Zwei junge Georgier wollen nach ihrem Studium im Rheingau zuhause durchstarten

Nikoloz Batiashvili (links) und Grigol Bekoshvili an der Agrar Universität in Tiflis.

Nikoloz Batiashvili (links) und Grigol Bekoshvili an der Agrar Universität in Tiflis.

Tausende Kilometer von ihrer Heimat Tiflis entfernt, in Geisenheim, studierenauch zwei junge, georgische Weinliebhaber. Für den Schritt in den Rheingau haben sie sich entschieden, weil sie die Hochschule Geisenheim als eines der besten Ausbildungszentren für Internationale Weinwirtschaft sowie Weinbau & Oenologie kennengelernt haben; gerade die vielfältige Forschungsarbeit hat sie überzeugt. Seit drei Jahren sind sie nun Teil der Geisenheimer Familie und verfolgen konsequent ihre Geschäftsidee: Mit deutschem Know-how in der georgischen Weinindustrie neue Ansätze schaffen.

„Es ist gut, wenn man einen soliden Beruf ergreift – aber noch besser, wenn man seine Berufung gefunden hat, der man mit Leidenschaft nachgeht“, sagt Grigol Bekoshvili. Der 23-Jährige studiert an der Hochschule Geisenheim Internationale Weinwirtschaft. Von einem deutschen Freund hatte er erfahren, dass es die Hochschule Geisenheim und dort diesen Studiengang, der in Georgien nirgends gelehrt wird, gibt. Er informierte sich und schrieb sich ein. „Ich war mir gleich sicher: Das ist das Richtige für mich“, erzählt er.

Deutsch hat Bekoshvili in der Schule gelernt, seinen ersten Wein vom europäischen Festland bei seinen deutschen Freunden getrunken. Seitdem ist viel Zeit vergangen: Während seines bisherigen Studiums hat der junge Georgier viele Anbaugebiete in unterschiedlichen Ländern besuchen und noch mehr Weine aus der gesamten Weinwelt probieren dürfen; seine Nummer 1 unter den Weinen ist und bleibt aber der Deutsche Spätburgunder.

Seinen zukünftigen Geschäftspartner lernte Bekoshvili trotzdem nicht bei einem Gläschen Wein, sondern auf einer Party bei einer Flasche Bier kennen. Von seinem Vorhaben konnte er Nikoloz Batiashvili, der heute in Geisenheim Weinbau & Oenologie studiert, sofort überzeugen. Bevor er nach Geisenheim kam, hatte Batiashvili seinen Abschluss als Agraringenieur an der Georgische Universität für Agrarwissenschaft in Tiflis erworben. Ein Master-Stipendium wurde ihm nach der Reformierung der Universität wieder aberkannt – die Studienkosten von rund 1.000 Euro jährlich konnte der junge Mann nicht tragen.

Hohe Qualität und eine langfristige Marketingstrategie

Aber Batiashvili hatte Glück im Unglück und wurde kurze Zeit später für ein Austauschprogramm ausgewählt. Sechs Monate verbrachte er mit theoretischer und praktischer Lehre in Weihenstephan. Auf freiwilliger Basis schloss er daran ein einjähriges Praktikum bei einem Biowinzer an der Nahe an, wo er nicht nur seine Kenntnisse im Weinbau, sondern auch seine Deutschkenntnisse verbesserte – optimale Voraussetzungen also für das Weinbau-Studium in Geisenheim.

„Dadurch, dass wir beide unterschiedliche Studiengänge besuchen, ergänzen wir uns fachlich sehr gut“, sagen die zwei – und wollen mit ihrem Geisenheimer Know-how in der georgischen Weinindustrie neue Ansätze schaffen. Ihr Ziel ist es, außergewöhnliche, hochqualitative Qvevri-Weine herzustellen. Diese trockenen Weine werden traditionell in einem Tongefäß, der Qvevri, ausgebaut. „Im gesättigten Weinmarkt bieten hohe Qualität und eine langfristige Marketingstrategie die einzige Möglichkeit, Wein gut zu positionieren. Und dafür ist der Qvevri-Wein am besten geeignet“, erläutern die zwei Georgier.

