Halbzeit in Lincoln. Ich habe nicht schlecht gestaunt als ich dieses Frühjahr erfahren habe, der einzige Bewerber um einen Studienplatz an der Lincoln University zu sein. Zugegeben, ich habe mich darüber gefreut. Aber ich hoffe doch sehr, dass in Zukunft wieder mehr Geisenheimer diese einzigartige Chance nutzen. Falls Du jetzt grade mit dem Gedanken spielst, dann kann Dich vielleicht mein kleiner Zwischenbericht überzeugen nach Neuseeland zu kommen.

Ich habe schon Halbzeit in Down Under und kann kaum glauben wie schnell die Zeit seit meiner Ankunft vergangen ist. Die Ankunft. Bei dem Gedanken an meinen holprigen Start muss ich grinsen, auch wenn der Verlust meines Koffers durch die Fluggesellschaft eigentlich nicht besonders amüsant war. Ja, verloren, wahrscheinlich sogar gestohlen. Immerhin konnte ich mich so direkt von der ausgesprochenen Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Kiwis überzeugen. Ohne dass ich danach fragte, wurde mir von Kommilitonen und Angestellten der Lincoln University gleich nach dem Empfang mit allem Lebenswichtigen ausgeholfen. Daumen hoch!

Der Campus ist natürlich größer als der in Geisenheim, umgeben von Farmland und nicht weit entfernt von der Kleinstadt Lincoln. Die Auswirkungen des letzten großen Erdbebens sind noch immer allgegenwärtig und ganze Stadtteile in Christchurch warten auf ihren Abriss. Aber das im ersten Moment so erschreckende, wird irgendwann zum Alltag und nun mit neuseeländischen Optimismus gehandhabt. So sind nach dem Neustart die renovierten oder ersetzten Universitätsgebäude oft besser ausgerüstet als jemals zuvor. Die meisten Studenten leben auf dem Campus, getrennt nach Verpflegungsstufen (Vollverpflegung, Abendessen in der Kantine oder Selbstverpflegung) und Alter. Mein Quartier befindet sich in „The Crescent“, einer Siedlung aus kleinen Bungalows für je vier Personen und Selbstverpflegung. Die Einrichtung spartanisch, schlechte Isolierung und den Flair einer Holzfällerhütte, mir taugts!

In der ersten Woche sind die internationalen Studenten noch unter sich und erkunden zusammen die nahegelegenen Attraktionen wie thermale Quellen, Christchurch, Hafenstädtchen, Pubs, Partys, Wasserfälle und Wanderwege. Das schweißte zusammen. Schnell war eine Gruppe aus knapp 20 abenteuerlustigen Studenten geformt und fast jedes Wochenende unternehmen wir gemeinsame Touren. Aber die anfängliche Urlaubsstimmung fand bei vielen ein schnelles Ende, denn abhängig von den gewählten Modulen raucht in der Woche ganz schön der Kopf und man verbringt viel Zeit in der Bib um Ausarbeitungen zu schreiben. Das Niveau ist adäquat, die Kontaktzeit eher gering und der Arbeitsaufwand für uns Nicht-Muttersprachler deutlich höher. Der benötigte Arbeitsaufwand fällt natürlich ganz individuell aus und sollte eh kein Hindernis für ein Auslandssemester sein. Das Wochenende ist definitiv heilig und will gut geplant sein.

Mein Feedback für ein Auslandssemester an der Lincoln University fällt bisher also durchweg positiv aus. Die Universität ist voll auf internationale Studenten ausgerichtet und bietet ein vielfältiges Angebot in jeder Hinsicht. Alle Module sind frei wählbar, gespickt mit namhaften Dozenten und interessanten Inhalten. Die Atmosphäre auf dem Campus ist freundlich, entspannt und persönlich. Das Leben abseits der Uni kann in jedem Bereich punkten und wer die Natur liebt, der kommt hier eh voll auf seine Kosten. Also, machen!

Björn Schmitz, Gartenbauwissenschaften (M.Sc.), 2. Semester

 


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