Alwin Hopf studiert Gartenbau im 6. Semester – nach einem BPS in Kenia und einem Erasmus+ Auslandssemester in Montpellier ist er jetzt für ein 3-monatiges Forschungspraktikum in Kanada.

RISE Weltweit ist ein Programm des DAAD für Bachelorstudenten der Natur-, Lebens- und Ingenieurswissenschaften, welches Forschungspraktika an Forschungseinrichtungen in allen Teilen der Welt fördert. Erstmalig seit diesem Jahr besteht auch eine Kooperation mit der kanadischen Organisation MITACS für Praktika in Kanada.

Bewerbung

Die Bewerbung erfolgt zuerst bei MITACS über ein Online-Portal. Neben den üblichen Daten (Lebenslauf, bisherige Praktika, Ehrenämter, Zeugnisse und Notenübersicht, Motivationsschreiben usw.) werden auch viele Informationen über die eigene Persönlichkeit abgefragt. Zum Beispiel musste ich auf einer Skala von 1-5 beurteilen, ob ich gerne Literaturrecherche betreibe, im Freien arbeite, Präsentiere, eher Alleine oder in Gruppen arbeite, und so weiter….

Aus der einer Projektdatenbank konnte ich mir anschließend bis zu 7 interessante Projekte auswählen, wobei bei jedem Projekt neben einer Projekt- und Anforderungsbeschreibung auch die Kontaktdaten des Professors angegeben waren, sodass man sich bei Bedarf weitere Informationen holen kann.
Projekte in Québec (französischsprachiger Teil von Kanada) setzten teilweise entsprechende Französischkenntnisse voraus, sind teilweise aber auch direkt auf Englisch ausgeschrieben. Ein einfacher DAAD-Sprachnachweis (kann im Language Center ausgestellt werden) reicht für die Bewerbung und auch die eingereichten Dokumente/Zeugnisse müssen zwar auf Englisch, aber nicht offiziell beglaubigt o.Ä. sein.

2 Monate später wurde ich von Professoren zwei meiner ausgewählten Projekte kontaktiert und zu jeweils einem Skype-Interviews eingeladen. Neben einem kurzen Kennenlernen wurde ich da insbesondere nach meiner Motivation (warum Kanada? Warum genau dieses Projekt?) gefragt und wie ich mir mein mögliches Praktikum grob vorstelle. Nach den Gesprächen konnte ich nochmals die Rangliste meiner ausgewählten Wunschprojekte ändern.

Nochmal 1-2 Monate später, im Januar 2017 kam dann die erhoffte Zusage für eines der ausgewählten Projekte. Bei mir und vielen anderen Praktikanten war dies identisch mit dem 1. Wunschprojekt, was aber nicht unbedingt der Fall sein muss.

Anschließend muss sich jeder MITACS-Stipendiat nochmal beim DAAD bewerben. Ich habe da lediglich nochmal dieselben Unterlagen der MITACS-Bewerbung im DAAD-Portal hochgeladen, was in 15 Minuten erledigt war. In den folgenden Wochen kamen dann weitere Informationen von MITACS/DAAD bezüglich der Organisation von Anreise und Unterkunft.

 

Finanzielles

Das Stipendium setzt sich zusammen aus einer Reisekostenpauschale und monatlichen Stipendienrate, für die 3 Monate ergibt das insgesamt circa 4500€. Weiterhin werden die Kosten für Krankenversicherung, Visum und ggf. anfallenden Studiengebühren übernommen bzw. zurückerstattet. Um finanzielle Aspekte des Aufenthaltes braucht man sich also keine Sorgen machen wie ihr seht! Insgesamt sind die Lebenskosten in Kanada vergleichbar mit Deutschland, ein WG-Zimmer kostet zwischen 300 und 500€. In den Großstädten Toronto/Vancouver wahrscheinlich etwas mehr, aber da gibt es ggf. die Möglichkeit in günstigeren Studentenwohnheimen unterzukommen welche über die Sommermonate oft Plätze frei haben.

Während der größte Teil der Stipendienzahlung vom DAAD auf das deutsche Konto erfolgt, werden evtl. bezahlte Gebühren für das Visum oder Immatrikulation von MITACS ausschließlich auf ein kanadisches Konto erstattet. Dafür muss ich mir ein Konto eröffnen und eine Steuernummer beantragen, was aber unkompliziert und kostenlos innerhalb eines Vormittags möglich ist.

