Symposium Historische Rebsorten lockt zahlreiche Besucher an unsere Hochschule

symposium-historische-rebsorten-ein-weg-in-die-zukunft_-50777-print

Das Institut für Rebenzüchtung, der Verein zur Förderung des Historischen Weinbaus im Rheingau e.V. und die Gruppe ´Slow Food Rheingau´ hatten am vergangenen Freitag zum Symposium Historische Rebsorten eingeladen um alte Rebsorten wie Gelber Orleans und Heunisch aus dem Schattendasein in der Weinwelt hervorzuheben. Fachleuten sei längst klar, dass der Klimawandel auch den Weinbau zunehmend unter Druck setze. An unserer Hochschule diskutierten Winzer und Weinbau-Fachleute die spannende Frage, ob historische Reb­sorten die Biodiversität im Weinbau wieder erhöhen. Unser Präsident, Prof. Dr. Hans Reiner Schultz begrüßte die mehr als 200 Gäste des Symposiums, welches durch Prof. Dr. Leo Gros moderiert und im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Hessen von der Hessenagentur geför­dert wurde.

„In einer Zukunft geprägt von Wetterextremen können historische Rebsorten eine Grundlage für eine gesunde Zukunft des Weinbaus in Hessen bieten. Denn manch eine alte Sorte ist widerstandsfähiger und kann mit extremen Bedingungen besser umgehen als moderne, auf Effizienz gezüchtete, Rebsorten. Jedenfalls liegt hier ein großes Potential, das es zu erhalten und auszubauen gilt“, mit diesen Worten beschrieb Dr. Beatrix Tappeser, Staatssekretärin im hessischen Umweltministerium, in ihrem Grußwort zum Symposium „Historische Rebsorten“ den aktuellen Stand zur Erhaltung und zum Anbau alter Sorten in Hessen.

Die Genforscherin Dr. Erika Maul referierte über die Sicherung genetischer Ressourcen als gesellschaftliche Aufgabe und ging auf die Zusammenarbeit zwischen Genbanken sowie die Sammlung und Nutzung alter Rebsorten ein. Der renommierte Wein­autor Kai Wagner sprach über die Er­fahrungen mit dem „Alten Fränkischen Satz“ und stellte auch die Frage, „ob historische Rebsorten überhaupt eine Chance haben, denn sie seien ja nicht ohne Grund verschwunden“. Was die Verbraucher davon haben, erläuterte Prof. Dr. Ulrich Ste­ger. „Der Kunde sucht das Besondere, aber es darf nicht zu exotisch sein“, erläuterte er. „Wichtig sei, eine Brücke zu schlagen“, so Steger. Und auch die Winzer kamen zu Wort: Mit dem Betriebsleiter des Weinguts Georg Breuer, Hermann Schmoranz und Frederik Freiherr zu Knyphausen stellten sich zwei Pioniere aus dem Rheingau der Diskussion. Der ehemalige, langjährige Leiter des Weinbauamtes, Dr. Andreas Booß, stellte die Überlegungen zu einer Dach­marke „Rheingauer gemischter Satz“ vor.

Bei allem Verständnis für das Bemühen um eine Profilierung der Anbaugebiete und ihrer Weinbaubetriebe im wettbewerbsgeprägten globalisierten Markt über einzelne Rebsorten wie den Riesling oder Spätburgunder dürfe die Erhaltung der genetischen Vielfalt nicht vernachlässigt werden, sagte die Staatsekretärin. Ihre Förderung sei ein wichtiges Ziel der Hessischen Biodiversitätsstrategie, die wiederum das nachhaltige und ressourcenschonende Wirtschaften in Hessen befördern soll.

Als ein gelungenes Beispiel für die Erhaltung der genetischen Ressourcen durch eine historische Rebsorte in Verbindung mit dem wirtschaftlichen Nutzen für die Weinbaubetriebe und dem Genuss der Verbraucher könne der wiederbelebte Anbau des Roten Rieslings gelten, erklärte Tappeser. Diese Rebsorte werde mittlerweile auf fast 30 Hektar wieder in Hessen angebaut. Historische Rebsorten nachhaltig zu schützen, indem die erzeugten Trauben zu Wein verarbeitet dem Verbraucher schmackhaft gemacht werden, zeige, dass sich der ökologische Anspruch auch mit wirtschaftlichem Nutzen verbinden lasse, so die Staatssekretärin. Sie wünschte dem „Netzwerk Historischer Weinbau im Rheingau“, in dem sich zahlreiche Unterstützer zum Erhalt der historischen Rebsorten zusammengefunden haben, weiterhin ein gutes Gelingen, einen erfolgreichen Anbau und auch ein entsprechendes wertschätzendes Interesse der Verbraucher. Im Anschluss an das Symposium gab es eine interessante Weinprobe mit über 30 Weinen aus histori­schen Rebsorten der Weinanbaugebiete Rheingau, Franken, Baden, Hessische Bergstraße, Mosel, Nahe, Pfalz und Württemberg. Hier konnten die Besucher unter anderem auch Wein aus einem „Alten Fränkischen Satz“ probieren und die extraktreichen Weine alter Reben schmecken.

Die Gäste sowie die Veranstalter freuten sich über die sehr gut besuchte Veranstaltung und das große Interesse an den historischen Rebsorten. Denn, wie Tappeser erklärte, ist „biologische Vielfalt Lebensgrundlage für uns alle“ und diese Sortenvielfalt gilt es für künftige Generationen zu erhalten.

symposium-historische-rebsorten-ein-weg-in-die-zukunft_-50772-print  symposium-historische-rebsorten-ein-weg-in-die-zukunft_-50790-print  symposium-historische-rebsorten-ein-weg-in-die-zukunft_-50797-print


Keine Kommentare möglich.