Screenshot_2015-11-2_c662154f4b10 Jahre WEINELF Deutschland e.V. – 25. November 2005 – 2015

Die Riesling-Verkostung in der Pfalz musste an diesem trüben Mai-Tag im Jahr 2005 auf mich verzichten. Ich hatte einen viel wichtigeren Termin in München. Norbert Heine, damals Organisator einer Weinmesse im Münchner Olympiastadion, bat mich, für ein besonderes Fußballspiel als Stadionsprecher aktiv zu werden. Die Zusage kam spontan. Doch als ich vor dem Match beim Warmmachen in Halbschuhen mit Rowald Hepp von Schloss Vollrads gegen das runde Leder trat, bedauerte ich, dass ich nachher „nur“ das Mikro bedienen durfte. Doch der eingewachsene Zehennagel behinderte einen möglichen aktiven Auftritt auf dem heiligen Rasen…

Es ist noch vieles frisch in Erinnerung geblieben vom Spiel gegen die Nationalmannschaft der deutschen Spitzenköche und Restaurateure, die damals ein bisschen Show machte und TV-Koch Ralf Zacherl im Auto verspätet auf dem Platz eintreffen ließ. Es half nicht. Am Ende hatte die Elf der deutschen Winzer mit 3:2 die Nase vorn. Torschützen waren der Pfälzer Stephan Knipser, Achim Matti von der Forschungsanstalt Geisenheim (beide nicht mehr aktiv) sowie Philipp Wittmann, der aktuelle Spielführer und Mitglieder der Europameister-Mannschaft von 2014, der sich damals nach seinem Treffer Brust und Bauch etwas ramponierte, weil er waagrecht über den Rasen rutschte.

Da war ein Held des damaligen Spiels gerade wieder auf die Bank zurückgekehrt, die er Mitte der 1. Halbzeit verlassen hatte. Joachim Heger wurde vom Stadionsprecher als „Flankengott vom Kaiserstuhl“ begrüßt. Der Ankündigung wurde er eine Minute später tatsächlich durch eine präzise Flanke vom rechten Flügel gerecht, die beinahe zu einem Tor geführt hätte. Anschließend war er etwas zurückhaltender und erzählt heute noch gern die Geschichte von einem schwebenden Verfahren. Es habe eine Anzeige des Tierschutzvereins gegeben, weil er 20 Minuten auf dem gleichen Regenwurm gestanden hätte…

Dass dem legendären 3:2 von München neun Jahre später ein weiteres legendäres 3:2 folgen sollte, war damals nicht abzusehen. Wohl aber, dass sich auf dem Platz eine Mannschaft aktiv gewesen war, die Gefallen am gemeinsamen Treiben rund ums runde Leder gefunden hatte und dabei viel Teamgeist zeigte. Da traf es sich gut, dass der erste Gegner Monate später Revanche verlangte. Aber erneut zeigte sich die Weinelf treffsicherer (7:3), diesmal in Bad Überkingen. So lag es nahe, dass eine offizielle Vereinsgründung erfolgen musste. Das war am 25. November 2005 in Norbert Heines „Eulenmühle“ in Ingelheim der Fall. Der Gastgeber fand sich bereit, den Vereinsvorsitz zu übernehmen; er amtierte einige Jahre sehr erfolgreich und sorgte dafür, dass die Weinelf Deutschland eine Struktur bekam, von der sie heute noch profitiert. Das unverwechselbare Logo schuf aus diesem Anlass der kreative Erfinder des „Spätlese-Reiters“, Michael Apitz. Heine ist seit einigen Jahren Ehrenpräsident; er fand in Robert Lönarz, Campus-Manager in Geisenheim, einen engagierten Nachfolger. Beide hatten zudem den wichtigen Draht zu Sponsoren geknüpft, ohne die auch im Amateur-Fußball nichts geht.

Die Jahre seit der Gründung vergingen wie im Flug. Die Weinelf spielte mal erfolgreich, mal musste man die Überlegenheit von Gegnern anerkennen und bekam hin und wieder sogar eine gehörige Packung wie ein 1:11 gegen eine austrainierte Mannschaft des Organisationskomitees der Fußballweltmeisterschaft 2006. Besser wurde es mit der Zeit, weil ein Ex-Profi als Trainer (und Aktiver) dafür sorgte, dass System ins Hurra-Spiel kam. Lothar Böhm (früher Werder Bremen) impfte dem Team das 4-2-4 ein, das (meist) brav befolgt wurde. So kam es zum Beispiel nach zwei knappen, etwas unglücklichen Niederlagen gegen Österreich (deren Wein-Team wurde auf Anraten aus Deutschland gegründet) zu einem klaren 4:0 in Wiesbaden (2008). Hier durfte die Weinelf in der eigentlich für den Profi-Fußball reservierten Britta-Arena auflaufen – Dank Torhüter Jürgen Fladung, der beim SV Wehen-Wiesbaden in der Vorstandschaft aktiv ist.

