Studierendenprojekt „biologischer Anbau und Biodiversität der Rebsorte Riesling in rekultivierten alten Terrassenlagen“ an der Hochschule Geisenheim

2800qm, 14 Terrassen, 17 Studierende, 1600mal Riesling.

In diesem dauerhaft von Studierenden durchgeführten Projekt geht es um die Rekultivierung uralter Weinbau-Terrassen, welche Jahrzehnte lang brach lagen.

Mit jährlichen Versuchen im biologischen Anbau und Kultivierung einer Mischkultur aus verschiedensten Riesling-Formen.

 

Mitte der letzten Dekade begann  Prof. Dr. Hans Schultz seinen Wunsch umzusetzen, die überwucherten Terrassen unter dem Aussichtspunkt „Rammstein“ in Rüdesheim zu rekultivieren. Diese Terrassen wurden von den Winzern, welche die Flächen besaßen, aufgrund ihrer unwirtschaftlichen Strukturierung nicht weiter bewirtschaftet und von den Folgegenerationen vergessen. Die Terrassen liegen in einer exponierten Lage über der Fährpassage von Bingen nach Rüdesheim und sind von einer Felspartie eingerahmt. Durch finanzielle und arbeitstechnische Unterstützung der Hochschule und ihrer Studierenden, sowie der Weingüter „Leitz“ und „Georg Breuer“ in Rüdesheim war es möglich, die Grundsanierung der Terrassen durchzuführen. Im Rahmen des Projektstudiums „Weinbau“ im 4. Fachsemester Weinbau und Oenologie  der Studierenden, konnten die Terrassen daraufhin neu bepflanzt werden. Dabei war es ein besonderes Anliegen, im Gegensatz zu der konventionellen Form des monokulturellen Anbaus, mit nur einer Riesling-Form (einem sog. Klon), eine biologische Vielfalt durch das Pflanzen möglichst vieler verschiedener Riesling-Klone  zu erzielen. Derzeit sind 19 verschiedene Formen gepflanzt. Die Idee war, die jährlich anfallenden Arbeiten im Weinberg innerhalb des Projektstudiums durch studentische Arbeitskraft abzudecken mit dem Ziel, eine eigenständige Weinmarke zu entwickeln. Die Studierenden treffen alle Entscheidungen, welche die Bewirtschaftung des Weinberges betreffen, selbst und lernen somit die Pflege einer ungewöhnlichen Weinbergslage und übernehmen die Verantwortung für das Produkt. Der Wein hat den Namen Krähennest, was sich aus der alten Bezeichnung der Terrassen ableitet. Ziel ist es auch, dass der Erlös aus dem Verkauf des Weines wiederum Studierenden in Form von Stipendien zur Verfügung steht.

Nachdem das Projekt nun seit einigen Jahren im Hochschulprogramm integriert ist, haben nun wir  die Pflege der Terrassen übernommen. Seit Februar 2015 sind wir, 17 Studierende aus verschiedensten Regionen Deutschlands, am Ruder.

Zu Beginn des Projektes mussten wir uns mit dem mageren Böden und den schlecht wachsenden Rebstöcken auseinander setzen. Da wir starken Magnesiummangel im Boden haben wurde nun am 20.05.2015 eine Düngung durchgeführt. Des Weiteren haben wir gegen den kümmerhaften Wuchs der Fläche, die Fruchtruten der Rebe stärker zurück geschnitten als es allgemein üblich ist. Im Vorjahr wurde  ein  Weinertrag von nur 7,5 hl/ha erwirtschaftet, allerdings sind noch nicht alle Terrassen in vollem Ertrag. Zum allgemeinen Verständnis sollte man erwähnen, dass in den umliegenden Lagen selbst in schlechten Jahren mit einem Ertrag von min. 40-50hl/ha zu rechnen ist.

Neben diesen weinbaulichen Aufgaben haben wir uns auch mit der allgemeinen Flora und Fauna in unseren Terrassen auseinandergesetzt. Wir konnten mit Wildkameras Füchse aufnehmen und beweisen, dass der Dachsbau unter einer unserer Terrassen mit mindestens zwei Dachsen bewohnt ist. Die Obstbäume, von denen einige zwischen den verschiedenen Terrassen wachsen, pflegen wir, um eine Nahrungsquelle für die Vögel zu schaffen. Die Terrassenlage war ebenfalls schon Bestandteil von studentischen Arbeiten im Kulturlandschafts- und Naturschutz des Studienprogramms Landschaftsarchitektur.

In diesem Semester haben wir angefangen das Terrassenprojekt erneut zu vergrößern, da zwischenzeitlich auch Nachbarwinzer (in diesem Falle das Weingut Wegeler) Interesse an der Rekultivierung brach liegender Terrassen in unmittelbarer Nähe des Projektweinbergs haben. Eine Studierende, die das „Krähennest“ Projekt vor zwei Jahren absolvierte und für das Weingut arbeitet, treibt diese Erweiterung mit uns zusammen voran.  Die Grundsanierung ist erfolgt, die überwucherte Fläche ist bereits gerodet, eine Bodenprobe durchgeführt und mit verschiedenen Begrünungspflanzen, welche die Fläche auf die Pflanzung im Frühjahr 2016 vorbereiten, eingesät. Am 18.05.2015 haben wir die Fläche grob ausgezeilt, um so eine Diagnose für die Anzahl der Rebstöcke geben zu können und die Wahl der Unterlage zu treffen. Es werden rund 240 Rebstöcke gepflanzt und wir möchten erneut die Vielfalt der Riesling-Klone erweitern und werden uns deshalb in den nächsten zwei Wochen damit beschäftigen, drei neue Klone mit passenden Unterlagen für den Standort auszuwählen.

Dies ist unser fortlaufendes Projekt, welches jährlich weitervererbt wird. Damit wird gewährleistet, dass sich das Projekt immer weiterentwickelt durch die Ideen vieler engagierter Studierender und die Terrassen nie wieder in Vergessenheit geraten.

Aktuelle Infos zum Projekt im Blog: terrassenprojekt.wordpress.com

 


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