Nach zehn Jahren WEINELF ist Maximilian Stigler wieder bereit für ein Spiel auf Bundesligarasen

Maximilian Stigler glaubt an die Titelverteidigung

In die WEINELF kam Maximilian Stigler wie die Jungfrau zum Kinde, sagt er. Und wie damals bei der Jungfrauengeburt waren auch bei Stiglers Debüt in der Nationalmannschaft der Winzer nicht gerade viele Zuschauer vor Ort. „Wir haben zwar im Münchner Olympiastadion gespielt, aber da waren nur fünfzig, maximal hundert Zuschauer“, erinnert sich der 28-Jährige. Das Spiel gegen Österreich wollten 2006 nur die Angehörigen der Kicker sehen – wie auch Stigler selbst, der eigentlich nur als Fan seines Vaters dabei war.

„Ich hatte meine Fußballsachen dabei, weil ich gehofft habe, ich könne beim Warmmachen ein bisschen mitkicken“, erzählt er. „Einmal auf dem Rasen des Olympiastadions stehen – das wär‘ ja was.“ Aus dem Mitkicken wurde für den Winzersohn vom Kaiserstuhl, der heute an der Hochschule Geisenheim im 6. Semester Weinbau & Oenologie studiert, aber ein spontaner Startelfeinsatz bei der WEINELF; zu viele Spieler waren ausgefallen. „Ich bin dann im Trikot von Edmund Diesler als Feldspieler aufgelaufen, obwohl ich ja eigentlich Torwart bin. Es war eine riesen Gaudi!“

Qualität auf dem Platz – und im Studium

Dass er bei der anstehenden Europameisterschaft der Winzer nicht mehr in Sturm oder Mittelfeld Gaudi machen darf, liegt an den gewachsenen Qualitätsansprüchen innerhalb der WEINELF. „Der sportliche Ehrgeiz im Team wächst. Gleichzeitig wollen wir uns keine Mannschaft aus Halbprofis zusammencasten. Das Wichtigste ist nach wie vor der weinbauliche Hintergrund“, betont Stigler. Deshalb muss heute jeder da spielen, wo er die beste Leistung bringt.

Maximilian Stigler hält die Kugel fest.Eine gesunde Mischung aus Gaudi und Leistung ist auch das Studium von Stigler an der Hochschule Geisenheim. „Das Studentenleben macht Spaß und es gibt im Rheingau mitunter legendäre WG-Parties“, erzählt der 28-Jährige. Was ihn nach Hessen verschlagen hat? „Geisenheim ist einfach DIE Adresse für Weinbauer“, findet Stigler. „Ich bekomme im Studium einen guten Blick für das gesamte Spektrum, bin mit Biologie und Chemie in der Theorie breit aufgestellt. Genauso wichtig ist es aber, dass man in den Praxismodulen mal raus kommt aus dem Hörsaal.“

„Der Zusammenhalt ist erstaunlich“

Für ihn, der nach Abschluss des Studiums in 6. Generation das Weingut seiner Familie weiterführen will, ist es wichtig „alles zu haben“. Betriebswirtschaftslehre, Kellerwirtschaft, Marketing: Kein Aspekt wird in Geisenheim vergessen. „Dazu kommt, dass die Dozenten auf dem Campus immer erreichbar sind und man viel Unterstützung erfährt.“ Für sein Berufspraktisches Semester geht Stigler im Sommer dann in die Schweiz. „Die Sorten dort sind denen bei uns am Kaiserstuhl sehr ähnlich. Das Unternehmen, das ich mir ausgesucht habe, bietet eine kleine Struktur, ein hohes Qualitätsniveau und hervorragendes Marketing – da kann ich nochmal Einiges lernen.“

Sollte es bei der Europameisterschaft der Winzer, die vom 26. bis 28. Mai im Rheingau stattfindet, zum Aufeinandertreffen mit der Schweiz kommen, will Stigler den Eidgenossen aber trotzdem nichts schenken. „Wir haben zwar das letzte Turnier gewonnen, aber gerade die Schweizer haben mächtig aufgerüstet. Da müssen wir aufpassen“, weiß der Torwart. Die Chancen auf die Titelverteidigung stehen seiner Einschätzung nach trotzdem gut: „Wir sind als Mannschaft einfach stark. Der Zusammenhalt zwischen den Arrivierten und den Nachwuchskräften ist erstaunlich und unser Ass im Ärmel.“ Und beschert dem 28-Jährigen nach zehn Jahren hoffentlich das Endspiel in der Mainzer CofaceArena und damit endlich wieder ein Spiel in einem großen Bundesligastadion – und zwar mit deutlich mehr Zuschauern als 2006.


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