Ein Leben für die Wein- und Getränkeforschung – Seine Forschungsarbeiten haben die moderne Getränkeherstellung entscheidend mitgeprägt

Ein Nachruf von Hans-Georg Burger.

Der langjährige Direktor des Instituts für Weinanalytik und Getränkeforschung an der Forschungsanstalt in Geisenheim, Prof. Dr. Karl Wucherpfennig, ist im Alter von 92 Jahren gestorben und jetzt in seinem langjährigen Wohnort Wiesbaden beigesetzt worden. Seit 1960 leitete Wucherpfennig 28 Jahre dieses Institut, dem er internationale Anerkennung verschafft hat. Der studierte und promovierte Chemiker und habilitierte Lebensmitteltechnologe hat mit seinen umfangreichen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Getränketechnologie und der Entwicklung neuer analytischer Methoden zur Beurteilung von Inhaltsstoffen alkoholfreier und alkoholischer Produkte die moderne Getränkeherstellung entscheidend mitgeprägt. So galt er als einer der wegweisenden Wein- und Getränkeforscher Deutschlands. Wie sein Nachfolger Prof. Dr. Helmut Dietrich vor zwei Jahren in seiner Würdigung zum 90. Geburtstag hervorhob, waren seine Forschungsarbeiten immer an den Problemen der Getränkebetriebe ausgerichtet. Er war nicht nur ein kompetenter Chemiker und Analytiker, sondern zugleich auch ein exzellenter Technologe. Dieser Tatsache verdankte die Branche wichtige Impulse und technische Neuerungen und davon zeugte eine ganze Reihe von Patenten, die zum Stand der Technik wurden.
Eine ganze Generation von Fachleuten der Wein- und Getränkebranche ist durch seine Hände gegangen, deren Absolventen heute leitend in Forschung und Lehre an Hochschulen und in Getränkeunternehmen in Deutschland und im europäischen Ausland sowie in Übersee tätig sind oder mit ihren eigenen Weingütern und Getränkebetrieben sich in der Branche einen Namen gemacht haben.

Prof. Dr. Karl Wucherpfennig (Bildquelle: Hochschule Geisenheim)

Auch im Ruhestand war er weiter in der Getränkeforschung aktiv. Immer wieder wurde er im Rahmen von Forschungsprojekten und von Unternehmen um Klärung von Problemen, vor allem technischer Art, und um Mitarbeit gebeten, um Lösungen bei Problemen in der Entwicklung und Produktion zu finden. Bis zuletzt verfolgte er aufmerksam die aktuellen Entwicklungen in seinem Fachgebiet und in der Forschung.
Seine hohe Kompetenz und sein Sachverstand waren auch in vielen Fachgremien im In- und Ausland gefragt, so unter anderem in der technisch-wissenschaftlichen Kommission der internationalen Fruchtsaft-Union, der internationalen Organisation der Fruchtsaftbranche. Sein Name war auch eng mit den Qualitätsprüfungen und der Entwicklung der sensorischen und analytischen Prüfkriterien der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) verbunden. Von 1963 bis 1996 war er 33 Jahren lang wissenschaftlicher Leiter der Qualitätswettbewerbe für Frucht- und Gemüsesäfte und damit der bis heute am längsten amtierende Prüfungsbevollmächtigte bei der DLG. Auch international gehörte er hierbei zu den Impulsgebern.
Große Verdienste hat er sich auch um die Zusammenarbeit zwischen Geisenheim und der Universität Gießen erworben, vor allem um die Einrichtung des akademischen Vollstudiums Önologie. Fast 30 Jahre vertrat er in Gießen ab 1965 als Lehrbeauftragter das Fach Lebensmitteltechnologie. In zahlreichen Diplom- und Doktorarbeiten sowie gemeinsamen Forschungsvorhaben zwischen Gießen und Geisenheim sind wegweisende Beiträge zur Obstverarbeitung und zur Haltbarmachung von Getränken sowie zur Analytik geleistet worden.
Für sein herausragendes Lebenswerk und insbesondere für seine Verdienste um die deutsche Wein- und Getränkeforschung sowie um die Qualitätsförderung ist Prof. Wucherpfennig 2009 in der Staatskanzlei in Wiesbaden mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse gewürdigt worden. Die DLG hat ihn für seine besonderen Verdienste mit der Max-Eyth-Denkmünze in Silber geehrt.

 

 


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