Hochschule Geisenheim startet zweiwöchigen Deutsch-Intensivkurs für FlüchtlingeSprachkurs-der-Hochschule-Geisenheim-Titel © Hochschule Geisenheim, Winfried Schönbach

Was hat Deutschland, was Syrien nicht hat? „Hier gibt es anderes Essen und viele Gemüsesorten, die ich bisher nicht kannte“, erzählt der 16-jährige Ahmed Al Shawakh. „Es ist kalt“, sagt seine Schwester Enas. „Und im Sommer regnet es nur“, ergänzt wiederum Ahmed. „In Deutschland gibt es Wald, in Syrien viel mehr Wüste.“ Ahmed und Enas sind zwei von 16 Flüchtlingen, die seit Montag am kostenlosen Deutsch-Intensivkurs des Sprachenzentrums der Hochschule Geisenheim teilnehmen. Neben dem Sprachenzentrum beteiligt sich auch das Projekt „Geisenheim international – study&more“, das aus Mitteln des Landes Hessen und des Europäischen Sozialfonds gefördert wird, über die Bereitstellung der Lehrbücher an der Finanzierung des Kurses.

Das Studium beenden, einen Beruf ergreifen, sich in der fremden Umgebung einleben: Für Flüchtlinge ist der Erwerb der deutschen Sprache zentraler Baustein für die Integration in ihrer neuen Heimat. Das Sprachenzentrum unterstützt diese Integration deshalb mit dem kostenlosen Sprachkurs für studierwillige Flüchtlinge. „Mit diesem Angebot wollen wir als wissenschaftliche Lehr- und Forschungseinrichtung den Grundstein dafür legen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Zugang zu einer akademischen Ausbildung erhalten – und ihnen langfristig bessere Berufsperspektiven eröffnen“, so Vize-Präsident Prof. Dr. Otmar Löhnertz.

Sprachkurs-der-Hochschule-Geisenheim © Hochschule Geisenheim, Winfried SchönbachDie Flüchtlinge, die mehrheitlich aus Syrien, Afghanistan und Kurdistan stammen, lernen vier Stunden täglich die deutsche Grammatik und Sprache von Grund auf. „Wir müssen Deutsch lernen, um hier zu überleben“, sagt Ahmed. Er ist mit seiner Mutter und drei Geschwistern aus dem syrischen Kriegsgebiet geflohen und vor acht Monaten im Rheingau angekommen. Mit seiner Teilnahme am Deutsch-Intensivkurs will er sich auf einen Schulabschluss und ein mögliches Studium vorbereiten: „Ich will Arzt werden.“ Seine große Schwester Enas möchte mit verbesserten Sprachkenntnissen ihr in Syrien begonnenes Studium der Ingenieurwissenschaften abschließen.

Bisher haben die meisten Flüchtlinge in Geisenheim und Umgebung Deutsch im Internet gelernt. „Mit strukturiertem Unterricht und den entsprechenden Materialien sorgen wir dafür, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Sätze nicht einfach nur auswendig lernen. Wir versetzen sie in die Lage, die Sprache wirklich zu verstehen“, erläutert Kursleiterin Agi Meisl-Faust. Die Flüchtlinge der Region haben an der Hochschule Geisenheim neben der Teilnahme am Sprachkurs auch die Möglichkeit, die Angebote der Bibliothek – in erster Linie deutsche und fremdsprachige Fachliteratur – kostenlos zu nutzen.

Ahmed und Enas freuen sich über den Deutsch-Kurs und sogar ein bisschen über die Hausaufgaben. „Wir wollen für immer in Deutschland bleiben“, sagt Ahmed. „Die Deutschen sind sehr nett und haben immer ein Lächeln im Gesicht.“


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