Die Hochschule Geisenheim und die Sparda-Bank Hessen präsentieren die Arbeiten aus der „Weinwerkstatt Geisenheim“.

Die Weinwerkstatt Geisenheim hat am Mittwochabend geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erstmals 15 neue Weinmarken vorgestellt, die Studierende der Hochschule Geisenheim in den vergangenen neun Monaten entwickelt haben. Die Marken aus der Weinwerkstatt Geisenheim sind nicht nur studentisches Projekt, sondern ein konkreter Test für die Chancen einer Markteinführung.  Die geladenen Gäste waren daher neben dem Genießen der Weine auch aufgefordert, die Markenkonzepte aus Konsumentensicht zu bewerten.

Mit der Weinwerkstatt setzen die Hochschule Geisenheim und die Sparda-Bank Hessen eG ihre Zusammenarbeit fort, bei der Lehre, Wissensvermittlung, Anwendung und aktive Unternehmensberatung miteinander verschränkt sind. Als Hochschule neuen Typs will man in Geisenheim keinen theoretischen Idealzustand vermitteln, sondern ein Lernen in der Praxis ermöglichen. Die Geisenheimer Weinwerkstatt ist reales Projekt und keine case study. Sie findet auch nicht klassisch im Hörsaal statt, sondern organisiert sich wie ein Projekt in der Realität. Die Studierenden organisieren sich ihre Lehrveranstaltung zum Teil selbst. Mit allen damit verbundenen Nebenwirkungen.

80 Studierende hatten sich für dieses Projekt entschieden. Das zeigt die große Attraktivität dieser Art der Lehre. „Wir haben den Aufwand am Anfang völlig unterschätzt, obwohl uns Professor Göbel gewarnt hat. Aber eine Marke von der ersten Idee bis zur Vorstellung gegenüber Kunden entwickeln zu dürfen, hat mir unglaublich viel gebracht“, fasst ein Teilnehmer seine Eindrücke zusammen.

Der Initiator der Weinwerkstatt, Prof. Dr. Robert Göbel, möchte dabei nicht auf den Zug immer lauterer und bunterer Markenkonzepte aufspringen. Vielmehr sollen die Studierenden lernen, identitätsorientiert zu denken und Marken mit einem einzigartigen persönlichen Kern aufzubauen. „Originelle Namen und fetziges Design sind schnell entworfen. Aber wie schwierig ist es zu beschreiben, was die eigene Identität ausmacht, was unser persönliches Profil beschreibt, was uns einzigartig macht?“

Nur wer weiß, wer er ist, kann auch sagen, wie er wahrgenommen werden möchte, heißt die Leitlinie für die Geisenheimer Weinwerkstatt. Kleine Teams lernen zuallererst eine eigene Identität zu entwickeln und versuchen die Stärke der Einzigartigkeit von Persönlichkeit zu nutzen. Das Markenprofil baut schließlich darauf auf. Und wenn das Markenprofil steht, dann ergeben sich Produktentwicklung, Design und Kommunikation als logische Konsequenzen. Bei der technischen Umsetzung konnte auf professionelle Partner gesetzt werden, denn in Sachen Etikettendruck und Mediengestaltung will man sich von etablierten Weinmarken in Qualität und Auftritt nicht unterscheiden.

Das Ausbildungsziel geht über Markenentwicklung noch hinaus. Die Projektrealität erfordert parallel ein Zeit- und Selbstmanagement, schnelle Entscheidungen, die Integration von Teams und der Umgang mit Konflikten. Ein Teilnehmer fasst es zusammen: „Fortlaufende Entscheidungen im Team und immer den roten Faden im Auge behalten – für viele war das Projekt ein vorweggenommener Praxisschock“. Jan Schindler, selbst Geisenheim-Absolvent und jetzt als Projektkoordinator am Projekt beteiligt: „So eine Verbindung aus wissenschaftlichem Hintergrund und praktischem Arbeiten hätte ich mir für mein Studium gewünscht. Die Mitarbeit in der Weinwerkstatt ist für mich eine tolle Chance.“

Dreh- und Angelpunkt des Projekts waren die teilnehmenden Studierenden der Hochschule Geisenheim auch bei der Abschlussveranstaltung. Planung und Durchführung der Veranstaltung lagen in ihren Händen. Die Verbindung historischer Räume des Frankfurter Römers mit dem Flair junger Weinprofis gab der Veranstaltung eine eigene attraktive Stimmung.

Wirklich schwierig gestaltete sich die Suche nach den Gewinnern aus Sicht der anwesenden Gäste. Denn das Rennen wurde denkbar knapp entschieden. Die Gäste äußersten sich begeistert vom engagierten Auftritt der studentischen Teams. „Eigentlich müssten alle auf das Treppchen“, fasste es ein Gast aus Konsumentensicht zusammen.

In der Gunst der geladenen Gäste konnten sich am Ende drei Marken mit kleinem Vorsprung an die Spitze setzen. „What ELZ“ heißt der Slogan der Titelträger, die die Steillage Elzhofberg an der Mosel mit einem innovativ-modernen Auftritt mit neuem Leben versehen. Dicht dahinter positionierte sich die einzige Sektmarke des Abends „Unique“. Fünf Köpfe stehen hier hinter einem Sekt für einzigartige Anlässe. Auf dem dritten Platz landete der „Native Riesling“. Ein Team, allesamt nicht aus dem Rheingau, stellte gerade diese Region als besondere Heimat für einen heimatverbundenen und bodenständigen Riesling dar.

Für die Sparda-Bank Hessen eG ist das ein ideales Kooperationsprojekt, denn die Erfahrungen, die in diesem Projekt vor dem Hintergrund theoretischer Grundlagen gemacht werden können, sind unmittelbar erfolgsentscheidend in der beruflichen Praxis – vom Weinanbau bis zur Vermarktung.

 


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