Im Auf und Ab der folgenden Jahre fiel ein 8:1 gegen die „Pepi-Schuller-Allstars“ auf. Das Match war ein Geschenk von Geisenheim-Professorin Monika Christmann an ihren Freund und Kollegen Dr. Josef Schuller, dem Chef der Weinakademie Österreich. Er durfte auch das Ehrentor schießen… Diesem wohltätigen Akt ließ die Weinelf anders geartete Wohltätigkeiten folgen, etwa durch ein Engagement für die Kinderhilfe von Ehrenmitglied Giovane Elber oder Unterstützung für diverse Stiftungen.

2010 kam es zum ersten internationalen Wettstreit mit vier weiteren Ländermannschaften in Italien; das war quasi schon die erste Europameisterschaft. Aber die Weinelf trat mit einem Rumpfteam an und blieb so erfolglos. Ähnlich war es bei der ersten offiziellen EM im Jahr darauf in Ungarn. Die damalige Notelf schlug sich zwar wacker, landete aber trotzdem auf dem sechsten und letzten Platz. Mehrere Erfolge gab es in diesem und in den folgenden Jahren beim Hallenmasters im November. Die Serie riss erst vor wenigen Wochen in Crailsheim mit einem zweiten Platz ab; aber da standen beim Gegner auch einige Ex-Profis auf dem Platz. Dafür schaltete die Weinelf vorher ein eigentlich noch stärker besetztes Team sensationell aus.

Zwischendrin war mal ein Trainerwechsel notwendig geworden. Lothar Böhm musste sich aus gesundheitlichen Gründen verabschieden (unsere Gedanken sind oft bei ihm und seiner Familie). Ihm folgte mit Erich Rutemöller ein namhafter Coach, der heute noch für den DFB aktiv ist und seitdem viel Herzblut in den Weinelf-Job einbrachte. Obwohl ursprünglich Biertrinker, ist er längst beim Wein angekommen und bedauert, dass sein Arbeitgeber DFB ihn immer wieder ausgerechnet an Weinelf-Terminen in ferne Länder schickt.

Fortschritte gab es bei der EM mit einem vierten Platz in Österreich im Jahr 2012. Mehr wäre sicher drin gewesen. Aber ein merkwürdiger Spielplan machte es nötig, dass die Weinelf bei 30 ° Hitze gleich zweimal hintereinander auf den Platz musste, zuerst gegen die Schweiz (4:1 gewonnen), dann gegen Österreich (0:1 verloren). Der Auslosungs-Trick half den Gastgebern nicht, am Ende hatte Slowenien den Titel in der Tasche. Immer wieder Höhepunkte in all den Jahren waren die Spiele gegen den FC Campus Geisenheim im Juni. Die jungen Studenten, die sich zum Ende ihres Studiums formierten, forderten der Weinelf viel ab, aber in der Regel unterlagen sie, so 2013 mit 4:6 und 2014 mit 3:7.

Da hatte die Weinelf ihren bisher größten Erfolg gerade hinter sich. Im Vorfeld dazu erlebte der Berichterstatter ein Spiel in Salgesch (Wallis) gegen die Schweiz mit, das 2:0 gewonnen wurde. Auf dem Platz stand das halbe Team der „Spätlese“ (diese Senioren-Truppe hatte sich im Lauf der Zeit herausgebildet, weil immer mehr junge Kicker nachrückten und damit die Spielstärke deutlich erhöhten). Bei der Anreise führte die Fahrt an Bern vorbei, wo 60 Jahre zuvor ein Fußball-Wunder gefeiert wurde. Der Gedanke daran sollte Symbol-Charakter haben. Es war irgendwie selbstverständlich, dass vier Wochen später bei der EM gegen Ungarn das Endspiel bestritten und 3:2 gewonnen wurde – wie 1954. Der Schütze des Siegestores, Fabian Schmidt aus Oberrotweil, hat seitdem einen zweiten Namen: Helmut Rahn…

Ausruhen auf diesem Erfolg war nicht im Sinn der Weinelf. Es gab im Jahr 2015 einige bemerkenswerte Spiele wie ein 6:1 in einem Heim-Länderspiel gegen das Team von Slowenien, ein unglückliches 0:2 der „Spätlese“ gegen den Deutschen Bundestag in Berlin sowie ein 2:2 gegen die Allstars von Mainz 05, die überrascht waren von der Spielstärke der Weinmannschaft. Bei einigen der Spiele coachte unser „Zweitrainer“ Friedel Müller, der auch das Trainingslager im März in der Pfalz geleitet hatte. Er war ebenso schnell in das Team integriert wie die diversen jungen Spieler, die neu dazu kamen und sich mit den Senioren bestens arrangierten. Und so allmählich entsteht neben den „Weinelfen“ (den besseren Hälften einiger Kicker) sogar ein aktives Frauen-Team. Tanja Baumann feierte ihr Debüt beim letzten Hallenturnier in Crailsheim. Außerdem mit dabei sind zwei gekrönte Häupter, nämlich Josefine Schlumberger (Deutsche Weinkönigin) und Katharina Fladung (Deutsche Weinprinzessin), die beide in Geisenheim studierten und von Weinelf-Präsident Robert Lönarz „angeworben“ wurden.

Rudi Knoll


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