Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Bildung diskutieren an der Hochschule Geisenheim die Themen Fachkräftebedarf und Bildungsmigration

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Mehr als ein Drittel der Beschäftigten der Weinbranche und knapp 22 Prozent der Erwerbstätigen im Bereich Gartenbau sind heute über 55 Jahre alt – ihr Eintritt in den Ruhestand steht kurz bevor. Es ist also Zeit, darüber nachzudenken, wie die Lücke, die sie hinterlassen, gefüllt werden kann. In den MINT-Berufen sind die Auswirkungen des demografischen Wandels bereits deutlich spürbar: Seit 2012 gibt es in den Unternehmen einen deutlich größeren Zuwachs unter ausländischen als unter deutschen MINT-Experten. Ein Weckruf auch für andere Branchen – und Anlass für die Hochschule Geisenheim, im Rahmen ihrer Initiative „Study&Work“ Vertreter von Verbänden und Behörden, aus Wirtschaft sowie Regional- und Landespolitik zum Gespräch über den demografischen Wandel, Fachkräftebedarf und Bildungsmigration einzuladen.

Der Runde Tisch unter dem Titel „Internationale Studierende – Unsere Arbeitskräfte von morgen?“ lieferte am Donnerstag, 3. November 2016, Denkanstöße zu den Themen Aufenthalts- und Arbeitsrecht für internationale Studierende und Erwerbstätige, Bleibemotivation sowie fachliche, sprachliche und kulturelle Qualifikation von Fachkräften, die aus Ländern außerhalb der EU stammen.

„Dieser Runde Tisch ist Ausgangspunkt für den Aufbau eines Netzwerks, in dem wir gemeinsam mit unseren Partnern dafür sorgen wollen, dass hochtalentierte ausländische Absolventen unserer Hochschule dem deutschen Arbeitsmarkt als Fachkräfte erhalten bleiben“, so Prof. Dr. Otmar Löhnertz, Vizepräsident Lehre der Hochschule Geisenheim. Die Hochschule ist Mitglied eines deutschlandweiten Netzwerks von Universitäten und Hochschulen, die branchenübergreifend internationale Talente beim Übergang in den Arbeitsmarkt fördern. Schon heute sorgt sie mit Praktika und vielfältigen Angeboten wie einem Job Shadowing dafür, dass die Studierenden früh Kontakt zu Unternehmen knüpfen können. Zukünftig will Löhnertz das Augenmerk zudem vermehrt auf die Vermittlung von Kenntnissen der deutschen Sprache legen.

Referent Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter des Kompetenzfelds Bildung, Zuwanderung und Innovation am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, verdeutlichte vor dem Hintergrund aktueller Studien den Handlungsbedarf: „Nicht allein die Überalterung ist das Problem. Auch durch die Internationalisierung von Wertschöpfung und Vertrieb sowie den Einsatz neuer Technologien wird die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften weiter steigen. Beschäftigungswachstum kann nur durch Zuwanderung erreicht werden; der Königsweg ist dabei die Zuwanderung über Hochschulen.“ Denn: Ausländer mit dem Abschluss von einer deutschen Hochschule haben auf dem Arbeitsmarkt deutlich bessere Chancen als solche, die den Abschluss im Heimatland erworben haben – und sie haben eine bessere Bleibeperspektive.

Die Teilnehmer des Runden Tisches – Vertreter von Verbänden wie dem Deutschen Weinbauverband, der Agentur für Arbeit Wiesbaden, des Hessischen Ministeriums für Soziales sowie der IHK Wiesbaden, der Hochschulstadt Geisenheim und verschiedener Unternehmen – wollen gemeinsam mit der Hochschule im nächsten Schritt Arbeitsgruppen gründen. Mögliche Schwerpunkte sind dabei die Information und Beratung von Unternehmen rund um das Thema Rekrutierung von internationalen Studierenden sowie die passgenaue Vermittlung von ausländischen Praktikanten und Absolventen.

Wer sich für die Ergebnisse des Runden Tischs oder die Teilnahme am Netzwerk interessiert, bekommt alle Informationen und die Einladung zu den nächsten Terminen von Angela Diermeyer, Projektkoordinatorin „Study&Work“ an der Hochschule Geisenheim, unter Angela.Diermeyer@hs-gm.de oder 06722 502 626.


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