaden ziehen, daher haben wir uns dort eine Wohnung gesucht. Ich komme immer mit dem Zug zur Hochschule, mit dem Semesterticket klappt das ganz gut.
Wie war für Euch die Ankunft in Geisenheim und an der Hochschule?
Yukino: Die Bewerbung fand ich ein bisschen zu kompliziert, aber nachdem ich das geschafft hatte, hat alles sehr gut geklappt. Die Leute hier sind alle total nett, ich war sehr überrascht darüber, wie viel mir geholfen wurde, wenn ich etwas nicht wusste, vor allem durch das International Office.
Masato: Mir haben sie auch geholfen meine Wohnung zu finden, und auch beim Visum. Und jetzt suche ich noch einen weiteren Deutschkurs.
Welchen Wein trinkt ihr gern?
Yukino: Grundsätzlich alles außer Rosé. Rheingauer Riesling gefällt mir gut, vor allem da die unterschiedlichen Jahrgänge alle ihren sehr eigenen Charakter haben. Aber auch andere Weißweine, vor allem auch traditionelle, alte Sorten, habe ich sehr gern.
Masato: Europäische Weißweine, vor allem Riesling und Silvaner, aber kein Chardonnay. Im Gegensatz zu den meisten Japanern trinke ich gerne trockene Weine.
Vielen Dank für das Gespräch! Ich wünsche Euch eine wunderbare Zeit in Geisenheim.


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