 

Praktikum

Für mein Praktikum bin ich in Guelph, in Ostkanada und circa eine Stunde entfernt von Toronto. Guelph ist eine mittelgroße Stadt mit 130.000 Einwohner und typisch Nordamerikanisch mit breiten Straßen im Schachbrettsystem und großen Einkaufscentern am Stadtrand. Die University of Guelph hat insgesamt 32.000 Studenten und einen entsprechend großen Hauptcampus mit Arboretum, Fitness-Komplex, Stadion, Food-Court und nebenbei noch ein paar Labors und Vorlesungsgebäude. Angeboten werden Studiengänge aller Disziplinen, Guelph ist aber in Kanada und auch Weltweit insbesondere im Bereich Agrarwirtschaft/Veterinärmedizin und den damit verbundenen Teildisziplinen bekannt.

Das MITACS Praktikum findet in der Regel für 12 Wochen zwischen Mai und September statt. Das Start- und Enddatum konnte ich dabei frei mit meinem Betreuer absprechen. Von anderen deutschen Studenten habe ich gehört, dass sie ihr Praktikum ausnahmsweise auch erst Ende Juli anfangen und im Oktober beenden können, weil dies besser zu unseren Semesterferien passt. Die kanadischen Bachelor-Studenten haben im Sommersemester von Anfang Mai bis Ende August in der Regel keine Vorlesung, sodass es auf dem Campus allgemein etwas ruhiger zugeht. Neben anderen Austauschstudenten und Praktikanten sind im Moment also überwiegend Master- und Promotionsstudenten auf dem Campus unterwegs. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Studenten im Labor habe ich aber recht schnell viele Leute hier kennen gelernt und auch einen guten Einblick in das Masterstudium in Kanada bekommen.

Für mein Forschungspraktikum arbeite ich in der Arbeitsgruppe von Prof. Lubitz in der „School of Engineering“. Eingebettet in ein Verbundprojekt mit der „School of Horticulture“ geht es darum, mithilfe von CFD-Software die Luft- und Wärmeströmungen in Gewächshäusern zu simulieren und zu analysieren. Mein Praktikum ist somit eher im Bereich Umweltingenieurswesen einzuordnen, die bisherigen Kenntnisse über Gewächshaustechnik, Meteorologie und Pflanzenphysiologie aus dem Gartenbaustudium sind aber auf jeden Fall hilfreich!

Neben dem eigentlichen Praktikum bleibt natürlich noch reichlich Zeit die anderen schönen Seiten von Kanada kennen zu lernen. Als Kleinstadt hat Guelph zwar nicht wahnsinnig viel zu bieten, aber bis Toronto ist es nur eine Stunde und regelmäßig gibt es verschiedene Veranstaltungen von MITACS beziehungsweise dem regionalen MITACS-Mentor, wo ich andere Praktikanten kennenlernen konnte. Ansonsten liegt die wahre Schönheit Kanadas zumindest meiner Meinung ja auch eher in der Natur 😉 Mit einigen Nationalparks, Seen und den Niagara-Fällen in der Umgebung gab es bisher jedes Wochenende etwas Neues zu entdecken, sodass einem garantiert nicht langweilig wird!

Abschließend kann ich euch ein Praktikum im Rahmen von MITACS Globalink oder DAAD RISE nur wärmstens empfehlen! Sowohl fachlich als auch persönlich ist mein Praktikum hier eine sehr interessante Erfahrung und den Aufwand für die Bewerbung auf alle Fälle wert. Als ehemaliger MITACS-Globalink-Stipendiat hat man auch gute Chancen einen Zuschuss von bis zu 15.000 Kanadischen Dollar für ein späteres Masterstudium in Kanada zu bekommen. Das lässt die internationalen Studiengebühren gar nicht mehr so abschreckend hoch erscheinen 😉

Ab dieser Woche ist die Bewerbung für MITACS-Praktika im Sommer 2018 möglich und ab November dann für alle anderen Länder über DAAD RISE – viel Erfolg!


Keine Kommentare möglich.