„Dabei darf man Qvevri-Weine nicht mit einfach hergestellten Natural-Weinen verwechseln. Qvevri ist vielmehr ein unendliches Betätigungsfeld, auf dem wir viel experimentieren können“, betont Bekoshvili. Die Weinqualität aber lege er in die Hände seines Geschäftspartners. „Das ist seine Vision. Ich werde langfristige Marketingstrategien entwickeln und die Vernetzung mit der Weinwirtschaft vorantreiben. Denn Weinwirtschaft heißt nicht nur, den Wein zu verkaufen – das Arbeitsgebiet umfasst deutlich mehr als das“, sagt der 23-Jährige, der sich selbst als Geisenheimer bezeichnet.

Absatz und Vermarktung in ganz Europa

Bevor sie allerdings in die georgische Weinindustrie einsteigen, wollen die zwei Weinliebhaber zunächst ihr Studium an der Hochschule Geisenheim abschließen. „Wir sollten nicht vorschnell agieren und keine übereilten Entscheidungen treffen. Das ist die falsche Strategie, wenn wir in zwei oder drei Jahren die Früchte unserer Arbeit ernten wollen. Um unser Ziel zu erreichen, haben wir fünf Jahre angesetzt. Den Weg dahin gehen wir Schritt für Schritt. Alles wird exakt geplant und strategisch abgewickelt“, erläutert das Duo. Auch über die Finanzierung haben sich die beiden schon Gedanken gemacht. Einsteigen wollen sie mit Eigenkapital, zudem werden sie sich um Unterstützung aus einer Vielzahl von Agrar-Programmen bewerben. Genauso wichtig ist den beiden Georgiern das Netzwerk innerhalb der Branche: Bald laden sie Freunde und Gäste aus Deutschland und Österreich nach Georgien ein, die sich für das Konzept der Qvevri-Weine interessieren. Außerdem pflegen sie fleißig ihre Kontakte zu deutschen Winzern, die Weintourismus, Vinotheken und Kellerwirtschaft betreiben.

„Wenn wir qualitativ hochwertige Qvevri-Weine herstellen, wird es für uns einfacher, diese außergewöhnlichen Weine in europäischen Vinotheken zu verkaufen“, sagt Weinbauer Batiashvili, der sich wohl bewusst ist, dass das Produkt nur mit besonderem Namen, einer entsprechenden Corporate Identity und der passenden Verpackung ein Erfolg werden kann. In Russland, eigentlich Exportland Nummer 1 für georgische Weine, wollen die beiden ihren Wein aber nicht anbieten: Der russische Markt sei noch nicht bereit für trockene Weine mit hohem Anteil an Tanninen.

Der erste Schritt beginnt mit zwei Hektar Weinberg

Im Sommersemester 2016 absolvierten Batiashvili und Bekoshvili ein Austauschsemester – an der Agrar-Universität in ihrer Heimatstadt Tiflis. Dort lernen sie die Eigenheiten des georgischen Weinbaus kennen, besichtigen Vinotheken und verschiedene Familienweingüter. Sie verkosten neue georgische Weine und knüpfen auch in der alten Heimat wichtige Kontakte. Zugute kommt ihnen dabei – so sagen sie – die praktische Erfahrung, die sie an der Hochschule Geisenheim gemacht haben und das Renommee, das die Institution im Ausland genießt.

Bevor sie aber ihren eigenen Wein an- und ausbauen können, müssen die beiden jeweils noch ein dreimonatiges Praktikum absolvieren und ihre Bachelor-Arbeit einreichen. Für sein Praktikum zieht es Batiashvili nach Österreich, Bekoshvili wird seine Praxisphase bei einem Biowinzer in der Nähe von Freiburg ableisten. Und erst mit dem deutschen, international anerkannten Abschluss in der Tasche kehren der Weinbauer und der Weinwirtschaftler zurück nach Georgien, um das zu tun, was ihnen am meisten Spaß macht: Wein. Beginnen wollen sie mit dem ersten Schritt, auf dem zwei Hektar großen Weinberg von Nikoloz Batiashvili.


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