Ein Erfahrungsbericht von Weinbau-Student Manuel Nolte

uc-davis-campus-quarter-eroeffnung

Liebe Geisenheim Community,

Greetings from California! Ich heiße Manuel und habe 2013 mit Weinbau & Oenologie in Geisenheim begonnen. Anfang diesen Jahres in meinem letzten Geisenheimer Semester hat sich für mich die wunderbare Möglichkeit eröffnet an der University of California Davis zu studieren. Die von dem Ex-Geisenheimer Carl Hermann Flossfeder gegründete Stiftung vergibt seit 1996 Stipendien für das Studium am Robert Mondavi Institute for Wine and Food Science der UC Davis an Geisenheimer Absolventen. Nach einem langwierigen Auswahlverfahren, den allbekannten Visum-Querelen und großer Vorfreude, ging es für mich Anfang September nach Kalifornien.

Davis ist eine typisch amerikanische Unikleinstadt mit ca. 60.000 Einwohnern, wovon mehr als die Hälfte Studenten sind. Der UCD Campus wurde 1905 als Fachbereich für Agrarforschung der UC Berkeley gegründet und hat sich im Lauf der Zeit zu einer eigenständigen Volluniversität entwickelt. Im Sacramento Valley gelegen, ist die direkte Umgebung von Davis vor allem durch Flächenlandwirtschaft geprägt. Doch in nur 1.5 Stunden Autofahrt finden sich Orte, die nicht kontrastreicher sein könnten: San Francisco, die Sierra Nevada, die Pazifikküste, die berühmten Weinbaugebiete Napa und Sonoma usw.

Dank meines Mitbewohners Constantin, der selbst vor einigen Jahren mit dem Flossfeder-Stipendium von Geisenheim nach Davis kam und nun hier promoviert, wurde mein Start in vielerlei Hinsicht erleichtert. Zunächst galt es eine passende Kursauswahl zu treffen. Leichter gesagt als getan, bei einer riesigen Modulauswahl und so ungewöhnlichen Kursen wie: Meat-Lab (Metzgerkurs), Field Equipment Welding (Schweißkurs) oder Field Equipment Operations (Schlepperfahrkurs)… Das amerikanische Lehrsystem unterscheidet sich in einigen Punkten vom Geisenheimer Modell. Es wird insgesamt ein höheres methodisches Niveau gefordert und wöchentliche Hausaufgaben, Laborberichte und Klausuren lassen keine Zeit für Langeweile. Durch die konstante Mitarbeit fällt dafür nicht alle Arbeit auf das Quartalsende und es bleibt meines Erachtens mehr vom Erlernten hängen.

mastergruppe-2018-davis

Rückblickend fällt mir an Geisenheim positiv auf, dass aufgrund der häufig vorhandenen Praxiserfahrung schon ab dem ersten Semester fachlicher Austausch zwischen den Studenten stattfindet. Das dauert hier etwas länger, alleine weil viele Bachelorstudenten erst gegen Ende des Studium trinken dürfen (21) und Praxiserfahrungen machen. Es ist spannend die Branche hier aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu dürfen, welche wie man sich vorstellen kann, eher als Industrie erachtet und auch so genannt wird – eine Exkursion zu E & J Gallo hat dies eindrucksvoll bewiesen. Wie in Geisenheim ähnelt der Fachbereich einer kleinen internationalen Familie, in der sich Professoren und Studenten duzen. Es gibt einen Verkostungsverein, eine Studentenorganisation (ähnlich dem AStA), welche Parties und Ausflüge organisiert – Aber eine Institution wie das offene Weinfass gibt es leider nicht 😉

Jeden Geisenheimer, den es für ein Praktikum oder Urlaub an die Westküste verschlägt, lade ich herzlich ein in Davis vorbeizuschauen. Eine Gästecouch ist vorhanden! (mnolte@ucdavis.edu)

Wer sich für die Möglichkeiten des Flossfeder-Stipendiums interessiert findet alle Informationen hier.


Keine Kommentare möglich.